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Kirchen und ihre Schätze: Nommensen-Kirche ist ein Ort der Gemeinschaft

Kirchen und ihre Schätze : Nommensen-Kirche ist ein Ort der Gemeinschaft

Das Konzept ist einfach: ein funktionaler Bau, bei dem sich alles auf einer Ebene befindet. Die Mission dahinter: eine Gemeinschafts-Atmosphäre zu schaffen. "Wir haben keine Kirche für sonntags. Wir haben Gottesdienst an jedem Tag, hier ist immer Leben", sagt Bettina Gummel, Pfarrerin der Nommensen-Kirche in Beuel-Ost.

Tatsächlich wurden im Gemeindezentrum, das 1986 eingeweiht wurde und in dem sich der Kirchraum befindet, ein Turnraum mit Tischtennisplatte sowie ein Seniorenkreis-Raum eingerichtet.

"Alles ist sehr funktional angelegt, inklusiv und barrierefrei von Anfang an", sagt Gummel. Im Gebäude befinden sich verschiedene Schiebewände, so dass das Gemeindezentrum je nach Gelegenheit mit ein paar Handgriffen umgebaut werden kann - so finden kleine Trauerfeiern ebenso Platz wie Krabbelgottesdienste, die großen Seniorenadventsfeiern, das Treffen der 130 ehrenamtlichen Helfer bei Pützchens Markt sowie Konfirmationen mit 250 Besuchern. Und an Heiligabend sitzen und stehen die Gottesdienstbesucher bis an die Eingangstüren.

"Das ist eine super Konzeption. In der Kirche lässt sich sogar sehr gut Theater spielen", sagt die Pfarrerin. Der Altar ist nicht erhöht und eine Bank ist an der Wand dahinter installiert. "Alles befindet sich auf einer Ebene und zeigt, diese Kirche ist für die Gemeinschaft der Menschen da", so Bettina Gummel. Allerdings hat der Zeitgeist der 80er Jahre auch für den heutigen Geschmack befremdliche Spuren hinterlassen: Mit den untypischen, relativ niedrigen Räumen wirkt die Kirche recht dunkel.

Aber nachdem der Besucher den Raum betreten hat, wird der Blick sofort von den Schätzen der Nommensen-Kirche angezogen, einer maßgefertigten Orgel und einem bunten Fenster neben dem Kreuz. "Man muss hier mehr tun, um eine entsprechend feierliche Atmos- phäre zu schaffen", sagt die Pfarrerin. Als sie im Januar 1987 als Pfarrerin gewählt wurde, besaß die Kirche kein Instrument. "Da habe ich mir einen Flügel von der Kirche Beuel-Süd, wo ich zuvor Vikarin war, ausgeliehen und einen kleinen Hocker, denn sie hatten dort zwei davon. Das ist jetzt 27 Jahre her, und beides ist noch hier", so Bettina Gummel.

Gleichzeitig hatte ein Frauenkreis aber schon begonnen, für eine Orgel zu sammeln, die dann 1991 auch angeschafft und von einem Osnabrücker Orgelbauer passgenau für die Kirche gefertigt wurde. Und dank einer Spende des Kirchbauvereins konnte auch das farbige Fenster 2002 angeschafft werden - entworfen und realisiert von den Brüdern Georg und Jürgen Linden aus Poppelsdorf. Die Fensterfarben harmonisieren mit denen der Kirche. "Jeder sieht in den Formen etwas anderes, mich erinnern die drei Säulen an die drei Kreuze auf unserem Altar, an die Dreiheit unseres Gottesbildes, an Glaube, Liebe Hoffnung. Manche Kinder sehen Geister darin oder den heiligen Geist", so Gummel.

Das Blau nimmt die Farbe des Himmels auf, leitet aber gleichzeitig zu einem weiteren Schatz über. "Das Blaue Haus ist für uns ein Segen und darin sieht man die zehn Jahre Unterschied der Erbauung", so die Pfarrerin. In der Tat, das Haus für die Jugend ist hell mit hohen Decken und eben blau: blaue Fenster- und Türrahmen, blaue Beschläge an den Schränken, sogar die Papierkörbe sind blau. "Zunächst war die Gemeinde zögerlich, ob wir neu bauen sollten und auch das Grundstück machte Schwierigkeiten, es liegt unmittelbar an der Industriebahn. Doch dank der Unterstützung der Stadt und vieler Politiker - über die Parteigrenzen hinweg - ist es gelungen, dass wir das Blaue Haus 1997 einweihen konnten", sagt die Pfarrerin.

Das Haus ist eine anerkannte Offene Tür und bietet vielfältige kreative und kulturpädagogische Angebote für Kinder und Jugendliche. "Und wir haben sogar noch einen Schatz, das ist unsere Küsterin Claudia Curtius", sagt Pfarrerin Bettina Gummel.

Nommensen-Kirche

Die Nommensen-Kirche wurde am 7. September 1986 eingeweiht - als bisher letzte in der vierten Pfarrstelle in Beuel. Die "Evangelische Kapelle in Beuel" war für die kleine evangelische Diasporagemeinde 1894 die erste evangelische Kirche in Beuel. Durch den Zuzug der Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg und mit Bonn als Hauptstadt kamen immer mehr evangelische Christen nach Beuel. Es entstanden neue Bezirke - Beuel-Süd und Beuel-Nord. Beuel-Ost wurde 1982 dem indonesischen Austauschpfarrer Mangisi Smorangkir übertragen. Er kam aus der Batak-Kirche in Nordsumatra, die der deutsche Missionar Ludwig Ingwer Nommensen gegründet hatte. Nach ihm ist die Kirche am Weidenbach benannt.