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Pantheon Theater in Bonn-Beuel: Harald Kirch und Thomas Steineck im Portrait

GA-Serie: „Die andere Perspektive“ : Diese beiden Männer sind dem Pantheon seit 30 Jahren treu

Harald Kirch und Thomas Steineck sorgen im Pantheon seit mehr als 30 Jahren für einen reibungslosen Ablauf. Für sie geht es ihnen in ihrem Job weniger um Arbeitszeiten als um Herzblut.

Fast jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland bleibt seinem Unternehmen länger als zehn Jahre treu, meldet das Statistische Bundesamt. Zu ihnen gehören auch Harald Kirch und Thomas Steineck, denn beide sind seit mehr als 30 Jahren beim Pantheon Theater beschäftigt. Einfache Aussage der beiden: „Wir sind hier, weil es uns gefällt, weil wir uns hier wohlfühlen, weil wir das Theater lieben, weil wir tolle Kollegen und fantastische Gäste haben.“

In den 33 Jahren, die Harald Kirch im Pantheon beschäftigt ist, hat er noch keinen einzigen Tag gehabt, an dem ihm langweilig gewesen wäre. „Das ist sehr viel wert, finde ich“, meint er.

Rita Baus, die damalige künstlerische Leiterin des Theaters, suchte 1987 jemanden, der Handzettel verteilt und auf die Veranstaltungen aufmerksam macht. Und Harald Kirch suchte, weil ihm als Student das Geld ausging, dringend eine Einnahmequelle. So kam man zusammen. „Ich habe in dreieinhalb Stunden 1500 Handzettel unter Autoscheibenwischer gesteckt - was man damals noch durfte.“ Plakatieren in Kneipen der Nord- und Südstadt gehörte ebenfalls zu seinen Aufgaben. „Die Werbearbeit war damals - noch ohne Internet - eine völlig andere.“ Auch einen Kartenvorverkauf gab es noch nicht.

Als DJ bei der „GA-Lieblingsparty“

Er saß bei den Partys an der Kasse und hat mit Thomas Steineck zusammen als Türsteher fungiert. Nicht gerade vom Tellerwäscher zum Millionär, aber vom Türsteher zum Pressesprecher so kann man die Karriere von Harald Kirch bezeichnen. Er hat den Vorverkauf aufgebaut, lange Jahre als DJ im Keller bei der „GA-Lieblingsparty“ aufgelegt, sowie die Partys organisiert. Dabei hat er auch immer mehr die Pressearbeit übernommen. In den letzten Jahren hat er den „Liedermachersommer“ auf die Beine gestellt, der in diesem Jahr ins Coronaloch gefallen ist. „Das heißt, auch programmplanerisch arbeite ich in unserem Haus.“ Wenn die Künstler ihn dann noch Jahre später wiedererkennen, dann freut ihn das besonders. Privat geht er gerne ins Kino, auch ins Theater. „Ohne Kultur, keine Identität“, sagt er.

Seit Ende 1989 ist Thomas Steineck fest angestellt. „Davor war ich zwei Jahre als freier Mitarbeiter dabei“, erzählt er. Durch die Partys habe er den Laden kennengelernt und ist, obwohl gelernter Bauzeichner, in die Technik „reingerutscht“. Er hat viel Musik gemacht, Gitarre in kleinen Bands gespielt, und somit Vorkenntnisse über die notwendige Technik gesammelt.

Heute gehört vorrangig die Betreuung der Veranstaltungen zu seinen Aufgaben. Der Künstler soll die technischen Bedingungen vorfinden, die er sich wünscht, und der technische Ablauf muss so funktionieren, wie sich der Künstler das vorstellt. Die Show zu fahren, Ton und Licht nach Ablaufplan zu bedienen, das sind die Herausforderungen, die die Techniker lieben. „Was wir machen, entspricht dem Berufsbild Veranstaltungstechniker“, erklärt Steineck.

Beim Job geht es nicht um Arbeitszeiten

Zwei festangestellte Techniker, ein Auszubildender und drei freie Mitarbeiter „schmeißen“ die Technik im Pantheon. „Ob ich es woanders genau so lange ausgehalten hätte, das wage ich zu bezweifeln“, sagt er.

Während Kirch der Erste morgens ist, der das Theater aufmacht, ist Thomas derjenige, der am Ende des Abends das Licht ausmacht. „Bei unseren Jobs“, sagt Kirch für beide, „da geht es nicht um Arbeitszeiten, da steckt einfach viel Herzblut drin. Der Applaus des Publikums, den auch wir mit nach Hause nehmen, das ist eine zusätzliche Bezahlung für uns.“ Wenn in seinen Venen nicht Theaterblut fließen würde, dann hätte er schon nach drei Jahren keinen Bock mehr gehabt, gesteht Kirch. Eine Gemeinsamkeit haben Kirch und Steinbeck noch: Beide haben ihre Frauen im Pantheon kennengelernt. „Unser aller Herz hängt am Theater“, spricht Kirch für alle vier.

In den über 30 Jahren standen beide schon mal vor der Frage, ob oder wie es weitergeht. Am Bundeskanzlerplatz kam nicht nur einmal eine Kündigung ins Theater. „Dennoch, es ging immer weiter“, so Steineck. Auch der Umzug nach Beuel wurde gut bewältigt. „Nur Kurzarbeit, wie jetzt in Coronazeiten, das hatten wir noch nicht“, sagt Kirch. „Nicht zu arbeiten, das kenne ich nicht.“ Doch in nicht allzuferner Zukunft kommt auf beide das Arbeitsende, die Verrentung, zu. „Das kann ich mir noch gar nicht vorstellen“, so Kirch. „Theater wird für mich dann weiterhin eine Bedeutung haben.“

Steineck ergänzt: „Ich könnte mir vorstellen, auch nach meiner Pensionierung hier im Haus noch die eine oder andere Aufgabe zu übernehmen.“ Vielleicht gelingt es ihnen ja, die 40 Jahre voll zumachen.