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Refugium im Garten: Paradies für Ringelnattern und Eisvögel in Oberkassel

Refugium im Garten : Paradies für Ringelnattern und Eisvögel in Oberkassel

Frank Behrend bietet heimischen Tieren und Pflanzen ein Refugium in seinem Garten. Wer hier durch die Gartenpforte tritt und alle Sinne schärft, der erlebt einen Rausch aus Natur, Düften, Geräuschen und Farben.

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Woher kommt Ihr Interesse an heimischen Tieren?

Frank Behrend: Wir sind früher als Kinder ohne Furcht in den Wald gegangen. Damals habe ich besonders Amphibien und Reptilien beobachtet und gesammelt.

Welche Art hat es Ihnen dabei besonders angetan?

Behrend: Ich habe mich sehr für die europäischen Sumpfschildköten interessiert und sie auch im Garten meiner Eltern gehalten. Später hatte ich andere Prioritären: Studium, eine Familie gründen... Erst mit dem Kauf dieses Grundstücks Anfang der 80er Jahre stieg auch das Interesse an Schildkröten und an anderen Gartentieren wieder.

Warum Schildkröten?

Behrend: Überall auf der Welt gibt es Schildkrötenarten, aber die einzige bei uns heimische ist die europäische Sumpfschildköte. Es gibt 33 Untertypen und nur zwei bei uns. Sie zählt zu unseren seltensten Tierarten. Durch die Zerstörung ihrer Lebensräume, wie die Trockenlegung der Flussauen und die Flussbegradigungen, finden sie keine natürlichen Plätze, um Eier abzulegen.

Wie werden die Tiere geschützt?

Behrend: Es gibt bereits erfolgreiche Nachzüchtungen, und auch uns ist eine erste Reproduktion der Sumpfschildkröten in unserem Garten gelungen.

Es gibt auch andere Arten in Ihrem Garten. Wie kam es dazu?

Behrend: Durch die Hanglage unseres Grundstücks hier in Oberkassel sind die Bedingungen gerade für bodennahe, wärmeliebende Pflanzen und Tiere ideal. So gedeihen in unserem Garten zum Beispiel auch Orchideen. Gemeinsam mit der Biologischen Station um Christian Chmela, dessen Erfahrung und Know-how ich sehr schätze, haben wir den Garten in den vergangenen 20 Jahren komplett umgestaltet und Seen angelegt. So ist ein Naturgarten der besonderen Form entstanden, wie es ihn selten in Deutschland gibt.

Welche Tiere leben in Ihrem Garten?

Behrend: Ringelnattern, Eidechsen, Eisvögel, Blindschleichen, Schildkröten, Feuersalamander und viele Reptilien. Wir haben rund 50 Kleingewässer angelegt, dadurch haben wir einen starken Zuzug.

Sie sagen, die Vielfalt in den Gärten ginge zurück. Woran liegt das?

Behrend: Bis in die 70er Jahre wurden viele Gifte versprüht. In den 80er Jahren gab es zwar ein Umdenken, aber seinem Gewissen zu folgen und selbst aktiv bessere Lebensräume zu schaffen, hat nicht stattgefunden. Wir beobachten in den Gärten immer mehr naturferne exotische Pflanzen, die den heimischen Tieren keine Basis bieten. Christian Chmela weist auch immer wieder auf die mit Kies, Fliesen und Pflastersteinen gestalteten Vorgärten hin. Alles muss pflegeleicht sein. Dabei hat das mehr mit Friedhof zu tun, als mit Natur. Auch die Strukturierung der Gärten ist nicht gut für den Lebensraum der Tiere. Sie finden dort zum Beispiel kaum Plätze zum Überwintern.

Was kann man tun, um bessere Bedingungen für Tiere zu schaffen?

Behrend: Wir brauchen eine Rückbesinnung auf heimische Pflanzen. Gartenteiche und Gewässer sind ganz wichtig. In den Gärtnereien und Gartencentern gibt es eine große Auswahl an heimischen Stauden und Blütengewächsen. Außerdem unterstützen Stein- und Holzhaufen eine aktive Lebenswelt. Dazu gehört natürlich auch die Vernetzung mit den Nachbarn, damit die Tiere Ausbreitungsmöglichkeiten haben.