1. Bonn
  2. Beuel

Beueler Rathaus: Moderne vertreibt Mief der Vergangenheit

Beueler Rathaus : Moderne vertreibt Mief der Vergangenheit

Zehn Jahre nach Erlangung der Eigenständigkeit (24. August 1952) erlebte die noch junge Stadt Beuel das nächste Großereignis: Am 27. September 1962 - also vor 50 Jahren - wurde das neue Rathaus eingeweiht. Nach dem Festakt feierten die Beueler eine Woche lang. Konzerte, Theaterstücke und ein Tag der offenen Tür standen auf dem Festprogramm.

"Es war für Beuel ein Meilenstein. Das neue Rathaus untermauerte die Eigenständigkeit und den Willen, viele wichtige Aufgaben bewältigen zu wollen", erinnert sich der Leiter des Heimatmuseums, Hans Lennarz, der 1961 für die CDU in den Stadtrat von Beuel gewählt wurde.

Bereits Jahrzehnte zuvor stand bereits fest, dass das 1896 erbaute alte Rathaus viel zu klein war. Immer wieder gab es Planungen für einen Neubau. Die Umsetzung scheiterte aber jedes Mal am fehlenden Geld. Folge war: Viele Abteilungen der Beueler Stadtverwaltung mussten ausgelagert werden.

Letztlich wurde in sieben Dependancen für das Gemeinwohl gearbeitet - ein unbefriedigender Zustand für Bürger und Verwaltungsmitarbeiter.

Zehn Jahre nach Kriegsende kaufte Bürgermeister Friedrich Breuer das 8850 Quadratmeter große Eckgrundstück an der heutigen Friedrich-Breuer-Straße/ Ecke Rathausstraße. Die Planungen begannen: Das Rathaus wurde für eine Stadt mit 50 000 Bürgern ausgelegt und sollte einen städtebaulichen Akzent setzen.

Eine großzügige Grünanlage mit Springbrunnen und Bänken sowie ein großer Vorplatz für Veranstaltungen rundete das Ensemble ab. Ein Preisgericht gab dem Bad Godesberger Architektenbüro Edward Piotrowski den Zuschlag. Der Entwurf sah 100 Büroräume vor.

Die damalige Stadtspitze, Bürgermeister Hans Steger (CDU) und Stadtdirektor Franz Brock, haben die Fraktionsvorsitzenden der im Stadtrat vertretenen Parteien stets an den Planungsdialogen beteiligt. Erwin Kranz (CDU), Christian Kölbach (SPD), Helmut Krahforst (FDP) und Werner Quadt (Bürgervereinigung) stimmten dem Neubau zu.

Damals verfügte die Stadt Beuel über eine sogenannte freie Spitze von 1,2 Millionen Mark. Brock warnte damals davor, dass dieses Geld nicht reichen würde, um alle Wünsche zeitnah zu erfüllen. Er legte damals einen Fünf-Jahres-Plan vor, der aufzeigte, was die Stadt sich leisten kann und was nicht.

Wie viel das neue Rathaus tatsächlich gekostet hat, weiß Lennarz nicht mehr genau: "Ich glaube mich an die Summe von einer Million Mark zu erinnern."

Kurze Zeit nach der Fertigstellung des neuen Rathauses wurde das Vorgänger-Gebäude abgerissen. "Aus heutiger Sicht unvorstellbar. Aber der Zeitgeist war in den 60er-Jahren so: Die Moderne sollte den Mief der Vergangenheit vertreiben", so Lennarz.

Heute befindet sich das Sozialamt der Stadt Bonn, der Stadtordnungsaußendienst für Beuel, das Bürgeramt und die Bezirksverwaltungsstelle Beuel im Rathaus.

1962 - Zehn Jahre Stadt Beuel:
Anlässlich der Einweihung des Rathauses gab die Stadt Beuel am 27. September 1962 eine Zeitung zum zehnten Geburtstag der noch jungen Stadt heraus. Bürgermeister Hans Steger (1922 -1998) wandte sich damals in einem Artikel an die Bürger. Die Zeitung sollte den Bürgern aufzeigen, was in den zehn Jahren der Selbstständigkeit alles geleistet wurde.

"Gewiß, die Bürger bekunden durch ihre Teilnahme an der Wahl des Rates ihr Interesse an kommunalen Dingen; dabei darf es aber nicht bleiben, wenn der Bürger in eine rechte und lebendige Beziehung zu einer Stadt treten soll", schrieb damals Steger, der in diesem Jahr 90 Jahre alt geworden wäre.

Besonders intensiv hatte die Stadt Beuel in den ersten Jahren in das Schulwesen und in neue Wohnsiedlungen investiert. So sind in dieser Zeit unter anderem die Realschule, die Evangelische Volksschule Vilich und die Volksschule Küdinghoven gebaut worden. Von 1952 bis 1960 wurden in Beuel 793 Häuser mit 1870 Wohnungen errichtet.

Die Einwohnerzahl stieg in zehn Jahren von 26.363 auf 31.754.