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Denkmalschutz in Beuel: Historisches Fachwerkhaus wird von Grund auf saniert

Denkmalschutz in Beuel : Historisches Fachwerkhaus wird von Grund auf saniert

Ein altes Fachwerkhaus an der Ecke Zipperstraße und Adrianstraße in Oberkassel, an dem auf einem Balken die Jahreszahl 1564 stand, ist seit einigen Wochen verhüllt. Der Anlass: Das alte Haus wird kernsaniert mit dem Ziel, es wieder bewohnbar zu machen.

Ein altes Fachwerkhaus an der Ecke Zipperstraße und Adrianstraße in Oberkassel, an dem auf einem Balken die Jahreszahl 1564 stand, ist seit einigen Wochen verhüllt. Der Anlass: Das alte Haus wird von Grund auf kernsaniert mit dem Ziel, es wieder bewohnbar zu machen. Besitzer des Hauses ist Michael Dreisvogt, der technische Leiter des „Arboretums Park Härle“ am Fuße des Siebengebirges. „Wenn ich mal in Rente gehe, so zwischen 65 und 70, dann möchte ich mit meiner Frau hier einziehen“, sagt Dreisvogt, der in diesem Jahr 50 wird.

Doch so lange soll die Sanierung nicht dauern. „Mein Ziel ist es, im Jahr 2022 fertig zu werden und das Haus vermieten zu können“, erklärt er. Ein Blick durch die Bauabdeckung macht deutlich, welchen Aufwand die Zimmerei Krahe betreiben muss, um das ganze Holzgerippe vor dem Einsturz zu hindern. Gebrochene Sparren werden geschient, zu große Abstände werden mit Hilfssparren versehen. Die größtenteils verfaulten Fachwerkbalken des Erdgeschosses werden mit historischem Material repariert, die Fachwerkfüllungen, soweit notwendig, ersetzt oder ausgebessert. Das Haus, das eines der ältesten in Oberkassel ist, wurde zum Bedauern seines jetzigen Besitzers nicht mit Eichenbalken, sondern mit anderen, wiederverwendeten Hölzern erbaut oder umgebaut.

So sieht es derzeit im Inneren des Hauses aus. Foto: Rainer Schmidt

Dass die Adrianstraße höher gelegt wurde, ohne eine Drainage für die Grundbalken zu schaffen, hat der Bausubstanz geschadet und muss nachgebessert werden. Auch die historische Haustür wird aufgearbeitet und restauriert. Der Dachstuhl kann erhalten und muss lediglich ertüchtigt werden. „Ganz zum Schluss wird die alte Hofmauer an der Zipperstraße wieder aufgebaut“, sagt Dreisvogt, „denn diese musste lediglich für den freien Zugang der Arbeiter abgerissen werden.“

Dann hat er eine Fachwerkhofanlage, von der er heute schon träumt. „Vielleicht finden wir auch noch den alten Brunnen, der hier in der Gegend irgendwo sein muss. Denn das Wort ‚Zipper‘ beziehungsweise ‚Zippchen‘ hat etwas mit Brunnen zu tun.“

Das eingeschossige, von einem Satteldach gedeckte Fachwerkwohnhaus entstand im Kern im 17. oder 18. Jahrhundert als dreiraumtiefer Bau. „Auch wenn auf einem Balken die Jahreszahl 1564 steht, ich glaube nicht, dass das etwas mit dem Alter des Gebäudes zu tun hat“, sagt Klaus Großjohann, der ein Buch über Fachwerkhäuser in Oberkassel veröffentlicht hat. Fest steht, dass das Haus 1896 umgebaut, die Stube zur Straßen- und Hofseite hin erweitert wurde. 1909 erfolgte ein weiterer Umbau. Damals wurde es am nordwestlichen Giebel durch einen Fachwerkanbau erweitert.

Die ganzen Arbeiten, die vom Architekten Jens Koch in enger Abstimmung mit Angelika Belz von der Unteren Denkmalbehörde geleitet werden, werden von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) unterstützt. „Für die Gesamtinstandsetzung stellt die DSD dank zahlreicher Spenden sowie der Lotterie Glücksspirale 50 000 Euro zur Verfügung“, teilt die Stiftung in einer Presseerklärung mit. Der kleine Fachwerkwinkelhof gehört somit zu den über 440 Projekten, die die private DSD dank Spenden und Mitteln aus der Glücksspirale in Nordrhein-Westfalen fördern konnte. „Wir freuen uns über die Unterstützung“, so Dreisvogt, „dennoch ist es nur ein Bruchteil der Summe, die auf uns zukommt.“