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Im Jungen Theater: Jubril Sulaimon begeisterte als afrikanischer Geschichtenerzähler

Im Jungen Theater : Jubril Sulaimon begeisterte als afrikanischer Geschichtenerzähler

Gefährlich wackelt der Erzähltopf auf Alawiyes (Jubril Sulaimon) Kopf. Er schwankt, scheint immer wieder kurz vorm Absturz zu stehen. Doch egal wie sehr Alawiye auch gestikuliert, der Topf auf dem Kopf des Geschichtenerzählers scheint förmlich ein Eigenleben zu haben und quasi selber über seinen Verbleib auf Alawiyes Kopf zu entscheiden.

Dabei mangelt es nicht an Absturzgelegenheiten. In seiner rituelllen nigerianischen Tracht tänzelt und springt "Alawiye - Der Geschichtenerzähler" über die Bühne des Jungen Theaters Bonn (JTB) und erzählt moderne und traditionelle afrikanische Geschichten. Dabei begeistert Sulaimon in der Rolle Alawiyes bei seinem Gastspiel am Sonntag nicht nur kleine Besucher. "Es ist ein Familienprogramm, das auch Erwachsenen großen Spaß macht", stellt der Schauspieler zufrieden fest.

Seit 20 Jahren arbeitet Sulaimon in Deutschland. Als Schauspieler stand er auf allen großen Bühnen der Bundesrepublik, als Regisseur und Geschichtenerzähler setzt er immer wieder spannende Akzente. Momentan spielt er am JTB in der Mark-Twain-Adaption von "Die Abenteuer des Huckleberry Finn".

"Mit dem kleinen Jubiläumsprogramm griff ich eine Erzähltradition Nigerias auf", so Sulaimon. Der Erzähltopf nimmt dabei eine wichtige Funktion ein. Er sei das Gefäß, in dem die Geschichten ihr Eigenleben führten, falle er runter, habe der Topf entschieden, dass es nun anders weitergehen müsse. "In den Proben ist mir das auch mal passiert, es ist ja nicht leicht, ihn zu balancieren. Während einer Vorstellung fiel er aber noch nie runter", sagt Sulaimon. Neben der Symbolik und dem Spaß habe der Topf aber auch eine konkrete Funktion. "In ihm ist ein bisschen warmes Wasser, mit dem ich meine etwas angeschlagene Stimme in den Griff bekommen kann", verrät er vor der Vorstellung.

Der Anfang war nicht leicht

Als freier Schauspieler habe er in den letzten zwei Jahrzehnten einiges erreicht. "Es gibt nicht viele farbige Schauspieler wie mich in Deutschland", merkt er an und ergänzt erst auf Nachfragen, dass er durchaus zu den "meist beschäftigten schwarzen Schauspielern auf deutschen Bühnen" gehöre.

"Der Anfang vor 20 Jahren war nicht leicht. Ich musste erst überzeugen, mit konzentrierter Arbeit und Durchhaltevermögen konnte ich mich aber behaupten", so Sulaimon. Eigene Programme wie "Alawiye" entwickle er meist in den Pausen zwischen mehreren Engagements. "Es ist eine Belastung, die aber Spaß macht", sagt er.

So etabliert er auch sei, Träume habe er, trotzdem er gefragt sei, immer noch. Gerne spiele er Hannibal in Christian Dietrich Grabbes Stück oder William Shakespeares Othello, aber er wünsche sich, einmal als Goethes Faust auf der Bühne zu stehen. "Wenn ich das irgendwann hinbekomme, die Leute sich nicht dabei fragen, warum Faust farbig ist, sondern nur das Spiel sehen, wäre das traumhaft - auch Woyzeck fände ich mal spannend", so Sulaimon.

Weitere Informationen über Jubril Sulaimon im Internet auf: www.sulaimon.de