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Kirchlichen Bürgerstiftung Beuel: Lernpaten dürfen ihre Schüler nicht sehen

Kirchlichen Bürgerstiftung Beuel : Lernpaten dürfen ihre Schüler nicht sehen

Lernpaten der Kirchlichen Bürgerstiftung Beuel berichten aus ihrem Corona-Lockdown. Vielen Schülern fehlt gerade eine Bezugsperson, mit der sie lernen können.

Die Jungredakteure Antonia Thomas (18) und Tobias Kohmann (18) haben in einem Bericht der Kirchlichen Bürgerstiftung auf die Beueler Lernparten in Lockdown-Zeiten aufmerksam gemacht. In dem Bericht erzählen sie von Zoe Schell (16) und Julius Kohmann (15), die ihre „Patenkinder“ derzeit nicht unterrichten dürfen. Es sei ein ungewöhnlicher Anblick, den Schulhof der Josefschule in Beuel leer anzutreffen, stellen die jungen Schreiber fest. Aufgrund der Corona Schutzverordnungen darf zurzeit kein Präsenzunterricht stattfinden. Auch das Lernpatenprojekt muss seit Längerem pausieren. Sonst unterstützen hier ältere Schüler des Kardinal-Frings-Gymnasiums und des Sankt-Adelheid-Gymnasiums rund zwanzig Grundschüler der Josefschule und Marktschule. Das Projekt der Kirchlichen Bürgerstiftung soll besonders junge Schüler mit sprachlichen Schwächen fördern. Der geringe Altersunterschied zwischen Paten und „Patenkind“ wird dabei zum Vorteil und sorgt für eine gelockerte Atmosphäre beim Lernen.

Geringer Altersunterschied zwischen Paten und Schülern

Zoe Schell ist seit einem halben Jahr Lernpatin und Julius Kohmann seit zwei Jahren. Sie sind Schüler des Kardinal-Frings-Gymnasiums. Beide haben über Bekannte von dem Projekt erfahren und sich dafür interessiert. Julius hat die Lernpatenkinder seines älteren Bruders übernommen, als dieser mit dem Projekt aufhörte. Dass die Stunden eine Mischung aus Lernen und Spielen sind, findet Zoe sehr schön, da so alle viel Spaß haben, und man dem Kind noch etwas beibringen kann.

Für Julius war es schön zu sehen, als er zu Weihnachten den Kindern eine kleine Tüte mit Süßigkeiten mitgebracht hat und sie sich sehr darüber freuten. Zoes schönster Moment hingegen war, als sie ihrem Patenkind das Spiel „Ich sehe was, was du nicht siehst“ beigebracht hat und es in der darauffolgenden Stunde begeistert erzählte, wie es das Spiel auch seinen Freunden erklärt hat. Durch das Projekt erkennen Zoe und Julius auch, dass nicht allen Kindern das Lernen in der Schule leichtfällt und jeder in seinem eigenen Tempo lernt. Außerdem sollte jedem Kind die Chance gegeben werden, Dinge so oft zu wiederhohlen, bis sie verstanden sind. „Diese Möglichkeit bietet das Lernpatenprojekt, weil jede Stunde individuell auf die Bedürfnisse des Kindes angepasst werden kann“, sagt Projektleiterin Andrea Profitlich. So stünden die Paten auch im engen Austausch mit den Lehrern, damit gezielt die Defizite der Grundschüler aufgearbeitet werden könnten. „Der Lernpate unterstützt sein Lernpatenkind zum Beispiel beim Deutsch lernen.“

Häufig bilden sich Freundschaften zwischen Kind und Pate

Von dem Lernpatenprojekt profitierten aber nicht nur die jüngeren, sondern auch die älteren Schüler. „Oft bilden sich so auch Freundschaften zwischen Kind und Lernpaten, und die Lernpaten werden zu einer Bezugsperson des Kindes“, sagt Profitlich. Zoe und Julius freuen sich sehr darauf, ihre Patenkinder bald wiederzusehen und ihnen weiterhin Spaß am Lernen zu vermitteln. Im Lockdown haben die Grundschüler nur wenig Kontakt zu ihren Paten. Zoe hat ihrem Lernpatenkind einen Brief geschrieben und auch eine Antwort erhalten. Dabei sei die Hilfe gerade sehr notwendig, wie Profitlich berichtet. „Es gibt Kinder, die außerhalb der Schule nur wenig Unterstützung erfahren und sehr von den Lernpaten profitieren. Dieser Bezugspunkt fehlt den Kindern derzeit schon.“