Schule mit Courage Gemeinsam für mehr Toleranz: Gesamtschule Beuel setzt ein Zeichen gegen Rassismus

Beuel · Die Integrierte Gesamtschule Bonn-Beuel setzt erneut ein Zeichen gegen Rassismus. Dass der keine Randerscheinung ist, spüren Schüler und Lehrer im Alltag.

Jonas Wohlfahrt-Bottermann spielt Basketball mit den Schülern der IGS.

Jonas Wohlfahrt-Bottermann spielt Basketball mit den Schülern der IGS.

Foto: Benjamin Westhoff

Seit über 20 Jahren setzt sich die Integrierte Gesamtschule Bonn-Beuel (IGS) für Toleranz und ein respektvolles Miteinander ein. Jetzt hat sie ihre Selbstverpflichtung als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ erneuert.

„Wir sind ein bunter Haufen – es gibt verschiedene Religionen, Lebensentwürfe, politische Ausrichtungen, sexuelle Orientierungen und intellektuelle Unterschiede“, sagt Klassenlehrerin Anemone Schneider. „Und obwohl es so viele Unterschiede gibt, sollten wir uns stets daran erinnern, dass wir einander mit Respekt begegnen müssen“, fügt sie hinzu.

Im Unterricht werde hierfür immer wieder sensibilisiert. In der Mittelstufe, so Schneider, sei es für viele Schüler schwierig, sie selbst zu sein. Die Themen Rassismus und Diskriminierung treiben viele um. „Wir haben mit mehreren Kursen und Klassen gesprochen, was diese Begriffe eigentlich bedeuten“, berichtet Schneider. „In der Oberstufe ist da schon ein stärkeres Bewusstsein vorhanden“, fügt sie hinzu. Das habe auch viel mit persönlicher Reife zu tun. Es werde seltener gelacht, wenn jemand einen bösen Witz auf Kosten anderer macht.

In der Vergangenheit habe die Schulgemeinschaft immer wieder Ausstellungen, Konzerte oder Thementage veranlasst, um mehr Bewusstsein zu schaffen. „Manchmal machen wir auch Stadtrundgänge, wenn es um die Aufarbeitung der NS-Zeit geht oder um Diskriminierung im Allgemeinen“, erzählt die Lehrerin. Trotz der vielfältigen Aufklärungsangebote sieht sie weiterhin Nachholbedarf.

Witze über die Herkunft

IGS-Schüler Anouar berichtet von seinen Erfahrungen mit Alltagsrassismus. „Es gibt hin und wieder Witze über die Herkunft. Das nehme ich mir jetzt nicht zu Herzen, aber es nervt nach einiger Zeit“, so der Neuntklässler. Viele der Äußerungen versteht er als Spaß unter Freunden, findet es aber wichtig, die Auswirkungen alltäglicher Diskriminierung zu verdeutlichen. Seine Mitschülerin Lilly ist der Meinung, dass keine Witze auf Kosten anderer gemacht werden sollten. „Auch wenn es nur Spaß ist, kann es die betroffene Person verletzen“, findet Lilly. Trotz der Bemühungen ihrer Schule beobachtet sie hin und wieder rassistische Äußerungen. „Es sind nicht nur Schüler unter sich, sondern auch Lehrer, die einige meiner Freunde anders behandeln“, erzählt die Schülerin.

Um einen guten Zugang zu den Schülern zu finden, setzt Referendarin Esra Türe auf persönliche Beziehungen zu ihren Schülern und eine vertrauensvolle Lernatmosphäre. „Ich möchte niemandem von oben herab etwas erklären“, betonte Türe. Stattdessen begegne sie ihren Schülern auf Augenhöhe. Gerade im Philosphieunterricht sieht sie großes Potenzial zur Sensibilisierung. Themen wie Gerechtigkeit, Fairness und den Umgang mit Fremden greift sie in ihrem Unterricht auf und regt die Schüler zum Nachdenken und Diskutieren an. „Es ist mir wichtig, dass die Kinder lernen, kritisch zu hinterfragen und sich eine eigene Meinung zu bilden“, so die Lehrerin.

In ihrer vorherigen Stelle an einer Gesamtschule in Hessen machte Türe ernüchternde Erfahrungen mit Unbewusstheit und Vorurteilen. „Einmal kam eine Lehrerin auf mich zu und fragte, ob ich den Eltern einer Schülerin etwas auf Arabisch übersetzen könnte“, erinnert sie sich und erläutert: „Ich spreche aber kein Arabisch, sondern Türkisch.“

Solche pauschalen Zuschreibungen von Eigenschaften seien für die junge Referendarin klare Beispiele von Alltagsrassismus. Obwohl hinter solchen Äußerungen selten böse Absichten steckten, müsse hierfür sensibilisiert werden. Ihren Schülern wolle Türe deshalb neue Perspektiven bieten und ihnen Werkzeuge an die Hand geben, um selbstbewusst gegen Unrecht und Diskriminierung eintreten zu können.

Unterstützt wird die Schule auf ihrem Weg von Jonas Wohlfahrt-Bottermann, einem ehemaligen Schüler der IGS und inzwischen Basketball-Profi bei den Hamburg Veolia Towers. Um ihr „Ja“ zu einem toleranten Miteinander auf besondere Weise zum Ausdruck zu bringen, erhielt jede Klasse einen Basketball. Diese Bälle wurden von allen unterschrieben, die den Weg als Courage-Schule mitgehen wollen. Anschließend wurde jeder signierte Ball symbolisch in einen „Ja!-Basketballkorb“ geworfen.

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