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Krankenhaus in Beuel: Kritik an der geplanten Schließung

Krankenhaus in Beuel : Kritik an der geplanten Schließung der Notfallpraxis

Der Verein Notdienstpraxis Beuel hofft zwar noch auf ein Umdenken der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO), aber man bereitet sich bereits auf die für den 1. Oktober dieses Jahres angekündigte Schließung der Einrichtung vor. Patienten erwarten Gegenwehr aus Politik und Verwaltung.

Äußerlich ruht Wolfgang Beisel in sich. Innerlich ist er aber aufgewühlt. Der Allgemeinmediziner ist Gründungsmitglied des Vereins Notdienstpraxis Beuel und seitdem dessen Geschäftsführer. Beisel, der fast 40 Jahre eine Arztpraxis in der Limpericher Straße leitete, koordiniert seit 2006 die Einsatzpläne für die Notdienstpraxis. Obwohl er bereits 75 Jahre alt ist, arbeitet er dort immer noch mit und hat das Ohr an Kollegen und Patienten.  Deshalb weiß er, wovon er spricht: „Diese Entscheidung dient nicht den Menschen, die unerwartet nachts oder an Wochenenden ärztliche Hilfe benötigen.“

Für den sportlichen Ruheständler steht fest, die von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) angeordnete Schließung der Notdienstpraxis wird zu langen Fahrwegen und Parkproblemen für Patienten und deren Angehörige führen. Denn: Für die Notdienstpraxis im Beueler Krankenhaus soll eine sogenannte Portalpraxis im Petrus-Krankenhaus im Bonner Talweg eröffnet werden.

Auf eine in ihren Augen bessere ambulante Notdienstversorgung in NRW haben sich unter anderem das Gesundheitsministerium NRW und die KVNO bereits im Februar 2019 geeinigt. Bedeutet: Bis Ende des Jahres 2022 wird flächendeckend im Zuständigkeitsbereich der KVNO das System der Portalpraxen eingeführt, um Klinikambulanzen zu entlasten.

„Seit Jahren wissen wir Ärzte, dass die KVNO dieses System aus wirtschaftlichen Gründen einführen will. Deshalb haben wir über alternative Lösungsmodelle nachgedacht. Leider konnten die Ärzte aus Bonn und Beuel sich nicht einigen. Jetzt werden wir kurzfristig über den Schritt informiert“, erklärt Beisel, der sich besonders darüber ärgert, dass die KVNO Ärzten und Patienten keine längere Übergangsfrist einräumt.

Dass die Notdienstpraxis in Beuel geschlossen wird, liegt vor allem auch daran, dass es keine vergleichbare Einrichtung in der Bonner Innenstadt gibt. In den Stadtbezirken Bad Godesberg und Hardtberg existieren Notdienstpraxen, die auch geöffnet bleiben sollen. In Bonn-Zentrum gehen Patienten im Notfall in eines der Krankenhäuser. Laut Thomas Scheck, Arzt und Vorsitzender der Bonner Ärztekammer Nordrhein, sind die Auslastungszahlen in Beuel in jüngster Zeit zurückgegangen. Das kann Beisel nur teilweise bestätigen: „Ja, die Zahlen sind etwas rückläufig. Das liegt aber vor allem an den Folgen der Corona-Pandemie.“

Die KVNO ist der Überzeugung, dass Patienten im Petrus-Krankenhaus, künftig besser versorgt werden können. „Schwerkranke können durch den gemeinsam mit dem Krankenhauspersonal besetzten Empfangsbereich direkt in die stationäre Versorgung geleitet werden. Umgekehrt erhalten auch leichter Erkrankte zielgerichteter die für sie geeignete medizinische Behandlung“, betont KVNO-Sprecher Christopher Schneider. Zudem würden die Krankenhausärzte von der Versorgung möglicher Bagatellfälle entlastet.

Beisel hält dagegen: „Im St. Josef Hospital läuft das System genauso und zudem bestens. Unsere Notdienstpraxis liegt nur 25 Meter von der Zentralen Notaufnahme des Krankenhauses entfernt. Alle Patienten müssen sich am Portal des Hospitals anmelden und werden dann entsprechend ihrer Erkrankung weitergeleitet.“ Auch das Krankenhaus bestätigt die gute Zusammenarbeit (siehe Interview).

 Wolfgang Beisel kritisiert die Schließung der Notfallpraxis.
Wolfgang Beisel kritisiert die Schließung der Notfallpraxis. Foto: Benjamin Westhoff

Die Entscheidungshoheit liegt laut Beisel bei der KVNO. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts unterstehe diese Institution niemandem. „Wir sind seit Jahren der KVNO ein Dorn im Auge. Ich befürchte, dass die Würfel jetzt gefallen sind und jede Gegenwehr schwierig sein wird. Die Anordnung beweist, dass die KVNO kein Fingerspitzengefühl für ein sensibles Thema wie dieses hat“, sagt Beisel.

Landtagsabgeordneter Guido Déus (CDU) und viele Beueler Parteien wollen die Entscheidung nicht akzeptieren. „Wir müssen uns alle gemeinsam dafür einsetzen, dass die Notdienstpraxis in Beuel erhalten bleibt. Stadt und Politik sind jetzt gefordert“, sagte Déus dem GA. Die Beueler CDU hat am Freitag eine Petition zur Rettung der Notdienstpraxis gestartet (siehe Kasten). Beisel freut sich über jegliche Form der Unterstützung: „Wir können nur dann etwas bewirken, wenn Ärzte, Patienten und Vertreter des öffentlichen Lebens gemeinsam sich für die Notdienstpraxis in Beuel einsetzen.“