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Kommentar zur möglichen Obdachlosen-Unterkunft in Limperich: Integration mit Hürden

Kommentar zur möglichen Obdachlosen-Unterkunft in Limperich : Integration mit Hürden

Obdachlose gibt es in jeder größeren Stadt. Doch kaum einer sieht es gerne, wenn sie in der eigenen Nachbarschaft untergebracht werden. Dass die Stadt Bonn nach Unterkünften sucht, ist positiv, doch sollte die auch rechtzeitig darüber informieren, findet GA-Redakteur Holger Willcke.

Die Unterbringung von Geflüchteten und Wohnungslosen zählt zu den extrem sensiblen Themen in der Stadtpolitik. Jeder plädiert für menschenwürdige Unterkünfte, aber nicht wenige wollen diese Klientel in ihrer direkten Nachbarschaft wissen.

Um so wichtiger ist, dass man als Kommune mit diesem Thema offen umgeht. Und dazu zählt unter anderem eine frühzeitige Information der Nachbarschaft. In der Vergangenheit ist der Kontakt zwischen den Jugendlichen, die im Haus Rhenusallee 1 untergebracht waren, und der Nachbarschaft gut verlaufen. Das lässt hoffen, dass die Limpericher auch auf die künftigen Bewohner, bei denen es sich um Obdachlose handeln wird, zugehen werden.

Allerdings ist bezüglich der Standortwahl ein Grummeln in Limperich festzustellen. Woran das liegt? Ganz einfach: Unmittelbar an das Grundstück in der Rhenusallee grenzen die Anbauflächen der Gärtnerei Kissener. Und genau an dieser Stelle ist seit Jahren ein großes Neubaugebiet mit Wohnraum der gehobenen Klasse geplant. Unter dem Projektnamen „Rheinwohnen“ sollen auf 6000 Quadratmeter Fläche bis zu 600 Bürger neuen Wohnraum finden. Das Quartier am Landgrabenweg soll sogar nach dem Willen der neuen grün-rot-roten Koalition in Beuel zu einem „Vorzeigeprojekt für Bauen nach höchsten ökologischen Standards“ werden.

Das alles sind nicht nur aus städtebaulicher Sicht hohe Ziele für  einen hochwertigen Standort. Und da passt nach Meinung einiger Nachbarn ein Obdachlosenheim in direkter Nähe nicht zu. Der Bürgerverein Limperich  sieht das Thema allerdings entspannt und will erst reagieren, wenn die Stadtverwaltung alle Fakten zur Belegung und Modernisierung des Gebäudes offen auf den Tisch legt. Vorsitzender Karl Wengenroth hält es mit der Bundeskanzlerin. Angela Merkel sagte 2016 zum Thema Flüchtlingswelle bekanntlich: „Wir schaffen das.“

Diesem Satz ist auch bezüglich des Standortes in Limperich nichts hinzuzufügen. Eine internationale Stadt wie Bonn muss offen für alle Bevölkerungsgruppen sein.