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Limperich: Gemeinde Heilig Kreuz erweitert Binns-Orgel

Limperich : Gemeinde Heilig Kreuz erweitert Binns-Orgel

Die Schlüssel für den Orgelspieltisch hält Christian Jacob derzeit sozusagen eng am Mann. Denn es ist ein weiterer Schlüssel am Bund des Organisten hinzugekommen, der für 85 Pfeifen der neuen Tuba zuständig ist.

"Man muss sich mit mir gut halten, damit man die spielen darf", sagt der oberste Musiker im Seelsorgebereich "Zwischen Rhein und Ennert" nicht ganz ernst. Orgelbauer Oliver Schulte lächelt wissend: "Mit der Tuba haben wir der Orgel die Krone aufgesetzt."

Um das Musikinstrument zu beschreiben, das die Gemeinde 2007 auch mit Privatspenden finanziert hatte, braucht es etwas Platz. "Es handelt sich um die größte historische Orgel englisch-romantischer Klangprägung auf europäischem Festland", betont Schulte.

´Bei mehr als 2000 Pfeifen war schon der Aufbau des gebraucht gekauften Klangkörpers seinerzeit eine Herausforderung. "Wir wollten die Symbiose zwischen Alt und Neu wagen. Alte Teile wurden restauriert, fehlende nach modernen Standards nachgebaut", erklärt der Experte.

Vielleicht hatte Hildegard Hohberg, Vorsitzende der Orgelinitiative, schon 2007 eine Ahnung, dass es bei dem 260 000 Euro teuren Geniestreich nicht bleiben würde. "Links und rechts im Orgelgehäuse war noch Platz", sagt sie mit einem Schmunzeln. Wohl wissend, dass der Einsatz der Orgelinitiative damals wie heute nicht nur Freunde hatte. Eine Gemeinde, die sich für eine neue Orgel verschuldet? Das ging manchem zu weit.

Doch als das Erzbistum 2010 noch einmal Geld für die schon stehende Binns-Orgel zuschoss, träumte nicht nur Organist Jacob vom Kauf eines weiteren Registers, der Tuba. Um es vorweg zu nehmen: Bei einem Register ist es nicht geblieben. "Wir haben uns dann doch überzeugen lassen, dass drei Register mit 16 Fuß, 8 Fuß und 4 Fuß hohen Pfeifen sinnvoller wären", sagt Jacob. Selbst der Kölner Dom hat seine Tuba erst seit drei Jahren.

"Fünf Wochen hat der Pfeifenbauer in England für die Fertigung gebraucht, zwei Wochen dauerte die Klanggebung", sagt Schulte, dem danach die Aufgabe oblag, die 85 neuen Pfeifen samt eigenem Motor in Limperich einzubauen. Unterstützung erhielt der Mann aus Kürten im Bergischen Land von seinen ebenfalls noch jungen Mitarbeitern Sonja Füßmann und Martin Ommer.

Was für das Team in 150 Stunden erledigt war, wird die Heilig-Kreuz-Gemeinde noch länger beschäftigen. "50.000 Euro kosten uns die neuen Register", sagt Jacob. Dass er darüber nicht verzweifelt, mag auch an den engagierten Mitgliedern der Orgelinitiative liegen. "Wir bieten wieder Patenschaften für die Pfeifen an, die kleinen gibt es ab 20 Euro, die großen für 500 Euro", wirbt Hohberg.

Und im Gegensatz zur echten Patenschaft müsse man hier nur ein Mal zahlen. 40 000 Euro kamen so damals für die Orgelanschaffung zusammen. Ihre jeweilige Pfeife werden die Paten beim Pfarrfest am 15. September hören können: Dann feiert die Tuba Premiere. Und Organist Jacob, nicht minder geschäftstüchtig, kündigt an, beim Konzert am Fest einzelne Takte aus den "Tuba Tunes" gegen Geld zu spielen.

Die Suche nach der Orgel

Da die alte Orgel für die Kirche an der Kreuzherrenstraße zu klein war, gründete die Gemeinde 1999 eine Initiative. Ihr Ziel: Ein gebrauchtes Instrument kaufen und dafür Spenden eintreiben. Fündig wurden Sebastian Hohberg und Vincent Heitzer in Wuppertal.

Dort hatte Händler Andreas Ladach ein Exemplar der englischen Orgelbaufirma Binns von 1907 eingelagert. Die Orgel mit 35 Registern, drei Manualen und (damals) 1881 Pfeifen kostete samt Einbau 260 000 Euro. Das Geld brachten Erzbistum, Initiative und Kirchengemeinde auf. Weihnachten 2007 erklang die Orgel das erste Mal.