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Tilmann Haske: Oberkasseler war vier Jahre auf der Walz

Tilmann Haske : Oberkasseler war vier Jahre auf der Walz

In schwarze Kluft gekleidete Männer, die singend im Gänsemarsch über stark befahrene Straßen laufen - das erlebt man als Autofahrer nicht alle Tage. Die meisten hatten aber Verständnis für das besondere Ritual, das am Samstag acht junge Männer der "Vereinigung der rechtschaffenen fremden Zimmerer- und Schieferdeckergesellen" rund vier Stunden lang auf dem Weg von Dollendorf nach Oberkassel vollzogen.

Im so genannten "Spinnenmarsch" begleiteten sie den Wandergesellen Tilmann Haske auf den letzten Metern zu seiner Heimat. Vier Jahre lang hatte sich der 31-Jährige Oberkassel nicht mehr als 50 Kilometer genähert - so wie es die Gesetze der Walz vorsehen.

"Ich würde am liebsten heulen", sagte Haske gerührt, denn zahlreiche Freunde und Verwandte hatten sich am Ortsschild eingefunden, um mit ihm die letzte Prüfung seiner langen Reise zu begehen. Traditionell muss der Wandergeselle über das Ortsschild klettern.

Im Gepäck hatte er nicht nur seinen "Stenz" und "Charlottenburger", also seinen Wanderstab und ein Bündel für Wechselwäsche, sondern auch jede Menge Erlebnisse: Von Thailand, Laos, Kambodscha, nach Malaysia, Australien, Neuseeland bis nach Peru, Bolivien, Paraguay und Brasilien führte Haske die berühmte Wanderung des Zimmerhandwerks.

In Laos half der Wandergeselle zum Beispiel beim Projekt "Bambusschule" mit, das mit dem Bau einfacher Dorfschulen die Alphabetisierung des Landes fördern will. "Das Herz läuft einfach über", sagte Mutter Merrit von Wittgenstein glücklich, nachdem sie ihren Sohn wieder in die Arme schließen konnte. Sein Bruder Florian hat jetzt große Pläne mit ihm: Er hat sich gerade ein Haus gekauft und hofft nun auf tatkräftige Hilfe.