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Exhibitionist in Beuel: Frauen sexuell belästigt - Polizei lässt Verdächtigen frei

Exhibitionist in Beuel : Frauen sexuell belästigt - Polizei lässt Verdächtigen frei

Für drei junge Frauen aus Beuel sind derzeit die Nachtstunden nur schwer zu ertragen. In diesem Jahr wurden sie nachts bereits vier Mal von einem Exhibitionisten sexuell belästigt - zuletzt am frühen Donnerstagmorgen.

Wie berichtet, konnte die von den Frauen alarmierte Polizei den mutmaßlichen Täter kurze Zeit später am Beueler Bahnhof festnehmen. Nach Vernehmung und Feststellung der Personalien wurde der 24-Jährige wieder freigelassen. Das empört die drei Frauen, die in einer Wohngemeinschaft nahe dem Beueler Zentrum leben.

"Wir können nicht verstehen, dass der Mann wieder auf freiem Fuß ist. Er weiß, dass wir ihn angezeigt haben. Wir haben Angst, dass er wiederkommt", erklärte gestern Maria (Name von der Redaktion geändert). Erschwerend kommt hinzu: Der mutmaßliche Täter wohnt nicht weit von den Frauen entfernt.

Christoph Schnur, Pressesprecher der Bonner Polizei, erklärte am Freitag dem GA, warum der 24-Jährige das Polizeipräsidium in Ramersdorf wieder verlassen konnte: "Nach der Gesetzeslage dürfen wir einen mutmaßlichen Täter nicht in Gewahrsam behalten, wenn keine Flucht-, keine Verdunkelungs- und keine Wiederholungsgefahr bestehen." Letzterer Aspekt sei nur dann relevant, wenn der Betroffene bereits wegen einer ähnlichen Tat verurteilt worden sei.

"Wir ermitteln derzeit, ob der Mann auch für weitere Straftaten in Betracht kommt. Momentan liegt für uns kein Haftgrund vor", sagte Schnur und versicherte, dass die Polizei bezüglich dieses Falls sensibilisiert sei. Da in jüngster Zeit mehrere Exhibitionisten in Bonn ihr Unwesen getrieben haben, fragte der GA bei der Polizei nach, ob in diesem Jahr mehr Vorfälle dieser Art zu verzeichnen sind.

"Nein, es gibt keine signifikante Häufung von exhibitionistischen Handlungen. Jahreszeitenbedingt steigen die Zahlen im Sommer an und nehmen im Winter wieder ab. Exhibitionisten fühlen sich beim Betrachten leichter Sommerkleidung besonders animiert, ihrem Drang nachzugehen", betonte Schnur.

Derweil haben sich die drei Frauen überlegt, wie sie bei einem möglichen weiteren Zusammentreffen mit dem Mann reagieren. "Wir werden ab jetzt die Fenster nachts schließen. Am frühen Donnerstagmorgen hat er versucht, das gekippte Fenster aufzubrechen und in die Wohnung zu gelangen", sagte Maria. Bei allen vier Versuchen habe der Mann angetrunken gewirkt und wirres Zeug geredet. Er habe sich von seinen sexuellen Handlungen auch nicht dadurch abhalten lassen, dass die Frauen die Polizei riefen und ihn fotografierten.

"Da wir in einer Parterrewohnung leben, kann er jederzeit wieder durch den Garten auf unsere Terrasse gelangen", sorgt sich die Studentin. "Wir haben uns an den GA gewandt, weil wir unsere Nachbarschaft durch einen Zeitungsartikel vor diesem Mann warnen wollen."