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Beueler Historie : „Kieler Sprotte“ pflegt Beueler Historie

Beueler Historie : „Kieler Sprotte“ pflegt Beueler Historie

Inke Kuster ist seit zehn Jahren im Heimatmuseum aktiv. Die ehemalige Lehrerin bietet auch Stadtführungen an.

„Schon als Kind wollte ich Völkerkunde studieren und ganz viel ausbuddeln, am liebsten in Südamerika und China“, erzählt Inke Kuster zu ihrem Werdegang. Doch daraus ist nichts geworden. Aber dafür gräbt die ausgebildete Lehrerin stetig Neuigkeiten in Bonn und Beuel aus, die sie auf ihren Stadtführungen und Veranstaltungen vermittelt. Denn die in Thüringen geborene und an der Nordsee aufgewachsene „Kieler Sprotte“ ist eine gut beschäftigte Führerin durch Beuel. Dabei ist ihr norddeutscher Dialekt nicht zu überhören, und ihr Vorname verweist ebenfalls auf ihren norddeutschen Ursprung. „In meiner Schulzeit in Bonn war ich mit niemandem aus dem Rheinland in einer Klasse“, sagt sie quasi als Entschuldigung, dass sie kein Rheinisch spricht.

Ihren Beruf als Lehrerin hat sie immer gerne ausgeübt, „bis zum letzten Tag“, sagt sie. Kurz vor ihrer Pensionierung hat sie sich überlegt, was sie in der Zeit danach tun möchte. „Und dann hat sich das ergeben, was ich jetzt mache.“ Genau zehn Jahre ist sie nun im Heimat- und Geschichtsverein Beuel am Rhein. „Vor meiner Pensionierung, bei einem Spaziergang in Beuel, das ich bis dahin überhaupt nicht kannte, habe ich die Schönheit der rechten Rheinseite und das Heimatmuseum entdeckt.“ Und im Schaukasten stand ein Schild, dass Mitarbeiter gesucht würden. Nach ihrer Pensionierung hat sie sich daran erinnert und sich beim Heimatverein gemeldet. Das passte insofern gut, denn ihre Schwerpunkte sind die lokale Geschichte, das, was man früher Heimatkunde nannte. Ihre erste Amtshandlung im Museum war die Einberufung eines Mitarbeitertreffens, damit sich alle mal von Angesicht zu Angesicht kennenlernen und sich untereinander austauschen konnten. „Denn die waren hier regelrecht eingeschlafen“, war ihr Eindruck. Aber sie fand das, was hier aufgebaut wurde, einfach faszinierend. „Das war mit viel Liebe zum Detail und mit viel Herzblut gemacht.“

An ihre erste Ausstellung kann sie sich nicht mehr erinnern. Zu den Ausstellungen, die sie kuratierte, gehörte 2017 eine Ausstellung zur 650-jährigen Geschichte von Pützchens Markt, eine „Heiligenausstellung“ im Zuge des europäischen Kulturerbejahres 2018 sowie, um nur einige zu nennen, 2019 eine Ausstellung von Willi Bauckhage, in der er seine den Karnevalsmottowagen nachgebauten Figuren zeigte. „Circa zehn Ausstellungen habe ich in diesen zehn Jahren mit vielen Helfern auf die Beine gestellt“, sagt sie mit berechtigtem Stolz.

Inzwischen ist sie, sicher aufgrund ihrer anerkannten ehrenamtlichen Arbeit, stellvertretende Leiterin des Heimatmuseums geworden. „Zu meinen Aufgaben gehört das Organisieren von Vorträgen, das Organisieren des Museums. Was kommt wohin, damit in den Räumen mehr Luft ist und man die Exponate besser sehen kann.“ Man will ja letztendlich kein Gerümpelmuseum sein. Und schließlich hat Inke Kuster sich noch etwas vorgenommen, um das Museum in die Neuzeit zu führen: die Digitalisierung. Alles soll computergerecht erfasst werden. „Insgesamt haben wir alle hier unheimlich viel zu tun. Aber mir macht es immer noch Spaß, sonst würde ich es nicht machen.“ Dennoch würde sie sich, und nicht nur sie, über Verstärkung des Teams sehr freuen.

Weil sie in Godesberg seit ihrer Schulzeit gut vernetzt ist, im Gegensatz zu Beuel, hat Kuster für den Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg Rundgänge in den Stadtteilen von Godesberg organisiert sowie Führungen zu den Skulpturen rund um den Stadtpark. „Moderne Kunst gehört mit zu meinen Schwerpunkten“, gesteht sie. Weil sie Vorträge unter anderem zum „Ännchen“ gehalten hat, ist sie auch in den Verein Kunst & Kultur Bad Godesberg (KuKuG) „reingeraten“, wie sie es nennt. „Die Pest – Eine Spurensuche in Bad Godesberg“ nannte sich ein Rundgang mit ihr als Exkursionsleiterin (der GA berichtete). „Diese Führung habe ich vor Jahren ausgearbeitet, da war Corona noch kein Thema.“ Umso besser passt diese Spurensuche in die heutige Zeit.

Beim Verein StattReisen hat Inke Kuster eine Ausbildung zur Stadtführerin gemacht. Das war in etwa zur gleichen Zeit, als sie beim Heimatmuseum anfing, erinnert sie sich. „Ich fand damals, das wäre gar nicht schlecht.“ Als rheinischer Imi war ihre erste Aufgabe in Verbindung mit der Familienbildungsstätte „Rheinisches Kochen“. Auch eine Tour über den Marktplatz in Pützchen, als Vorbereitung auf die Kirmes, hat sie erarbeitet. „Dabei war ich zuvor noch nie auf Pützchens Markt gewesen.“

Doch damit nicht genug. Inke Kuster macht auch Stadtführungen für das evangelische Forum Bonn. So ist sie Referentin für „Blauköpp in Beuel“. Dabei klärt sie die Interessenten unter anderem darüber auf, warum im katholisch geprägten Rheinland Protestanten als „Blauköpp“ bezeichnet werden (der GA berichtete). Oder sie referiert in „Der Glockenkrieg in Oberkassel“ sowohl über die älteste evangelische Kirche in Bonn als auch über die Auseinandersetzungen zwischen den Konfessionen.

„Inzwischen“, gesteht Inke Kuster am Ende des Gesprächs, „weiß ich über Beuel doch recht gut Bescheid.“ Und das als Imi.