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Kita Rheindampfer in Geislar: Eltern kritisieren Verkehrssituation vor Ort

Raser in Tempo-30-Zone : Eltern kritisieren Verkehrssituation vor Beueler Kita

Eltern in Sorge: Vor der neuen Kita Rheindampfer in Geislar wird zu schnell gefahren. Auch die Schotterwüste vor der Einrichtung birgt Risiken. Die Stadtverwaltung will nun handeln.

Hübsche Einfamilienhäuser entstehen derzeit im Neubaugebiet in Geislar, viele sind schon fertiggestellt, andere befinden sich noch im Bau. Die große Verbindungsstraße „Auf der Rötschen“ ist allerdings noch kein Blickfang: Es handelt sich um eine interimsmäßige Baustraße. Sie ist breit und lang und verleitet einige Verkehrsteilnehmer zum Rasen, obwohl vor Ort nur 30 Kilometer pro Stunde erlaubt sind.

Das ist besonders gefährlich, da sich in der Straße auch die neue Kindertagesstätte „Rheindampfer“ befindet. Der Bau wurde mit dem „Kita-Architekturpreis NRW 2020“ ausgezeichnet - dessen Schönheit können die Eltern und Kinder allerdings nicht richtig genießen. Denn die Verkehrssituation vor der Kita ist so gefährlich, dass die Eltern tiefe Sorgenfalten auf der Stirn haben.

Eltern schreiben Brief an Oberbürgermeister Sridharan

In einem Brief an Oberbürgermeister Ashok Sridharan, der gleichzeitig auch einen Antrag darstellt, berichten die Eltern und der Elternbeirat der Kita Rheindampfer von der Situation vor Ort. Sie kritisieren, dass keine Tempo-30-Schilder aufgestellt wurden und dass keine Geschwindigkeitskontrollen stattfinden. Auf dem Straßenabschnitt „Auf der Rötschen“ – die derzeit noch eine Baustraße ist – würde sich kaum jemand an die 30 halten. Daher wünscht sich die Elternschaft mobile Schikanen oder Bremsschwellen für die Fahrzeuge.

Caroline Weimer schickt ihre beiden Kinder in die Kita und sorgt sich. Weimer ist auch im Elternbeirat und hat zusammen mit anderen Eltern den Brief an den OB verfasst. „Die Stadt hinkt bei allem etwas hinterher“, kritisiert sie. Dabei spielt sie darauf an, dass die Stadt erst nach Intervention Hinweisschilder auf die Kita in dem Neubaugebiet aufgestellt hat. „Das hätte doch eigentlich mit der Fertigstellung der Kita geschehen sollen“, so Weimer.

Kein Platz für Fahrrad und Anhänger: Die Verkehrsinsel an der Kreuzung Niederkasseler Straße/ Liestraße ist zu klein. Foto: Susanne Suelmann-Kinz

Das Tiefbauamt der Stadt hat nun auf den Antrag geantwortet. Darin erklärt es, dass die Baustraßen ein Provisorium darstellen, die vornehmlich „der Andienung der privaten Hochbaumaßnahmen“ dienen. „Im Hinblick auf bauliche Ausstattung, Beleuchtung und Beschilderung ist diese nicht mit einer öffentlich gewidmeten Verkehrsfläche vergleichbar“, so das Tiefbauamt. Dennoch sollen die Straßen im Endausbau mit Aufpflasterungen zur Verkehrsberuhigung versehen werden.

Die Straße „Auf der Rötschen“ soll zudem als Tempo-30-Zone sowie die abzweigenden Planstraßen als verkehrsberuhigte Bereiche ausgewiesen werden. Damit es aber schon jetzt zu einer Verkehrsberuhigung in der Straße kommt, schlägt die Verwaltung in der Straße „Auf der Rötschen“ zwei sogenannte Asphaltwulsten im Bereich des Kindergartens vor, die die Autofahrer zum Abbremsen zwingen.

Darüber wird die Bezirksvertretung Beuel am Dienstag beraten. Kita-Leiterin Simone Runkel begrüßt den Vorschlag: „Wir finden das sehr gut, weil durch die Verlangsamung der Fahrzeuge unsere Kinder geschützt werden können.“ Caroline Weimer vom Elternbeirat bezeichnet den Plan als „einen Anfang“. Dieser sei zwar gut, aber nicht ausreichend. Denn so würden die Autofahrer nur an der Kita abgebremst, aber nicht im weiteren Straßenverlauf. Die Kinder würden sich schließlich nicht nur im Bereich der Kita aufhalten.

Mutter stürzt auf Schotter samt Kinderwagen

Gefährlich sei vor Ort auch der Schotter. Auf diesem kam eine Mutter samt Kinderwagen bereits zu Fall, wie in dem Schreiben steht. Der Schotter besteht vor Ort in der Tat aus einer dicken Schicht sehr grober Steine, über die man nur schwer gehen kann – das Schieben eines Kinderwagens oder auch das Befahren mit einem Fahrrad birgt Risiken.

Als gefährlich wird auch die von den Kindern und Eltern genutzte Straßenüberquerung der Niederkasseler Straße in Verlängerung der Liestraße bezeichnet. „Auf die Verkehrsinsel, die zum Überqueren zwingend notwendig ist, passt ein Fahrrad mit Anhänger nicht komplett und muss quer gestellt werden“, so die Antragsteller. Ein Überqueren der Straße mit mehreren Kindern sei dadurch schwierig und gefährlich, weshalb das Tempolimit in dem Bereich von 70 auf 50 Kilometer pro Stunde reduziert werden soll, so die Forderung. Die Stadt entgegnet: „Die zwingende Nutzung der genannten Querungshilfe an der Niederkasseler Straße ist für unsichere Verkehrsteilnehmer nicht erforderlich, da der linke Radweg in Fahrtrichtung Beuel-Zentrum freigegeben wurde.“

Thema wird am Dienstag in der Bezirksvertretung diskutiert

Weimer kann diese Erklärung nicht akzeptieren und findet, dass gehandelt werden muss, denn „solange nichts passiert ist, wird auch nichts unternommen“.  Die Querung werde auch von Kindern als Schulweg genutzt, die Kita-Kinder nutzen die Verkehrsinsel auch. Den Umweg über den Radweg lehnen die Eltern auch ab: „Einen Umweg von einem Kilometer – von der Ampel und zurück – halten wir für einen Gruppe mit zirka 20 Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren für unzumutbar“.

Bereits die Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs habe per Bürgerantrag versucht vor Ort die Geschwindigkeit auf 50 km/h herabzusetzen, der Antrag wurde abgelehnt. „Die Querungshilfe befindet sich außerhalb geschlossener Ortschaft. Hier erfolgte bereits eine Reduzierung von Tempo 100 auf Tempo 70, die aufgrund der sehr guten Sichtverhältnisse auf den Verkehr auch weiterhin als ausreichend erachtet werden“, so die Stadtverwaltung weiter.

Weimer berichtet auch von mehreren Beinahe-Unfällen an der Stelle. Am Dienstag wird das Thema in der Sitzung der Bezirksvertretung Beuel behandelt.