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Nach Schüssen in Tunesien: Jasmin S. wird heute in Beuel operiert

Nach Schüssen in Tunesien : Jasmin S. wird heute in Beuel operiert

Wegen ihrer schweren Armverletzung muss die 23-Jährige Jasmin, die in den tödlichen Schüssen auf Ahlem und Onus D. in Kasserine in Tunesien auch getroffen worden war, schon heute operiert werden.

Zunächst sei geplant gewesen, sie im Bundeswehrkrankenhaus in Koblenz behandeln zu lassen. Weil die Wartezeit dafür aber zu lang gewesen wäre, entschied sich die Familie für einen Eingriff im Beueler Krankenhaus. Dort wird Jasmin auch psychologisch betreut.

Der Bonner Oberstaatsanwalt Robin Faßbender sagte dem GA auf Anfrage, dass Patronensplitter, die aus Jasmins Arm herausoperiert werden, eventuell als Beweismittel verwendet werden könnten. Derzeit sei aber noch nicht geklärt, ob der Gerichtsstand in Bielefeld, dem letzten Wohn- und Studienort der getöteten Ahlem, oder in Bonn festgelegt würde. Im Fall der Verwundeten Jasmin könne dagegen keine deutsche Behörde ermitteln. Sie sei zwar in Deutschland geboren und in Beuel aufgewachsen, besitze aber nur einen tunesischen und keinen deutschen Pass. "Somit ist Jasmin nach deutschem Recht eine Ausländerin, die im Ausland verletzt wurde", sagte Faßbender.

Am Montag äußerte sich erstmals der tunesische Staatspräsident Moncef Marzouki gegenüber den Medien über das Unglück. Er bestätigte, dass die Polizisten unrechtmäßig das Feuer auf die fünf jungen Frauen in dem Auto eröffnet hätten. Die Erklärung der tunesischen Behörden, dass die schießenden Zivilpolizisten die Frauen für Terroristen gehalten hätten, sei für ihn keine Begründung. "Auf diese Sätze haben wir gewartet, aber noch zeigen sie leider keine Wirkung", sagte Ahlems Tante Aziza Dalhoumi. Denn auch wenn der Präsident offiziell Stellung bezogen hätte, seien die Täter noch auf freiem Fuß.

"Verurteilen kann sie nur ein Gericht, damit die Wahrheit ans Licht kommt", erzählte sie. Trotz aller Zweifel gebe es weiterhin Hoffnung, dass "Recht gesprochen" werde. Auf die Familie komme neben den langwierigen Ermittlungen und Zeugenaussagen nun eine erhebliche finanzielle Belastung zu, wie Aziza Dalhoumi erklärt. Man suche nach einem Anwalt, nach ersten Schätzungen und Angeboten wird er mehrere Tausend Euro kosten.