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Kartenkunst-WM in England: Patrick Lehnen aus Schwarzrheindorf holt sich Vize-Titel

Kartenkunst-WM in England : Patrick Lehnen aus Schwarzrheindorf holt sich Vize-Titel

Patrick Lehnen aus Schwarzrheindorf ist Kartenkunst-Vizeweltmeister im britischen Blackpool geworden. Der 29-Jährige unterrichtet auch Nachwuchszauberer beim Magischen Ortszirkel "Simsalabonn".

Gerade hat Patrick Lehnen einen seiner Kartentricks gezeigt: Die Karo 3, die er mitten in den Kartenstapel schiebt, liegt plötzlich obenauf. Ein alter Trick, Standard für jeden Kartenzauberer, aber nach wie vor faszinierend. Jetzt legt er das Set beiseite, aber da bleibt es nur kurz, dann ist es wieder in seiner Hand.

Keine Zauberei dieses Mal: Der 29-Jährige hat einfach gerne etwas, womit sich seine Finger beschäftigen können. Lehnen hat ganz andere Tricks auf Lager, und einige davon sind so gut, dass er damit 2011 deutscher Meister in Kartenkunst wurde und jetzt im Juli als Vize-Weltmeister in dieser Sparte von der WM im britischen Blackpool in die Heimat nach Bonn zurückkehrte.

Er spielt Klavier und Bassgitarre, er jongliert, Dinge, die Fingerfertigkeit erfordern. Das hat ihn auch dazu gebracht, Kartentricks auszuprobieren. "Ich hatte zufällig ein Video gesehen, in dem ein Zauberer eine Karte unsichtbar von A nach B wandern ließ", sagt er. "Das fand ich faszinierend." Er probierte herum, wie das denn funktionieren könnte, und darüber wurde es zur Leidenschaft. Das war erst vor sieben Jahren.

Jetzt war er nur um zwei Wertungspunkte schlechter als der weltbeste Kartentrickser, der übrigens ebenfalls aus Deutschland kommt. Weit gebracht hat Lehnen es in dieser kurzen Zeit. Jetzt ist er auftretender Künstler, kommt viel herum - "Alleine in diesem Jahr hatte ich schon 15 Flüge, unter anderem einen spontanen Auftritt bei einer Firmenfeier in Dänemark, außerdem in New York und Italien" - und trifft auch die Idole, die der Autodidakt hauptsächlich über Videos im Internet kennengelernt hat.

"Ich habe auch den Erfinder des Tricks mit der verschwindenden Karte getroffen, den französischen Straßenzauberer Bébel." Diesen Trick hat er inzwischen perfektioniert - als er den mal seinen Freunden zeigte, ermunterten sie ihn, damit aufzutreten, ansonsten wäre es bei Fingerübungen zu Hause in Schwarzrheindorf geblieben, so wie mit Klavier und Bassgitarre. "Denn eigentlich bin ich ein eher introvertierter Typ, der nicht so auf die Leute zugeht."

Bei den Auftritten ist er ein anderer: Auf der Bühne steht er im Mittelpunkt, ist selbstsicher, weiß zu unterhalten. Besonders mit der "Routine", also einer Show mit mehreren Zaubereffekten, die er sich ausgedacht hatte: "Da bin ich ein Verkäufer und erkläre ein Kartenspiel, das mit Fernbedienung funktioniert."

Die Show ist ebenso faszinierend wie amüsant - verkehrt im Set liegende Karten erzeugen einen elektrischen Schlag, auf Knopfdruck verändern sich die Karten, und steckt man eine frische Batterie hinein, verändert sich die Farbe der Kartenrückseite. Zaubereffekte und Comedy im rasanten Wechsel: "Entweder die Leute lachen oder sie staunen. Das ist für mich moderne Zauberei."

Damit tritt Lehnen auch bei Firmenfeiern, Hochzeiten und sonstigen Anlässen auf, nicht nur mit Kartentricks, sondern auch mit Flaschen, Münzen und dergleichen. Professionell will das der Programmierer nicht machen, auch wenn er viele kennt, die mit der Zauberei ihr Geld verdienen. "Das ist ein Hobby."

Er wolle sich das nicht kaputtmachen lassen, wie es ihm einst mit der Fotografie erging, ein weiteres Hobby, an dem er aber die Lust verlor, nachdem er auf einer Messe für Geld geknipst hatte.

Jetzt ist er Kartenkunst-Vizeweltmeister, viel besser kann er in dieser Sparte nicht werden. Künftig werde er sich aber auch auf andere Bereiche konzentrieren. "Ich habe da schon einige Ideen." Daneben konzentriert Lehnen sich auf die Nachwuchsausbildung. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Magischen Ortszirkels "Simsalabonn" - der Name ist älter als das Karnevalsmotto, worüber es damals einen Rechtsstreit gab - und betreut dort die Jugendgruppe "Magic kids".

"Wir nehmen Kinder auf, die sich schon mit Zauberei beschäftigt haben", berichtet Lehnen. Die Nachwuchszauberer müssen Tricks und Können mitbringen. "Was die können, wird bei uns verbessert." Das Beste an der Zauberei ist für ihn, dass es so viele Möglichkeiten gibt, einen Zaubereffekt zu erzielen, oder, wie er es nennt, "die Realität zu verbiegen".

Mehr über Patrick Lehnen erfährt man auf seiner Homepagewww.zauberei.tribun.de.

151 Zauberkünstler traten gegeneinander an:
Die Fédération Internationale des Sociétés Magiques (FISM) richtet alle drei Jahre eine Weltmeisterschaft in acht verschiedenen Sparten aus, darunter auch Kartenkunst. 2012 fand sie im britischen Blackpool statt, davor 2009 in Peking und 2006 in Schweden. 2015 geht es nach Rimini in Italien. In diesem Jahr waren insgesamt 151 Zauberkünstler beteiligt, davon 97 Bühnenauftritte und 54 "Close-ups", wobei die Kunststücke direkt vor dem Publikum gezeigt werden. Insgesamt 2500 Zuschauer wohnten der WM bei. Aus Deutschland waren 13 Zauberer vertreten, drei davon erzielten einen Preis. In der Jury sitzen vorwiegend aktive oder ehemalige Zauberer.