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Niederholtorf: ADFC kritisiert Vorfahrtsregel am Kreisel

Umstrittene Vorfahrtsregelung : Fahrrad-Club kritisiert Vorfahrtsregel am Kreisel in Niederholtorf

Um einen Kreisverkehr im Beueler Ortsteil Niederholtorf ist eine Diskussion entbrannt: Wie gefährlich ist die Stelle für Radfahrer? Der Fahrrad-Club ADFC hat sich vor Ort ein Bild gemacht und kritisiert die missverständliche Beschilderung.

Bei einem Ortstermin am Kreisverkehr Pützchens Chaussee/Oberkasseler Straße vor dem Ortseingang von Niederholtorf hat sich jetzt auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) selbst ein Bild von der umstrittenen Vorfahrtsregelung gemacht. Fazit: Auch die Fahrradclub-Vertreter sind der Auffassung, dass die Beschilderung missverständlich interpretierbar ist. Es dreht sich um die Frage: Wer muss wem die Vorfahrt gewähren – Autofahrer oder Radfahrer?

Auch Daniel Kassner, Sachgebietsleiter Verkehrslenkung bei den Bürgerdiensten der Stadt Bonn, ist noch einmal an den Kreisel im Ennertwald gefahren und hat sich die Situation vor Ort erneut angesehen, aber sieht sich danach in seiner Meinung bestätigt: Alles sei in Ordnung und entspreche der Straßenverkehrsordnung.

Aus Sicht der Verkehrslenkung gibt es somit keinen zwingenden Handlungsbedarf. Dass Radfahrer untergeordnet seien, werde alleine schon durch die fehlenden Furten, die es zum Beispiel am Kreisel am Polizeipräsidium gibt, deutlich. Auch gebe es am Schild „Vorfahrt gewähren“ keinen Hinweis auf querende Radfahrer, so dass der Individualverkehr davon auch nicht ausgehen müsse, so die Stadt. Der Unterschied laut Kassner zum Kreisel am Polizeipräsidium sei, dass dieser innerorts und der im Ennert außerorts liege. Deshalb existiere dort auch eine andere Verkehrssituation.

Genau diesen Unterschied bemängelt aber der ADFC. Nach Einschätzung von Gerhard Baumgärtel, Beueler Ortssprecher des ADFC, sei dieser Unterschied der Mehrheit der Radfahrer nicht bekannt: „Die Vorfahrtsregelungen sollten an allen Kreisverkehren gleich und eindeutig sein. Alles andere verwirrt nur“, sagte Baumgärtel dem GA.

Die Diskussion in Gang gebracht hat der Holtorfer Bürger Otto Kielhorn. In einem Brief an die Stadt Bonn, genauer gesagt an das Dezernat für allgemeine Verwaltung und Ordnung, hatte er um erneute Überprüfung der Vorfahrtsregel gebeten. Kielhorn ist als Radfahrer aufgefallen, dass an den Radwegquerungen des Kreisels Radfahrer Vorfahrt gewähren müssen, wenn sie im Kreisverkehr sind und eine Zufahrt/Ausfahrt queren wollen. Gleichzeitig haben Autofahrer Vorfahrt zu gewähren, wenn sie in den Kreisel einbiegen wollen.

„Diese Situation ist meines Erachtens nicht eindeutig, eher verwirrend und deshalb gefährlich. Wer hat Vorfahrt? Radfahrer und Autofahrer haben das Schild ‚Vorfahrt gewähren’ zu beachten?“, fragt Kielhorn. Da das Schild „Vorfahrt gewähren“ für den einbiegenden Autofahrer vor dem querenden Radweg stehe, sei der Radweg zweifellos Bestandteil des Kreisels. Wäre es in diesem Sinne nicht besser, die Schilder „Vorfahrt gewähren“ für die Radfahrer wieder zu entfernen? — so Kielhorn weiter.

„Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die meisten in den Kreisel einbiegenden Autofahrer den die Zufahrt querenden Radfahrer freundlich vorbeilassen. Ich habe aber auch schon erlebt, dass der Autofahrer Gas gab und wüst schimpfte, weil ich bei ihm wohl den Eindruck erweckte, als wolle ich die Vorfahrt für mich beanspruchen“, erklärt Kielhorn dem GA. Außerdem sei ihm bereits mehrfach aufgefallen, dass Radfahrer beim Erreichen des Kreisels den Radweg verlassen und direkt die Autospuren des Kreisels benutzen. Auch das könne nicht im Sinne der Verkehrsregeln sein, so Kielhorn weiter. „Ich bitte deshalb, die Situation, die für Radfahrer nicht ungefährlich ist, noch einmal zu überdenken“, fordert der Niederholtorfer Bürger.

Mitte Dezember wurde der langersehnte Kreisel im Ennertwald offiziell eröffnet. Seitdem hat sich die Situation für die Anlieger in Holtorf deutlich verbessert: Denn der tägliche Stau in Holtorf existiert seitdem nicht mehr. Über Jahre hinweg reihten sich die Autos auf der Löwenburgstraße kilometerlang im Berufsverkehr hintereinander. Das Problem hat sich mit dem rund 580 000 Euro teuren Kreisel nun erledigt. Allerdings gab es auch Kritik, weil es vor Ort keine Beleuchtung gibt: Das allerdings verbietet der Wald, weil er im Naturschutzgebiet Siebengebirge liegt.