Herz-Jesu-Kloster Nonnen ziehen aus Ramersdorfer Kloster aus

Ramersdorf · Die sieben letzten Rekollektinnen aus dem Herz-Jesu-Kloster bleiben in Ramersdorf, ziehen aber aus ihrem bisherigen Wohnhaus um in einen Neubau und in Mietwohnungen. Der GA hat die Ordensschwestern in ihrem neuen Heim besucht.

 Das Klostergelände unterhalb der Autobahn ist Schwester Katharina Kowalczyk wohlvertraut, das neue Zuhause noch nicht.

Das Klostergelände unterhalb der Autobahn ist Schwester Katharina Kowalczyk wohlvertraut, das neue Zuhause noch nicht.

Foto: Benjamin Westhoff

Es war eine beschwerliche, traurige Woche für die sieben Ordensschwestern der Rekollektinnen. Die kleine Schar hat ihr seit 98 Jahren angestammtes Domizil verlassen und auf dem Gelände des Herz-Jesu-Klosters einen Trakt in einem neuen Mehrparteien-Haus bezogen. Sie wohnen jetzt zur Miete – mit Wohnberechtigungsschein. Der Ordensname steht neben 15 anderen Mietern auf dem Klingelschild an der Lindenstraße. „Wie das Zusammenleben Tür an Tür mit anderen Menschen ist, müssen wir noch herausfinden“, sagt die Generaloberin, Schwester Katharina Kowalczyk.

Vor rund zehn Jahren hat sie – die weitaus jüngste in der Ordensgemeinschaft – ein heikles Thema dringlich gemacht: die Zukunft. „Wir werden immer älter. Das Schwesternwohnhaus ist viel zu groß. Ein altes Gebäude aus dem 17. Jahrhundert. Es muss dringend renoviert werden. Dafür ist kein Geld da. Was sollen wir machen?“ Die sieben Rekollektinnen sind die letzten ihres Ordens. Das Mutterhaus in Eupen ist längst geschlossen. Das Herz-Jesu-Kloster in Ramersdorf wurde 1920 als Dependance gegründet. „Hier sind wir verwurzelt. Also soll hier auch unser letztes Zuhause sein“, erklärt Schwester Katharina.

Acht Investoren erhielten einen Korb

Das Kloster-Areal zu verkaufen und an den Verkauf Bedingungen zu knüpfen, das war die Lösung. Der neue Eigentümer sollte für die Nonnen als Altersversorgung barrierefreie Wohnräume mit einer Kapelle bauen. „Sie fallen an ihn zurück, wenn wir mal nicht mehr da sind“, so der Handel.

Energisch, mit Gottvertrauen und verlässlichen Beratern hat Schwester Katharina das Ziel erreicht. „Aber ich hätte im Leben nicht gedacht, wie viele schlaflose Nächte das kostet.“ Bereits 2009 übergab der Orden den Betrieb des Altenheims an den Caritasverband. Auf der Suche nach Investoren für das 12.000 Quadratmeter große Kloster-Gelände erhielten acht einen Korb. „Wer zuerst nach dem Preis fragte, schien mir nicht der Richtige.“

2016 wurde dann der Kaufvertrag unterzeichnet. Das Grundstück hat seitdem zwei Eigentümer. Den einen Teil mit den Altenheimgebäuden veräußerten die Schwestern an die Caritas. Den anderen Teil mit der Kapelle und dem denkmalgeschützten Richter-Haus, in dem die Nonnen wohnten, hat die Bornheimer Brings-Gruppe erworben. Investor Peter Brings habe bei der Vorstellung als erstes gefragt: „Was wird aus den Schwestern? Das hat mir imponiert“, erinnert sich die Ordensfrau.

Einzug in 30 Wohneinheiten mit Tiefgarage

Die Brings-Gruppe baute einen dreigeschossigen Gebäudekomplex mit rund 30 Wohneinheiten und einer Tiefgarage. Die Rasenflächen rund um die Häuser sind frisch eingesät. Nach und nach sollen die Außenanlagen begrünt werden. „Es ist sehr schön geworden.“ Vergangene Woche hat die Ordensgemeinschaft ihren Trakt bezogen. Sie sollten als erste einziehen, um sich einzugewöhnen. „Das schöne Wetter beim Umzug schien uns eine glückliche Fügung.“ Einerseits haben die tiefgreifende Veränderung und der Wechsel den Schwestern ein „wehes Herz“ bereitet. „Aber wir sind auch Menschen, die sich auf ein schönes, neues, vor allem warmes Zuhause freuen. Im alten Haus wurde alles immer beschwerlicher, und es war kalt.“ Demnächst beginnt Brings mit dem Umbau des Richterhauses in Wohnungen.

Außer einem großen Aufenthaltsraum, ihren Zimmern, einem separaten Wäschekeller und einem Tiefgaragenstellplatz steht – wie gewünscht – auch eine kleine Kapelle zur Verfügung. „Sie ist unser Herzstück.“ Dort hat Pater Tijo bereits die erste Messe gelesen und jeden Raum des Hauses gesegnet. Das „Chorgestühl“ besteht derzeit noch aus Küchenstühlen. Aus der alten Kapelle sind die Kreuzwegfiguren aus Ton mit umgezogen. Die Klebefolien auf den Fenstern wurden von Motiven der Kapellenfenster abfotografiert.

Am 18. Januar wird der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp die neue Herz-Jesu-Kapelle einweihen. Die alte Kapelle, die seit 1957 genutzt wurde und zuvor Scheune, Turnhalle sowie Kino war, soll profanisiert werden. Über ihre künftige Nutzung ist noch nicht entschieden. „Aber das gesamte Inventar kommt in einer Kirche in einem kleinen polnischen Dorf unter.“ Darüber sind die Schwestern froh. Im Richterhaus sollen weitere Wohnungen entstehen.

Der Abschiedsprozess wird für sie noch eine Weile dauern. „Wir müssen loslassen und uns neu konzentrieren. Was noch passiert, weiß nur der liebe Gott.“ Die 61-jährige Generaloberin will nach vorne blicken. „Meine Aufgabe ist es, für den Orden zu sorgen.“

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