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Katholische Kirche: Missbrauchsskandal - Pfarrgemeinderat äußert sich

„Erschüttert, aber nicht mehr sprachlos“ : Pfarrgemeinderat äußert sich zum Missbrauchsskandal

Der katholische Pfarrgemeinderat „An Rhein und Sieg“ fordert eine offene Auseinandersetzung über den Missbrauchsskandal. „Die Verantwortlichen sollen endlich zu ihrer moralischen Verantwortung stehen“, heißt es im Pfarrbrief.

Der katholische Pfarrgemeinderat „An Rhein und Sieg“ in Beuel reagiert in seinem neuesten Pfarrbrief „erschüttert, fassungslos, zornig, aber nicht länger sprachlos“ auf die aktuellen Entwicklungen in seiner Kirche. Petra Gläser, Christiane Herbst-Jütten, Ulrike Rötten und Jörg Schmidt aus dem Vorstand beziehen sich auf das im März veröffentlichte Kölner Missbrauchsgutachten und den Bannstrahl des Vatikans gegen Priester, die homosexuelle Paare segnen.

Man nehme erschüttert wahr, „dass es in unserer Kirche in solchem Ausmaß zu moralischem Versagen, Vertuschung, Verdrängung und fehlender Verantwortungsbereitschaft gekommen ist“, schreibt das Gremium zum Missbrauchsskandal. Mit einem fortgesetzten Desaster der Kommunikation und einem Mangel an Transparenz sei „sehr viel Porzellan, sprich Vertrauen, bei den Gläubigen im Bistum zerschlagen“ worden.

Man fordere nun, dass die Verantwortlichen endlich zu ihrer moralischen Verantwortung stehen, auch wenn Taten wegen Verjährung oder aus anderen juristischen Gründen nicht verfolgbar seien, fährt der Pfarrgemeinderat fort. „Sie müssen auch freiwillig Konsequenzen ziehen“, folgert er. Damit folge man dem im März im Katholikenrat durch fast alle Pfarrgemeinderäte Bonns formulierten offenen Schreiben, erläutert Petra Gläser, die Gremiumsvorsitzende, auf GA-Nachfrage. Gerade die Katholiken in Beuel seien in den vergangenen Monaten durch Missbrauchsvorwürfe gegen ehemalige Priester hart getroffen worden.

Offene Kirche für alle Menschen

Man führe die Argumentation des Katholikenrats nun aber weiter auch in Bezug auf das danach publik gewordene Thema Homosexuellensegnung. Man wolle ausdrücklich eine offene Kirche für alle Menschen sein, betont Gläser. Die Beueler Erklärung präzisiert: Mit „allen“ meine man Menschen jeglichen Alters, jeglicher Hautfarbe, jeglichen Glaubens, Geschlechts und jeglicher sexuellen Orientierung. „Alle sind bei uns willkommen, und wir verwahren uns gegen jegliche Diskriminierung.“

Das Beueler Gremium habe sich mit dieser Erklärung vergewissern wollen, wo man stehe, erläutert die Vorsitzende. Im Hinblick auf die nächsten Pfarrgemeinderatswahlen habe man bewusst Stellung zu den aktuell heiß diskutierten Themen nehmen wollen. Nach den Ferien wolle man dazu bei einer moderierten Veranstaltung mit den Gemeindemitgliedern in den Dialog treten. „Wichtig ist, in den Diskurs miteinander zu gehen. Wir sind gespannt.“

Die auf der Homepage des Seelsorgebereichs „An Rhein und Sieg“ veröffentlichte Erklärung werde unter den Beueler Katholiken durchaus kontrovers diskutiert, weiß Gläser von ersten Reaktionen. Die einen stimmten ihr zu. Andere meinten: „Das, was ihr da sagt, ist nicht mehr unsere Kirche.“ Genau darüber wolle man Meinungen austauschen, also offene Kirche sein, meint Gläser.

Denn wenn man strittige Fragen nicht transparent mache, wendeten sich immer mehr Menschen von den Kirchen ab. „Wir vom Pfarrgemeinderat wollen aber in der Kirche bleiben. Wir sind keine Häretiker“, man stehe also keineswegs im Gegensatz zu den katholischen Glaubensgrundsätzen, betont die Vorsitzende. Man engagiere sich also weiter mit ganzem Herzen in der Kirche, die vor Ort so viele Dinge gut mache.

Die Beueler Erklärung im Internet.