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Im Ernst-Kalkuhl-Gymnasium beschäftigen sich Schüler mit Insekten: Neue Bienen-Waage sendet Daten per Satellit

Im Ernst-Kalkuhl-Gymnasium beschäftigen sich Schüler mit Insekten : Neue Bienen-Waage sendet Daten per Satellit

Am Ernst-Kalkuhl-Gymnasium haben Schüler in der Bienen-AG eine digitale Bienenwaage in Betrieb genommen. Damit sammeln sie wichtige Daten über das Volk und können die Informationen sogar bundesweit austauschen.

Eine Biene wiegt um die 100 Milligramm, und daran ändert sich im Lauf ihres Lebens wenig. Aber ihr Volk wächst, und am Ernst-Kalkuhl-Gymnasium (EKG), an dem Schüler seit eineinhalb Jahren das Imkern kennenlernen, können sie das jetzt messen: Der Bonner Lions Club hat der Schule eine Bienenwaage gestiftet. Damit können die Schüler die Entwicklung des schuleigenen Volkes digital mitverfolgen und die Ergebnisse mit Fachleuten in ganz Deutschland teilen.

Die Waage hat Imker Manfred Schmitz, der die Bienen-AG als Sachverständiger begleitet, im Beisein von Lions-Club-Präsident Wolfgang Wöller in Betrieb genommen. Ganz wichtig dabei: Der Stock darf nicht einfach von ihrem bisherigen Standort entfernt werden. Stattdessen muss die Waage darunter gelegt werden. Die paar Zentimeter Höhenunterschied könnten die Insekten verkraften, sagt Schmitz, aber den Stock auch nur um drei Meter zu verstellen, würde bedeuten, dass die Bienen ihn nicht wiederfinden. „Sie suchen den ganzen Tag und verenden dann am alten Platz.“

Waage sendet Messwerte

Die Waage sendet in kurzen Abständen via Satellit Messwerte an ein sogenanntes Dashboard. Die EKG-Homepage ist damit verbunden, ebenso das deutschlandweite „TrachtNet“. In dem Netzwerk beobachten Bienenfreunde Völker und deren Lebensbedingungen. Als Tracht bezeichnen Imker Nektar und Pollen, die die Bienen in den Stock bringen.

Auch im Unterricht könne die Waage eingesetzt werden, in Bezug auf die Messwerte, sagt Schulleiter Ulrich Drescher. Schüler können die Daten in den Fächern Biologie oder Mathematik statistisch auswerten und sie in Verbindung mit Witterung, Blühperioden und anderen Einflüssen bringen. Um die Ergebnisse zu konkretisieren, wurde auch eine Wetterstation neben dem Bienenstock eingerichtet.

Im vergangenen Jahr hatte die Schule noch zwei Völker, berichtet Schülervater Sven Adolf, der sich zusammen mit Dominic Laude für die Bienen-AG engagiert. „Aber ein Volk hat uns verlassen.“ Insgesamt sind 130 Gläser à 250 Gramm Honig zusammen gekommen, die zweckgebunden verkauft werden: Die Einnahmen fließen in das Haiti-Projekt am EKG.

Inbetriebnahme der Waage läutet Saison ein

Die Übergabe der Waage ist zugleich der Startschuss für die Saison der Bienen-AG gewesen. Die geht bis Oktober, danach bleiben die Bienen im Stock. Bis zu den Sommerferien beschäftigen sich die Teilnehmer mit Themen wie Vermehrung und Honigernte, danach bereiten sie den Stock auf den Winter vor. Außerdem soll in diesem Jahr eine neue Holzbeute gebaut werden: So nennt man die Behausungen, in denen die Bienen ihren Stock errichten.

Das Gymnasium setzt sich für Biodiversität und Insektenschutz ein. Zum einen sorgt Schmitz dafür, dass dem Bienenstock nicht der gesamte Honig entnommen wird, damit die Bienen in der kalten Jahreszeit genügend Nahrung zur Verfügung haben: Dann nehmen die Bienen den Honig als Energie auf, um den Stock warmzuhalten.

Zum anderen haben Adolf und Laude mit Unterstützung des Umweltamtes der Stadt Bonn eine Blühwiese sowie einen Sandkasten für Wildbienen angelegt, mit Schülern ein großes Insektenhotel gebaut und die Schulbibliothek mit Fachliteratur bestückt. Auch in den Kunstunterricht fließt das Thema ein, etwa indem Schüler Etiketten und Blühschilder gestalten.