Beueler Verein fördert Kinder Mitmachen statt nur Zuhören beim „interaktiven Vorlesen“ in Kitas

Beuel · Der Verein „Kleiner Lernspatz“ setzt sich in Beuel auf vielfältige Weise für Kinder ein. Bei einem Pilotprojekt lesen Paten Kita-Kindern nicht nur vor, sondern beziehen sie mit Spielen mit ein. Das soll das Lernen der Sprache fördern.

Annie Duchez und Bodo Gensch leiten den Verein „Kleiner Lernspatz“.

Annie Duchez und Bodo Gensch leiten den Verein „Kleiner Lernspatz“.

Foto: Sebastian Flick

Beim Vorlesen nicht nur still sitzen und zuhören, sondern mitmachen: Darum geht es beim Pilotprojekt „Interaktives Vorlesen in Kitas“ des Vereins Kleiner Lernspatz, der dazu eine positive Bilanz zieht. „Die Paten sind alle sehr engagiert. Die Kita-Stunden bereiten sie mit viel Engagement vor“, berichtet Bodo Gensch, Vorsitzender des Vereins Kleiner Lernspatz. Beim interaktiven Vorlesen lernen die Kinder die deutsche Sprache spielerisch. Die Paten tauchen mit den Kindern nicht nur in spannende Geschichten ein, sondern spielen, singen, tanzen, malen oder basteln mit ihnen.

Mit dem Pilotprojekt will der Verein etwas vorbeugend gegen die dramatisch zunehmenden Sprachdefizite bei Kita-Kindern tun. Ausgangslage war das Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie der Uni Koblenz, die besagt: Wenn man Kindern, die Schwierigkeiten haben, die deutsche Sprache zu lernen, jeden Tag interaktives Vorlesen anbietet, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sie im Vorschulalter die deutsche Sprache lernen. „Das Ergebnis hatte uns motiviert, aktiv zu werden“, sagt Gensch. Für das Pilotprojekt wurde eine Kita in Tannenbusch ausgewählt, die aber nicht genannt werden möchte. Bewusst hatte der Verein eine Kita in einem Stadtteil mit besonderem Unterstützungsbedarf ausgewählt. „Sowohl Kinder mit als auch Kinder ohne Migrationshintergrund haben hier Probleme mit der deutschen Sprache“, berichtet Gensch.

Nach einer mehrmonatigen Testphase startete das Projekt im Sommer vergangenen Jahres. Unter anderem über Aushänge in Studentenwohnheimen fand der Verein Vorlesepaten, die regelmäßig in die Kita kommen und laut Gensch mit viel Eifer dabei sind: „Dank dieser Leidenschaft haben die Kinder große Lust mitzumachen.“ Das Wichtigste sei dabei, Spaß am Lesen zu vermitteln. „Wir müssen Kinder motivieren, aus eigenem Antrieb weiter zu lernen“, sagt Gensch. „Wenn die Kinder die deutsche Sprache verstehen, haben sie auch mehr Spaß am Lernen“, sagt Vorstandsvorsitzende Annie Duchez.

Konzept für Interaktives Vorlesen nach Projekt geplant

Aktuell sind sechs Vorlesepaten im Einsatz. Ihre Aufgabe ist die Förderung der deutschen Umgangssprache durch interaktives Vorlesen und Spiele. Die derzeitige Pilotphase läuft noch bis zum Sommer. Die Organisation der Vorlesepaten war gar nicht so einfach, berichten Duchez und Gensch. Gerne hätten sie einige Leute langfristig im Team, doch gerade Studierende können immer nur von Semester zu Semester zusagen. Zur Freude von Duchez und Gensch haben sich aber auch einige Bekannte gemeldet, darunter ein Polizist, der gerade in Rente gegangen ist und als Vorlesepate in das Projekt einsteigen möchte.

Der Verein Kleiner Lernspatz realisiert seine Projekte wie die Lernhilfe für benachteiligte Kinder ausschließlich aus Spenden. Mit diesen werden auch die Honorare der Vorlesepaten finanziert. Derzeit sammelt der Verein laut Duchez Spenden, um nach Ablauf der Projektzeit eine Abschlussfahrt zu organisieren: „Wir möchten nach Abschluss der Studie im Mai alle Vorschulkinder mit Paten und Lehrern in den Vogel- und Affenpark Eckenhagen einladen.“ Nach Abschluss des Projekts will der Verein dann zusammen mit der Kita in Tannenbusch ein Konzept schreiben, das auch andere Einrichtungen anwenden können.

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