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40-jähriges Jubiläum ohne große Feier: Im Jubiläumsjahr der Circusschule Corelli gibt es keine Auftritte

40-jähriges Jubiläum ohne große Feier : Im Jubiläumsjahr der Circusschule Corelli gibt es keine Auftritte

Seit 40 Jahren können Kinder und Jugendliche in der Circusschule Corelli in Bonn-Beuel vielfältige Kunststücke erlernen. Hanspeter Kurzhals, Zirkusdirektor und geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Circusschule, erinnert sich.

Die Circusschule Corelli am Buschhof in Oberkassel kann in diesem Jahr auf ihr 40-jähriges Bestehen zurückblicken. Nur mit dem Feiern wird es 2020 wegen der Corona-Epidemie schwierig. 40 Jahre sind ein stolzes Alter für die besondere Schule – vier Jahrzehnte, in denen viel passiert ist. Was die Schule auszeichnet, was sich in den Jahren geändert hat und wie es nun weitergeht, darüber hat Rainer Schmidt mit Circus-Gründer Hanspeter Kurzhals gesprochen.

Auch auf die Gefahr hin, dass Sie dies zum x-ten Mal erzählen müssen, wie ist es zur Circusgründung gekommen?

Hanspeter Kurzhals: Als Student habe ich Mitte der 70er Jahre einen kleinen Wanderzirkus auf einer Wiese in Küdinghoven entdeckt und freundete mich mit der Zirkusfamilie an. An den Wochenenden bin ich dem Zirkus dann jahrelang hinterhergereist und schrieb auf meinen kleinen Wohnwagen ,Zirkusschule’, weil ich den Kindern der Zirkusfamilie Lesen, Rechnen und Schreiben beibrachte. 1980 gründete ich dann gemeinsam mit einigen zirkusbegeisterten Jugendlichen die Circusschule Corelli in Oberkassel. Nicht zum Lesen-, Schreiben- oder Rechnenlernen, das bekamen sie ja in der ,normalen Schule’ mit, sondern zum Trainieren und Aufführen der Zirkuskünste. Wir sind also keine Schule, die Zirkuskinder unterrichtet, wie es die ,Schule für Circuskinder’ der evangelischen Kirche im Rheinland macht.

Wie geht es der Circusschule heute?

Kurzhals: Hier möchte ich erst einmal vorwegschicken, dass wir nicht nur eine Circusschule sind, sondern auch ein Circus mit eigenem Zelt und eigenen Auftritten. Aktuell besteht das feste Ensemble innerhalb der Circusschule Corelli aus 26 Kindern und Jugendlichen und einer Reihe Erwachsener, die hilfreich ehrenamtlich tätig sind. Gerade durch das ausschließlich ehrenamtliche Engagement und die überschaubaren laufenden Fixkosten stellt das corona-bedingte Versammlungsverbot dank der Elternspenden und sparsamer Haushaltsführung keine Existenzgefährdung für den Verein dar.

Können Sie sagen, wie viele Kinder und Jugendliche Sie in den vergangenen Jahren unterrichtet haben?

Kurzhals: In den letzten 40 Jahren waren viele hundert Kinder und Jugendliche dabei. Manche nur für einen Workshop, andere über viele Jahre im festen Ensemble, wovon nicht wenige auch im Erwachsenenalter immer noch die Verbindung zu uns halten und nach ihren Möglichkeiten bei Gelegenheit auch die Jüngeren bei ihren Übungen unterstützen.

Sind aus ihren Schülern auch Lehrer geworden?

Kurzhals: Ja, im Idealfall wird jeder bei Corelli ,Lehrer’, indem er nach einigen Jahren Erfahrung seine Künste an die Jüngeren weitergibt. Einige haben noch mehr draus gemacht. Nach einem pädagogischen Hochschulstudium konnten sie ihre Zirkuserfahrungen in ihre praktische Berufsarbeit mit einfließen lassen.

Unterscheiden sich der Circus und die Circusschule heute von der, die Sie gegründet haben?

Kurzhals: Geblieben ist über all die Jahre die Grundidee, nämlich in der Gemeinschaft ein Zirkusprogramm einzuüben und damit ein Publikum zu begeistern. Inhaltlich gibt es einen gravierenden Punkt, was unseren heutigen Zirkus von den Anfängen unterscheidet: Wir haben keine Tiere mehr, weder in der Schule noch in der Manege.

Wo und wann tritt Ihr Circus in coronafreien Zeiten auf?

Kurzhals: Normalerweise gibt es einmal pro Monat an den Wochenenden Vorstellungen, entweder im eigenen kleinen Zirkuszelt, in Hallen oder bei Open-Air-Festen. Dank des Bekanntheitsgrades von Corelli ist die Nachfrage sehr groß, deshalb beschränken wir uns auf die nähere Umgebung, um uns zeitraubende Anfahrten zu ersparen. Früher sind wir bis nach Dortmund oder Limburg gereist.

40 Jahre und kein Fest?

Kurzhals: Unsere großen Vorstellungen zum 40-jährigen Jubiläum im März wurden uns 48 Stunden vor dem Termin verboten, alle übrigen Termine in 2020 wurden von den Veranstaltern abgesagt. So bleibt es 2020 bei einem vorstellungsfreien Jahr, was es so noch nie gegeben hat. 2022 sind wir 40 Jahre ein eingetragener Verein, vielleicht gibt es dann ein Fest.

Würden Sie auch heute noch eine Circusschule gründen?

Kurzhals: Eindeutig ja. Auch nach nun 40 Jahren Erfahrung mit diesem Genre sehe ich nach wie vor meine persönliche Herausforderung im Studium der traditionellen Unterhaltskunst ,Zirkus’ sowie ihre Adaption auf kind- und jugendgerechte kreative, und erlebnisorientierte Freizeitpädagogik.