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Neue Leitung in der Kita Taubenschlag: Kinder setzen sich selbst Grenzen

Neue Leitung in der Kita Taubenschlag : Kinder setzen sich selbst Grenzen

Mit einem neuem Leiter blickt die Oberkasseler Kita Taubenschlag zuversichtlich in die Zukunft. Die Kinder konnten die Umsetzung einer Corona-Maßnahmen eigenhändig gestalten.

Auch wenn das nasskalte Frühlingswetter nicht allseits willkommen geheißen wird, scheint es den 40 Kindern der Oberkasseler Elterninitiative Taubenschlag die Laune nicht zu verderben. Mit Beginn der kurzen Schönwetterperiode vor rund zwei Wochen durften sie wieder den Garten der Initiative nutzen. „Mit Beteiligung aller Kinder und Erzieherinnen haben wir ein kreatives Konzept entwickelt“, sagt Niclas Buchmüller, „das erlaubt es den beiden Gruppen unserer Kita wieder, die Angebote im Garten des Taubenschlags zu nutzen.“

Dem neuen 32-jährigen Leiter der Kita ist es wichtig, „nach all den deprimierenden Nachrichten über die Situation in den Kitas“ auch einmal etwas Positives in der Coronazeit zu berichten. Natürlich hätten sich auch im Taubenschlag viele Kinder wochenlang nicht gesehen und nur in strikt voneinander getrennten Bereichen aufhalten dürfen. Doch mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen habe man gemeinsam ein kreatives Konzept entwickelt, das die jeweils zwanzig Kinder der Seestern- und der Villa Kunterbunt-Gruppe ihren gleichzeitigen Aufenthalt im großen Garten des Hauses an der Königswinterer Straße möglich macht: Ohne Bauzaun oder Absperrband nutzen zu müssen, teilen nun Abgrenzungen mit von den Kindern selbst hergestellten bunten Fähnchen das Außengelände in zwei Bereiche.

„Die Kinder sind happy“

Während im vorderen Teil der Rutschenturm im großem Sandkasten die viel genutzte Attraktion ist, können die Kinder im hinteren Bereich zwischen Nestschaukel, Wippe oder Bauwagen wählen. Alle zwei Tage wird gewechselt und „die Kinder sind happy“, so Buchmüller, der zuvor eineinhalb Jahre Leiter des Waldorfkindergartens in Alfter-Heidgen und davor fünf Jahre lang Erzieher in der Elterninitiative „Drachenkinder“ in Thomasberg war. „Ich bin froh, wieder in einer Elterninitiative zu sein“, sagt er rückblickend. Das Familiäre habe ihm zuletzt gefehlt. Im Waldorfkindergarten haben die Kinder ihn Siezen müssen, im Taubenschlag könne er wieder der Niclas sein.

Buchmüller war in seiner Ausbildung zum Geräte- und Systemelektroniker „todunglücklich“, wie er sagt. Als jahrelanger Trainer der Fußballjugend im damals noch heimatlichen Vettelschoß hatte er bereits mehr Freude daran, mit Kindern und Jugendlichen als mit elektronischen Bauteilen zu arbeiten. Er holte sein Fachabitur im sozialen Bereich nach und entschied sich für eine Erzieherausbildung. „Das habe ich nicht bereut“, sagt er lachend. Er fühle sich jetzt sehr wohl im Taubenschlag. Kritisch blickt er dagegen auf seine Zeit in der Waldorfkita zurück. Letztlich sei ihm der Umgang mit den Lehren Rudolf Steiners zu dogmatisch, zu festgefahren gewesen. Auch habe ihm die Turnhalle und das Sportangebot gefehlt – vieles davon könne er nun in Oberkassel wieder anbieten und umsetzen. Seitdem er mit seiner Lebensgefährtin und drei Kindern in Beuel wohne, genieße er es auch, wieder mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren zu können.

Voll des Lobes für „ihren“ Kindergarten ist auch Eva Wichmann, die seit der Gründung der Elterninitiative vor 29 Jahren als Erzieherin dabei ist. „Vieles hat sich in der Zeit verändert“, sagt sie nachdenklich. Früher seien die Kinder oft kreativer gewesen, hätten mehr mit sich selber anfangen können. Heute seien die Kinder „bedürftiger“ geworden und brauchten viel mehr Anregungen. Vielleicht läge das am überbehüteten Umgang der sogenannten Helikopter-Eltern, überlegt Wichmann. Allerdings kämen die Kinder heute auch schon viel früher in die Kita als in ihren Anfängen. „Nichtsdestotrotz“, sagt sie, „sind Kinder einfach das Tollste, was wir haben.“