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Elterninitiative Lumerland in Beuel: Kontroverse über Mensaneubau

Elterninitiative Lumerland in Beuel : Kontroverse über Mensaneubau

Die Elterninitiative Lummerland ist enttäuscht vom Nichtstun der Stadt. Sie wartet schon lange auf einen dringend nötigen Erweiterungsbau in Küdinghoven. Das Städtische Gebäudemanagement entschuldigt sich für Pannen.

Die Vertreter der Elterninitiative Lummerland sind enttäuscht. Nach der Sitzung der Bezirksvertretung Beuel am Mittwochabend stand fest: Die Stadtverwaltung hat noch keinen Handschlag unternommen, um die Raumnot in der offenen Ganztagschule (OGS) der Ennertschule zu lindern.

Torsten Jark, Vorstand von Lummerland, hatte mit Kollegen im April 2019 einen Bürgerantrag gestellt und darum gebeten, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindliche Grünfläche nutzen zu können. Und zwar soll dort ein Erweiterungsbau oder ein Container hin.

Hauptproblem von Lummerland ist das Einnehmen des Mittagessens. Derzeit essen die Kinder in mehreren Schichten, weil nur 55 Stühle vorhanden sind. Für mehr würde der Platz auch nicht ausreichen. „Mittlerweile betreuen wir aber fast 200 Kinder. Wir benötigen dringend diesen Erweiterungsbau auf dem Gelände der ehemaligen Kindertagesstätte Pützchens Weg“, erklärte Jark Politik und Verwaltung eindringlich.

Die Verordneten aller Parteien waren deshalb über die schriftliche Stellungnahme zum Antrag der Elterninitiative verwundert und enttäuscht. Darin heißt es: „Eine generelle Aussage kann nicht getroffen werden, ob eine Interimslösung durch Container im Rahmen eines OGS-Ausbaus möglich wäre. Je Standort ist eine Einzelfallbetrachtung unter Berücksichtigung der dort geltenden Rahmenbedingungen wie zum Beispiel Planungsrecht, Denkmalschutz, Altlasten, Baumschutz erforderlich. Erst nach einer solchen Betrachtung können verlässliche Zahlen über Kosten und Zeiten für jeden individuellen Standort benannt werden.“

„Mehr als ein Jahr ist vergangen, und es nichts geschehen. Das ist nicht in Ordnung“, sagte Marco Rudolph (CDU). Martin Eßer (FDP): „Wir haben im September 2019 die Zusage von der Verwaltung erhalten, dass das Thema geprüft wird. Warum ist nichts geschehen? Da fehlt wohl der gute Wille.“ Maximilian Blesch (SPD): „Wir fordern die Verwaltung auf, uns bis zur übernächsten Sitzung eine Vorlage mit Lösungsvorschlägen vorzustellen.“ Dieser Antrag wurde von allen Fraktionen und Einzelgruppierungen einstimmig beschlossen.

SPD-Stadtverordnete Fenja Wittneven-Welter bat darum, die OGS Lummerland als Einzelfall zu betrachten und nicht mit den Nöten anderer Schulen zu vergleichen. „Wir haben aktuell ein großes Problem an der Ennertschule und das muss gelöst werden“, so die Ratsfrau.

Was dann in der öffentlichen Sitzung der Bezirksvertretung folgte, erstaunte selbst erfahrene Politiker. Lutz Leide, Chef des Städtischen Gebäudemanagements (SGB), präsentierte einen verbalen Kniefall vor der Politik: „Ich möchte mein Bedauern über die städtische Antwort zum Ausdruck bringen. Sie kann nicht befriedigend sein.“ Da Leide erst seit 1. November 2019 das Amt bekleidet, sagte er: „Beim SGB gibt es zwar eine neue Schwalbe, aber die alleine macht noch keinen neuen Sommer.“ Sein Arbeitstag umfasse manches Mal sogar die Nacht. „Wir wissen derzeit nicht, wo wir anfangen sollen. So viele Aufgaben sollen von uns erledigt werden.“ Leide sagte zu, sich persönlich um Lummerland kümmern und mit dem Leiter des Schulamts über die Situation in Küdinghoven sprechen zu wollen. „Ich bitte Sie alle um Entschuldigung“, beendete Leide seinen Redebeitrag im Saal des Brückenforums. Dorthin war die Bezirksvertretung umgezogen, damit alle Antragsteller der Bürgeranträge auch während der Corona-Pandemie persönlich anwesend sein und zu Wort kommen konnten.

2019 waren die Eltern der Lummerland-Kinder selbst aktiv geworden, weil eine Lösung des Raumproblems nicht in Sicht war. Mittels Bürgerantrag starteten sie einen öffentlichen Hilferuf in Richtung Stadt Bonn. In dem Schreiben forderte die Elterninitiative Lummerland Politik und Verwaltung auf, gegenüber der Ennertschule auf der Fläche des ehemaligen Kindergartens Pützchensweg einen Erweiterungsbau für die OGS zu errichten. Außerdem sollte die Fachverwaltung prüfen, welche Fördermittel für den Neubau bei Land und Bund abrufbar sind. „Wir haben bereits mehrere Anläufe für eine neue Mensa unternommen, aber unsere Initiativen sind meistens im Sande verlaufen“, erklärten damals Vorstandsmitglieder bei einem Ortstermin in der Ennertschule.