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Hilfsaktion aus Beuel: Ingo Pelzers Aktion "Hände zur Hilfe" löst sich auf

Hilfsaktion aus Beuel : Ingo Pelzers Aktion "Hände zur Hilfe" löst sich auf

Ingo Pelzers Aktion „Hände zur Hilfe“ löst sich auf. GA-Mitarbeiterin Gabriele Immenkeppel über die Hintergründe.

Karnevalist, Banker, Beueler mit Leib und Seele: Der „Gringes von Ramersdorf“ ist bekannt wie ein bunter Hund – und das nicht nur im Rechtsrheinischen. Selbst bei Papst Franziskus, beim ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler sowie Amtsinhaber Joachim Gauck hat Ingo Pelzer schon um Unterstützung gebeten. „Da kenne ich nichts. Ich habe ihnen einfach geschrieben. Es ging ja um eine gute Sache“, sagt der 75-Jährige lachend und blättert in seinem Aktenordner.

Genau mit dieser Einstellung hat er „sein Baby“, wie er es liebevoll nennt, groß und zur guten Sache gemacht: Unter seiner Regie gründete sich 2004 die Aktion „Hände zur Hilfe“. Doch jetzt geht diese Ära zu Ende. „Ich kann die Arbeit nicht mehr leisten. Es hat sich leider niemand gefunden, der den Vorsitz des Vereins mit aktuell 85 Mitgliedern übernehmen will“, erklärt er traurig. So werden die Hände zur Hilfe Anfang 2017 aufgelöst. Einfach sei ihm diese Entscheidung nicht gefallen. „Die Aktion lag mir wirklich sehr am Herzen.“

Der Verein hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen zu unterstützen, die aufgrund ihres körperlichen, geistigen oder seelischem Zustands Hilfe benötigen. Zudem unterstützte er Personen, die nach Unfällen, Katastrophen oder Todesfällen in wirtschaftliche Not geraten waren. Dabei lag der Schwerpunkt der Hilfestellung in der Region. Von Köln über Brühl, Siegburg, Sankt Augustin, Bonn bis nach Rheinbach und Meckenheim reicht die Liste der Einrichtungen, die sich auf die Hände verlassen konnten.

Ein besonderes Augenmerk legte der Verein stets auf kranke und behinderte Kinder und Jugendliche. Fehlte das Geld für besondere Therapien, dann sprangen die Hände ein. „Wir haben einmal einem Mädchen eine Delfintherapie ermöglicht. Es ist unglaublich, wie sich die Kleine daraufhin entwickelt hat“, erzählt Pelzer.

Der „Gringes von Ramersdorf“

Eines war ihm in allen Jahren aber besonders wichtig. „Unsere Spenden waren stets zweckgebunden. Wir sind immer vor Ort gewesen und haben uns davon überzeugt, dass das Geld entsprechend eingesetzt wurde.“ Rund 300.000 Euro wurden für unbürokratische Hilfsmaßnahmen zur Verfügung gestellt. „Jede Spende wurde ohne Abzug komplett weitergegeben“, berichtet er stolz.

Geld, das nur jemand wie der „Gringes von Ramersdorf“ sammeln konnte. „Man kennt mich halt. Nicht nur in Beuel, sondern auch aus meiner Zeit als Dozent an der Bankakademie. Viele von denen, die ich einst unterrichtet habe, sind heute in Vorständen verschiedener Geldinstitute. Deshalb war es für mich leicht, Sponsoren für unsere Arbeit zu finden“, so Pelzer.

Kern seiner Arbeit war die Organisation von Benefizveranstaltungen. Diese Abende im Oktober waren nicht nur ein gesellschaftliches Highlight im Beueler Vereinsleben. In geselliger Runde versteigerte Pelzer an diesen Abenden immer Unikate für den guten Zweck. Dabei ließ auch er selbst sich nicht lumpen.

„Nur vom Papst bekamen wir nichts"

So sicherte er sich die goldenen Schuhe der Ex-Bonna Alexandra, die Brille von Prinz Manfred sowie die knallroten Lacktreter des Godesberger Prinzen Peter. „Die habe ich sogar einmal getragen“, lacht Pelzer und holt sie aus dem Regal. „Als ich als Nikolaus unterwegs war. Aber die sind mir eigentlich viel zu klein. Das war wirklich eine Qual.“

Auch Wäscher- und LiKüRa-Prinzessinnen stellten für den guten Zweck einige Requisiten zur Verfügung – einmal sogar ein „Spitzebötzje“. Bei einer dieser Benefizveranstaltungen wurden dann ebenfalls die signierten Karten von Köhler und Gauck versteigert. „Nur vom Papst bekamen wir nichts. Allerdings wurde uns versichert, dass Franziskus für die Kinder betet.“

Wer es sich leisten konnte, der bot an diesen Abenden für Karnevalsbands. „Das war nicht nur für Vereinsfunktionäre interessant, die schon das Programm für die übernächste Saison planten, sondern auch für Privatleute“, erinnert er sich gerne zurück. So bezahlte ein Beueler 5000 Euro für eine Dudelsacktruppe aus der Eifel. „Das war das höchste Gebot, das wir je erzielt haben.“

So gerne Pelzer in den Erinnerungen schwelgt, so traurig ist er allerdings, wenn er an das Ende des Vereins denkt. „Ich habe wirklich alles versucht, um einen Nachfolger zu finden.“ Die Zeit, die er nun gewonnen hat, will er in Zukunft mit der Familie verbringen.