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Landwirtschaftskammer: Fragen über Fragen, aber nur wenige Antworten

Landwirtschaftskammer : Fragen über Fragen, aber nur wenige Antworten

Viele Nachbarn der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen verspüren derzeit ein Unbehagen in der Magengegend. Und das liegt daran, dass sie den Umstrukturierungsplänen der Kammer und den stadtplanerischen Gedankenspielen der Stadt Bonn nicht trauen.

Der Reihe nach: Die Körperschaft des öffentlichen Rechts will rund 4,7 Hektar ihres insgesamt 15,6 Hektar großen Areals an einen Investor verkaufen. Grund: Zum 31. Dezember 2015 soll das Verwaltungsgebäude an der Siebengebirgsstraße in Roleber aufgegeben und die 250 Mitarbeiter an andere Standorte umgesiedelt werden.

Die Stadt Bonn beabsichtigt, unabhängig von dem angestrebten Verkauf, eine Entwicklungsmaßnahme Roleber ins Leben zu rufen, um dem Wohnraumbedarf in der Bundesstadt nachzukommen. Aus diesem Grund laufen derzeit umfangreiche Untersuchungsmaßnahmen auf einer Fläche von 67 Hektar zwischen Holtorf und Roleber.

Aufgrund dieser Sinnverwandtschaft haben am Mittwochabend bei einer Bürgerversammlung der Stadt einige Anlieger die Vermutung geäußert, dass die angestrebte Umwandlung der "Sondernutzungsfläche Landwirtschaftskammer" in ein "Allgemeines Wohngebiet" eine Art abgekartetes Spiel sein könnte. "Das erinnert an eine Scheibchentaktik. Erst kommt jetzt eine kleine Fläche dran, dann folgen weitere bis in der Region alles zugebaut ist", mutmaßte ein Bürger.

Kerstin Hemminger von der Stadt Bonn und Matthias Becker von der Landwirtschaftskammer haben diese und ähnliche Vermutungen eindeutig zurückgewiesen. Man habe im Vorfeld natürlich darüber gesprochen, was für alternative Nutzungen auf dieser Fläche möglich seien, mehr aber nicht, so Becker. "Die Verantwortlichen der Landwirtschaftskammer verhandeln derzeit mit mehreren Kaufinteressenten. Es steht derzeit nur fest, dass das Verwaltungsgebäude in 100 Wohnungen umgewandelt wird. Alle Detailfragen kann man erst dann genau beantworten, wenn feststeht, welcher Investor den Zuschlag erhält und was dieser genau will", sagte Becker vor rund 70 Bürgern.

Der Bonner Architekt Wilfried Pilhatsch, der auch schon 1983/84 das Hauptgebäude entworfen hatte, hatte von der Landwirtschaftskammer den Auftrag erhalten, die geplante Umwandlung einzuleiten. Sein Entwurf sieht vor, dass die drei Hauptgebäude in ihrer Lage und Höhe erhalten bleiben.

Lediglich Balkone oder Terrassen sollen davor gesetzt werden. Es sind unterschiedliche Wohnungsgrößen vorgesehen, die eine breit gefächerte Nutzung vom allgemeinen bis zum generationenverbindenden und barrierefreien Wohnen ermöglichen sollen. Die Nebengebäude sollen abgerissen und durch Wohnhäuser ersetzt werden.

Sorgen machen sich die Nachbarn auch um die Verkehrsentwicklung und die Infrastruktur in ihrem Quartier. Wo sollen die Autos von bis zu 300 Neubürgern parken, reicht die Ausstattung an Schulen und Kindergärten und welche Konsequenzen hat das Wohnprojekt für den ÖPNV? Laut Verwaltung werden diese Fragen derzeit untersucht.

"Wir befinden uns ganz am Anfang der Planung. Wir können noch keine abschließenden Antworten geben", sagte Kerstin Hemminger. Derzeit gehen Architekt und Stadt davon aus, dass der jetzt vorhandene Parkraum ausreichen wird, die Grundschulen haben noch Kapazitäten, die Kindergärten allerdings nicht. Und das Busangebot soll sowieso noch einmal überdacht werden, weil es im Raum Roleber/Gielgen vor allem mit den Linien 608/609 verschiedene Probleme gibt.

Die Stadt sagte zu, Politik und Bürgerschaft auf dem Laufenden zu halten. Im September soll zum Beispiel ein Vorbericht zu den Untersuchungen für das mögliche Entwicklungsgebiet Roleber vorgelegt werden. Für die Änderung des Planungsrechts für das Projekt Landwirtschaftskammer rechnet die Stadt mit einer Dauer von bis zu zwei Jahren.