Naturschutz im Ennert Störfaktor Trampelpfad

Ennert · Beim zweiten Informationstag zum Naturpark Ennert kamen die Veranstalter mit vielen Menschen über die Artenvielfalt ins Gespräch und wiesen darauf hin, warum man Wege nicht verlassen und Hunde anleinen soll.

Info-Stände vor schöner Kulisse: Im Ennert blühen jetzt die Buschwindröschen.

Info-Stände vor schöner Kulisse: Im Ennert blühen jetzt die Buschwindröschen.

Foto: Stefan Knopp

Mit Tempo durch den Wald, am besten downhill, also bergab, das ist der Reiz für Mountainbiker auch im Ennert und im Siebengebirge. Heute bleibe er auf den Radwegen, erzählte ein Familienvater, der am Sonntag mit seinen beiden Töchtern beim Skywalk oberhalb des Stingenberg-Steinbruchs einen Zwischenstopp einlegte. Ob er auch querfeldein fährt? „Das habe ich früher gemacht“, meinte er. Dass dabei die Natur beeinträchtigt wird, nahm er gelassen. „Ich versuche, das zu vermeiden.“

Dann fuhren die Drei weiter, vorbei an den Ständen der Unteren Naturschutzbehörde der Bonner Stadtverwaltung, der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft und des Landesbetriebes Wald und Holz NRW. Die drei hatten schon im September letzten Jahres einen Informationstag zum Naturschutzgebiet Ennert durchgeführt, der als sehr erfolgreich gewertet wurde. „Die Leute waren offen, wir haben viele Dialoge geführt“, bilanzierte Tobias Billens, Landschaftspfleger bei der Biostation. Und weil das so zufriedenstellend war, veranstalteten die drei Institutionen am Sonntag ihren zweiten Infotag an der gleichen Stelle.

Gut frequentierter Skywalk

Man stellte dabei fest, wie gut frequentiert der Skywalk ist. Ständig waren die Mitarbeiter im Gespräch mit Wandergruppen, Familien, Joggern oder Spaziergängern wie dem Ehepaar Wendt aus Heisterbacherrrott. Die beiden sind jedes Wochenende im Siebengebirge unterwegs, „weil hier so eine abwechslungsreiche Natur ist“, erklärte Horst Wendt. Der Schmetterlingskenner schätzte die Veranstaltung als sehr hilfreich. Denn: „Viele Menschen haben ein Oberflächenwissen.“ Zum Beispiel darüber, wie man sich im Wald verhält und welche Tier- und Pflanzenarten es dort gibt.

Darüber klärten die Leute an den Ständen auf. Shauna Grassmann von der Unteren Naturschutzbehörde war es wichtig, Grundregeln zu vermitteln: „Dass man die Wege nicht verlassen darf und Hunde angeleint bleiben.“ Dass das nötig ist, habe man während der Corona-Lockdowns gemerkt. „Die Wanderparkplätze waren schlicht und ergreifend voll.“ Viele Menschen habe es plötzlich in die Natur getrieben, raus aus den eigenen vier Wänden. „Umso wichtiger ist es zusagen, dass das zwar ein Erholungsraum für Menschen ist, aber auch ein Naturschutzgebiet für Tiere.“

Ein dauerhaftes Spannungsverhältnis

Das ist natürlich ein dauerhaftes Spannungsverhältnis. Über einen Trampelpfad mitten durch die Frühblüher, die etwa durch Geocacher oder Bärlauchsucher entstehen, denkt man nicht weiter nach.  Aber für Tiere wie die Wildkatze sei er ein Störfaktor. „Sie ist angewiesen auf große zusammenhängende Waldgebiete“, erklärte Grassmann. Besonders schwierig sei es, dass solche Trampelpfade dann in einigen Exkursions-Apps als offizielle Wanderwege angezeigt würden und die Nutzer mittendurch führten.

Dadurch trocknet der Boden immer weiter aus und erodiert, erfuhr man beim Stand der Biostation, die auch eine Exkursion mit rund 25 Teilnehmern zu Frühblühern wie Buschwindröschen, Blaustern, Lungenkraut und Finger-Lerchensporn durchführte. Dort wächst dann so schnell nichts mehr, und das ist nicht gewünscht. „Sie sind zum Anschauen, zum Genießen, aber nicht zum Drüberlaufen“, sagte dazu Marc Redemann von Wald und Holz NRW. Er präsentierte auch ausgestopfte Waldtiere wie Dachs und Eichhörnchen und klärte über die vielfältige Fauna auf: Am Steinbruch brütet der Uhu, am Überhang lebt die seltene Schlingnatter und die Mauereidechse, die sich dort gerne sonnen.

Frei laufende Hunde sind ein Problem

Ein Problem dabei seien frei laufende Hunde: Die können nicht nur Rehkitze verschrecken und schlimmstenfalls dafür sorgen, dass deren Eltern sie abstoßen. „Hunde fressen, töten oder spielen auch mit Reptilien.“ Die würden sich dann andere Rückzugsorte suchen. Darüber hinaus sei Hundekot ein unerwünschter Dünger, erfuhr man bei der Biostation: zu stickstoffhaltig für den meist stickstoffarmen Waldboden. „Wir können ja tatsächlich nur drauf hinweisen, was für Gefahren es gibt“, meinte Till Loose von der Biostation. Die führte auch eine kleine Umfrage dazu durch, wie die Menschen den Ennert nutzen: Die mit Abstand meisten Punkte gab es beim entspannten Naturerlebnis, aber auch Jogger und Gassigeher gibt es.

„Wir wollen gar keinen aus dem Wald raushaben“, sagte Redemann. „Der Besucher soll sich mit Naturschutz beschäftigen.“ Im Naturpark Siebengebirge, der auch am Infostand zu finden war, schafft man trotzdem Angebote außerhalb des Naturschutzgebietes, etwa ein Kindererlebnisweg und die Genusstour Lecker-Ländchen. „Es ist ein räumlicher Ansatz“, sagte Geograph Linus Steinbach vom Naturpark: „Wir wollen entlasten, aber zugleich einen Ausgleich anbieten.“ So hofft man, Rückzugsgebiete für Wildtiere erhalten zu können. Das zu vermitteln sei wichtig: „Ich denke, dass die Kommunikation und Information dazu definitiv noch verbessert werden können.“

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort