Binden, Rasierschaum und Kabelbinder Bonner Rotarier packen Hilfspakete für Cherson

Beuel · Der Rotary Club Bonn Museumsmeile hat sich bei seinem jährlichen Hilfsprojekt in diesem Jahr für die Unterstützung eines Waisenhauses in Cherson entschieden. Am Samstag wurden die Hilfsgüter gepackt.

 Die Rotarier vom Club Museumsmeile-Bonn und einige Gäste packen, was in Cherson gebraucht wird.

Die Rotarier vom Club Museumsmeile-Bonn und einige Gäste packen, was in Cherson gebraucht wird.

Foto: Stefan Knopp

Auf den Tischen in der Beueler Brotfabrik ist alles Mögliche ausgebreitet: Dinge, die man im ukrainischen Cherson dringend braucht. Tücher, Hygieneartikel, Babysachen und jede Menge Kabelbinder … Wofür denn die? „Man hat mir gesagt, die halbe Ukraine baut sich mit Kabelbindern wieder zusammen“, erklärte Elisabeth Blömer, Präsidentin des Distrikts im Rotary Club Bonn-Museumsmeile. „Die kommen in jedes Paket.“

Viele Pakete werden am Samstagvormittag gepackt, die in den nächsten Tagen auf den Weg in die Ukraine gebracht werden. Der Inhalt: alles, was in einem Waisenhaus in Cherson gebraucht wird. Dieses, erklärte Blömer, wird derzeit nicht nur für elternlose Kinder genutzt, sondern auch als Seniorenheim und Krankenhaus. Die Einrichtung ist überfüllt, den Menschen dort fehle es an vielen Alltagssachen. Deshalb würden die Pakete individuell gepackt und die Zielgruppe darauf vermerkt: für Frauen mittleren Alters, für ältere Männer, für Kinder, Babys, und so weiter.

Bonner Rotary Club unterstützt jedes Jahr ein Projekt

Männer benötigen Rasierschaum, Frauen Damenbinden, Kinder Spielsachen und Kakaopulver und Babys Windeln und Milchpulver. Das Einpacken ist schnell erledigt. Für die nächst Ladung müssen erst neue Sachen besorgt werden, die die Mitglieder des Clubs und einige Gäste, unter anderem Ukrainer, verpacken können. Zeit für eine Kaffeepause und gemütliche Plauderei. Auch Maike Reinhardt ist dabei, Geschäftsführerin von city-marketing Bonn und Rotarierin. „Ich habe heute Duschgel, Handcreme, Kosmetiktücher, Tee, Haferflocken, Blumensaat, einen Handspiegel, Conditioner und anderes eingepackt“, zählt sie auf.

Der Rotary Club wählt jährlich ein Projekt aus, für das die Mitglieder Geld geben. Das Waisenhaus in Cherson war die Idee von Michael Klevenhaus, dem „Incoming President“: Er übernimmt im Sommer das Amt von Blömer für ein Jahr, danach ist wieder eine Frau dran. Eine Besonderheit beim Club Museumsmeile, dessen 20-jähriges Bestehen am Samstagabend im Hotel Königshof gefeiert wurde. „Das ist der erste Club in Bonn, der mit Frauen gegründet wurde“, so die jetzige Präsidentin. Und ihm gehören viele relativ junge Menschen an.

Bei der Sozial-Aktion des Clubs im Rahmen der 20-Jahr Charterfeier kamen 11420 Euro zusammen. Davon hat Sigrid Limprecht vom Verein Bonner Kinemathek die Hilfsgüter beschafft. Die Vereinsvorsitzende organisiert jeden Sonntag ein warmes Mittagessen in der Brotfabrik. Diese Aktion hatten die Rotarier von der Museumsmeile schon letztes Jahr mit 5000 Euro unterstützt. Jetzt war sie die Inspiration für die Sozial-Aktion.

„Die Rotarier sind ein Service-Club“, sagte Klevenhaus. „Wir sind zuerst dafür da, Gutes zu tun.“ Danach darf gefeiert werden. Die Güter werden übrigens nicht einfach so auf den Weg gebracht, sondern nach allen Regeln der Kunst: Der Club hat Listen mit Inhalten der Pakete für den Zoll zusammengestellt und teilt diesem auch das Ziel mit, „damit das nicht auf dem Schwarzmarkt landet“. Man hat auch noch Geld übrig für eine weitere Lieferung. Das alles sei natürlich ein Tropfen auf dem heißen Stein, meinte Klevenhaus, denn solche Hilfe werde überall in der Ukraine benötigt. Es sei aber wichtig, dass es überhaupt tropft.

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