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Weihnachtliches Beuel: Oberkasseler Kö erstrahlt im weihnachtlichen Glanz

Weihnachtliches Beuel : Oberkasseler Kö erstrahlt im weihnachtlichen Glanz

Trotz der Corona-Pandemie bricht bei den Oberkasseler Händlern keine Panik aus. Sie lassen die Königswinterer Straße, von den Anwohnern Kö genannt, nun weihnachtlich erstrahlen.

Die Königswinterer Straße in Oberkassel wird von den Bewohnern liebevoll Kö genannt. Obwohl der Ort viele schöne, sehenswerte Straßen, Sträßchen und Gassen hat, so hat die Durchgangsstraße ein Alleinstellungsmerkmal: Zwischen Jakobstraße und dem Platz beim Ehrendenkmal befinden sich die Geschäfte, die zum Flanieren und Einkaufen einladen. Was nicht heißen soll, dass es außerhalb dieses Straßenzugs nicht auch Geschäfte gibt, wo man gut einkaufen und einkehren kann, aber eben nicht so geballt. Damit ist Oberkassel neben dem Beueler Zentrum der einzige Ort im Stadtbezirk Beuel, der solch eine Einkaufsmeile vorweisen kann.

Jetzt, in der Vorweihnachtszeit, in der wegen Corona kein Weihnachtsmarkt stattfinden darf, hatte die Werbegemeinschaft Oberkassel eine gute Idee: Sie bot den Geschäften an der Kö Sterne zum Aufhängen an den Häuserfronten an, die ab der Dämmerung leuchten und damit winterliche und weihnachtliche Stimmung verbreiten. „Die ersten 40 Sterne waren im Nu vergriffen“, sagt Christian Schönen von der Werbegemeinschaft Oberkassel. „Auch die Nachbestellung ist nahezu vergeben.“ Ab Sonnenuntergang ergibt der Lichterglanz zusammen mit den liebevoll weihnachtlich dekorierten Geschäften eine eindrucksvolle Stimmung.

Auch wenn einige Geschäfte noch schließen oder schon dicht gemacht haben wie die Confiserie Georgia Ramon oder der Kultplattenladen von Raimund Kron, so ist der Leerstand an Verkaufsflächen in Oberkassel gering. „Das Besondere an unseren Geschäften ist, dass sie alle inhabergeführt sind. Auf unserer Kö findet man kein Geschäft, das zu einer der großen Ketten gehört“, so Schönen.

„Corona hat unser Geschäft ein wenig verändert“

Die Coronakrise war auch in Oberkassel eine große Herausforderung für die Geschäftswelt. Petra Schönen, Inhaberin der Damenboutique „Herzklopfen“, setzte auf Social Media, Facebook, Instagram und ihre Homepage. „So konnte ich meine Stammkunden gut erreichen und auf dem neusten Stand halten.“ Sie nahm Bestellungen an und hat Pakete zu den Kunden geliefert. „Dass ich einen persönlichen Bezug zu meinen Kunden habe, war ein enormer Vorteil. So konnte ich die finanziellen Verluste eindämmen.“ Gerade vor dem zweiten Lockdown hatte sie noch in eine „Men’s Corner“ investiert und hofft auf die Sommerkollektion im kommenden Jahr.

Die Königswinterer Straße in Oberkassel, im Ort auch Kö genannt, beherbergt die meisten Geschäfte. Foto: Rainer Schmidt

Auch Simone Gerwing hat investiert, hat im Sommer das „Kaffee schmeckt“ an der Königswinterer Straße eröffnet. Jetzt, beim zweiten Lockdown, musste sie notgedrungen auf „Coffee to go“ umstellen.

Sebastian Schippule ist der Inhaber von „Savvy Nosh“, einem Bistro der gehobenen Klasse. Er musste wegen der Pandemie den Restaurantteil seines Ladens schließen. Von Dienstag bis Freitag hat er von 12 bis 15 Uhr auf Außerhausverkauf umgestellt. Samstags bietet er jetzt auf Vorbestellung ein „Dreigangmenu to go“ an. „Das können dann die Leute zu Hause terminieren“, sagt er. „Was wir hier anbieten, ist bei den Oberkasselern gut angekommen.“ Dennoch spürt er eine Verdrossenheit, überhaupt herauszugehen, was bei ihm zu Umsatzeinbußen geführt hat. „Ich habe einen Antrag auf die Novemberhilfe gestellt und hoffe, dass das dieses Mal klappt.“ Denn von der Frühjahrshilfe, die unter anderem die Miete abdecken sollte, hat er gar nichts gehabt. Er musste alles zurückzahlen, weil er Umsätze einfuhr.

„Corona hat unser Geschäft ein wenig verändert“, weiß Melanie Bernhard von der Kreuz-Apotheke zu berichten. „Wir beliefern jetzt viel mehr Kunden nach Hause.“ Auf Wunsch der Patienten dürfen zurzeit Ärzte Rezepte direkt in die Apotheke schicken. Auch mittels einer App können Kunden ihre Rezepte schicken, bei der Lieferung wird das Originalrezept abgeholt. „Umsatz ist kaum weggebrochen, er hat sich weitestgehend verschoben“, so Bernhard. Bedingt durch die Coronamaske ist die Nachfrage gegen Infektionskrankheiten geringer geworden, größer hingegen nach Desinfektionsmitteln und Handschuhen.

Sonja Wenzelmann von der Parfümerie Becker sieht die derzeitige Lage positiv. „Wir schauen auch in dieser Situation zuversichtlich nach vorne. Wir haben sehr treue Stammkunden, für die wir alles geben. Das gegenseitige Vertrauen macht sich positiv bemerkbar.“ Lange Jahre am Ort, mit einem gewachsenen Kundenstamm, das zahlt sich wohl aus.

„Nach dem Lockdown ging es in Oberkassel erfreulich weiter und die Kunden blieben nicht aus“, stellt Christian Schönen fest. „Grundsätzlich kann man festhalten, dass die Krise mit Sicherheit für alle schwierig ist. Aber innovative Geschäfte, die sich für diese Zeit besondere Lösungen einfallen lassen, können sie ganz gut überstehen.“