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Plan der Stadt Bonn: Neues Bett für den Holtorfer Bach

Plan der Stadt Bonn : Neues Bett für den Holtorfer Bach

Acht Gutachten, drei runde Tische, unzählige Fachgespräche: Nach einem Jahr Bearbeitungszeit legt das Tiefbauamt für den beim runden Tisch gefundenen Kompromiss detaillierte Pläne zur Beseitigung ökologischer und hochwassertechnischer Defizite am Holtorfer Bach und Holzlarer See vor.

In einer ersten Phase soll der Abschnitt zwischen Bennerscheidweg aufwärts bis zum Zulauf des Holtorfer Bachs in das Hochwasserrückhaltebecken „Holzlarer See“ naturnah umgestaltet und offen gelegt werden. Diesen Plänen hat die Bezirksvertretung gestern Abend zugestimmt. Der Hochwasserschutz ist nach den teils katastrophalen Erfahrungen mit Starkregen im Bonner Stadtgebiet noch mehr in den Fokus gerückt.

„Die Holzlarer unterhalb des Bennerscheidwegs sollen so gut wie möglich geschützt werden; der vorhandene Schutzgrad soll deutlich erhöht werden“, erläuterte Matthias Franke, beim städtischen Tiefbauamt für die Gewässer zuständig, bei einem Ortstermin, zu dem die SPD-Ratsfraktion eingeladen hatte. Absolute Sicherheit könne es allerdings nie geben. Zur ökologischen Aufwertung sollen See und Bachlauf natürlich gestaltet werden, um beispielsweise Wasserorganismen auch eine Wanderung bachaufwärts zu ermöglichen.

Konkret heißt das: Der Holtorfer Bach wird ab dem Vorbecken in ein neues, offenes Bett rechts des Wegs verlegt und am See vorbeigeleitet. Bei Hochwasser sorgt eine Überlaufschwelle dafür, dass der Wasserüberschuss aus dem Bachbett in den Holzlarer See abfließen und dort zwischengespeichert werden kann. Die Wasserfläche des Holzlarer Sees beträgt derzeit 0,4 Hektar; sie wird auf ein Drittel verkleinert und soll zusammen mit weiteren Wasserbaumaßnahmen die Funktion des Hochwasserrückhaltebeckens und damit den Schutz erheblich verbessern.

Die beiden Betonrohre, in denen der Holtorfer Bach unter dem Bennerscheidweg weitergeführt wird, sollen zurückgebaut und durch zwei größere Durchlässe ersetzt werden. Dort schließt der Bachabschnitt, der renaturiert wird, an den noch natürlichen Unterlauf an. Konfliktpotenzial und Diskussionsstoff bestanden darin, die von der Bezirksregierung Köln verlangten Anforderungen an den Hochwasserschutz und die Wasserqualität zu erfüllen, zugleich aber den Naherholungswert des Gebietes zu erhalten.

In einem ersten Vorschlag sollte der Holzlarer See, der künstlich angelegt ist, verschwinden. Anwohner und Umweltschützer legten Einspruch ein. Der Kompromiss: Der See bleibt, wird aber verkleinert und der Wasserspiegel auf rund 100 Zentimeter abgesenkt. Er wird derzeit durch den Holtorfer Bach und teils durch Mischwasserentlastungen (Oberflächenwasser und Abwasser bei Starkregen) aus dem parallel laufenden Kanal von Niederholtdorf gespeist.

Von dieser Maßnahme unmittelbar betroffen ist Karl-Heinz Böhm. Der passionierte Angler und Mitpächter des Sees hat noch eine Rechnung mit zwei kapitalen Karpfen offen, die jeden Tag zum Sonnen an die Wasseroberfläche auftauchen. Im später verkleinerten See ist Angeln verboten.

Doch bis zur Umsetzung der Pläne wird noch einiges an Wasser den Holtorfer Bach hinabfließen.Franke rechnet mit mindestens einem Jahr für das Planfeststellungsverfahren. Außerdem sollen für die Maßnahme Zuschüsse beantragt werden, auch das braucht seine Zeit.