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Interview mit Jürgen Stoll: Herr über Wasser und Technik

Interview mit Jürgen Stoll : Herr über Wasser und Technik

Zweimal pro Woche steigt Jürgen Stoll (57) sozusagen privat ins Wasser. Den Rest der Zeit steht der Leiter von Ennertbad und Beueler Bütt am Beckenrand oder schaut in der Technik nach dem Rechten.

Sind die Sommer gefühlt kürzer geworden, Herr Stoll?
Jürgen Stoll: Zumindest ist die Dauerhaftigkeit der Schönwetterperioden schwer erkennbar bis gar nicht mehr gegeben. Sehr heißes und sehr schlechtes Wetter folgen schneller aufeinander.

Wie in der Unwetter-Woche?
Stoll: Ja, da hatten wir Dienstag und Mittwoch die Hütte voll. Ich kann mich nicht erinnern, wann wir ab 14 Uhr schon mal knapp 4000 Leute durchgeschleust haben. Dann das Unwetter am Donnerstag, bei dem wir alle Becken sofort gesperrt haben.

Hat der Regen Spuren hinterlassen?
Stoll: Wir haben Schwein gehabt, alles ist bestens abgeflossen, nicht mal ein Baum ist umgeknickt.

Ist Ihr Team bei schlechtem Wetter arbeitslos?
Stoll: Wenn alles still steht, eines wächst immer - das Unkraut. Unser Gelände ist fast 70.000 Quadratmeter groß, da gibt es viel zu tun. Wasserproben müssen gezogen werden, Filterrückspülungen stehen an und vieles mehr.

Auf wie viele Leute können Sie im Ernstfall - also bei schönem Wetter - zurückgreifen?
Stoll: Wir haben fünf Festangestellte Kräfte und dann Abrufkräfte. Das können bis zu zwölf Rettungsschwimmer in einer Schicht sein. Dieses Jahr gab es leider nur wenige Bewerber für die Aushilfsjobs. Wer also mindestens 18 Jahre alt ist, DLRG-Silber hat und einen Erste-Hilfe-Schein, der ist noch herzlich willkommen.

Neun Monate arbeiten Sie als Badleiter in der Beueler Bütt, von Juni bis August im Ennertbad. Wo sind Sie lieber?
Stoll: Das lässt sich schwer sagen. Aber im Freibad ist die Verantwortung wesentlich größer als im Hallenbad. Das Besucheraufkommen ist höher, das Gelände größer und in der Halle läuft mehr automatisiert ab. Aber ich bin ja nicht alleine, sondern habe ein tolles Team hinter mir.

Gab es Erlebnisse, die weniger schön waren?
Stoll: In fast 40 Jahren ist unter meiner Aufsicht Gott sei Dank niemand ertrunken. Schnittwunden und Platzwunden sind aber an der Tagesordnung. Ich hatte mal jemanden, der bei einem Salto rückwärts mit dem Kopf gegen das 1-Meter-Brett geknallt ist. Aber das Notrufsystem hat gut funktioniert. An den beiden heißen Tagen letzte Woche hatten wir 30 Zeckenbisse.

Wollten Sie immer schon im Schwimmbad arbeiten?
Stoll: Nein, eigentlich wollte ich zur Polizei, habe aber als Jugendlicher schon für die DLRG Beckenaufsichten gemacht. Dann hat die Stadt Bonn die Ausbildung zum Schwimmmeistergehilfen angeboten. Da habe ich mir gedacht: Ich will lieber Bikinis ansehen als Uniformen. (Er lacht). Ich war 1974 einer der ersten Azubis der Stadt Bonn in diesem Ausbildungslehrgang. Mitte der 80er Jahre habe ich dann noch meinen Meister gemacht.

Was fasziniert Sie an Ihrem Job?
Stoll: Wir müssen Techniker, Schlosser, Chemiker, Ersthelfer Schwimmlehrer, Sachbearbeiter und Gärtner in einem sein.

Sehen Sie das Ennertbad gut gerüstet für die Zukunft?
Stoll: Auf jeden Fall. 2008 ist das Bad optisch und technisch auf den neuesten Stand gebracht worden. Das Thema Karibik wurde umgesetzt. Die Karibikbar ist äußerst beliebt. Ein Besuch lohnt sich immer.

Die gute Fee schaut bei Ihnen vorbei, Sie haben einen Wunsch fürs Ennertbad frei. Welchen?
Stoll: Toll wäre eine Wasser-Spiellandschaft für unsere Nachwuchsbadegäste.

Zur Person

Jürgen Stoll wurde am 18. Dezember 1955 in Bonn geboren. Seit fast 40 Jahren arbeitet er in Bädern der Stadt Bonn, seit 1998 leitet er Ennertbad und Beueler Bütt. Der Wahl-Thomasberger ist verheiratet, hat zwei Kinder und zwei Enkel. Wenn er nicht im Schwimmbad anzutreffen ist, sitzt er mit ziemlicher Sicherheit auf seiner Honda Goldwing. Dann tourt er mit Freunden durch die Eifel oder schaut sich alleine den Sonnenuntergang am Rhein an.