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Jugendzentrum "das flax": Politiker kämpfen um die Einrichtung

Jugendzentrum "das flax" : Politiker kämpfen um die Einrichtung

"das flax" bereitet einigen Beuelern Sorgen. Das Jugendzentrum an der Ringstraße 68 fährt sozusagen seit Wochen auf Sparflamme. Weil zwei der drei hauptamtlichen Betreuerinnen krank beziehungsweise für Vertretungsdienste abkommandiert worden sind, steht die Leiterin der Jugendeinrichtung alleine dar. Gerade jetzt in den Osterferien wirkt sich das für die Kids nachteilig aus: Ausflüge sind wegen des Personalmangels gestrichen.

In der vergangenen Sitzung der Bezirksvertretung Beuel diskutierten Politiker aller Fraktionen engagiert über die Zukunft des Jugendzentrums. Anlass war eine Große Anfrage der CDU-Stadtverordneten Monika Krämer-Breuer zur aktuellen Situation. In der Antwort gab das städtische Jugendamt zu, dass wegen des personellen Engpasses aus rechtlichen und pädagogischen Gründen "nur eine gesicherte Betreuung von Kindern im Haus selbst stattfinden" kann. Ausflüge dürfen nur durchgeführt werden, wenn als Begleitung und Aufsicht mindestens zwei ausgebildete und hauptamtliche pädagogische Fachkräfte daran teilnehmen.

Die Ratsfrau ist enttäuscht und verärgert zugleich: "Die Versetzung der Ganztageskraft hat im November 2011 stattgefunden. Seitdem ist die Stelle nicht nachbesetzt worden." In den Weihnachtsferien sei "das flax" geschlossen gewesen, in den Osterferien gebe es kein Angebot nach 18 Uhr mehr, und in den Sommerferien soll die Einrichtung nur drei Wochen geöffnet sein, so Krämer Breuer.

Petra Maur (SPD) fragte nach, was denn passiere, wenn auch noch die Leiterin krank werde. Ihre Fraktionskollegin Gisela Gebauer-Nehring ging sogar soweit und fragte: "Ist das die Schließung des Flax auf kaltem Wege? Früher gab es 4,5 Stellen, jetzt nur noch 2,5. Das ist alles sehr unbefriedigend."

Christina Bertram-Meyer, zuständige Abteilungsleiterin im Jugendamt erklärte, dass die Personalausstattung des flax 2009 im Freizeitstättenbedarfsplan reduziert worden sei. Außerdem sei die Erarbeitung eines neuen pädagogischen Konzeptes und die Vernetzung mit den Ganztagsangeboten der benachbarten Schulen beschlossen worden. Die Halbtagskraft sei im Januar erkrankt, und ein Ersatz sei so schnell nicht zu finden.

Und das neue Konzept? Nach Aussage der Abteilungsleiterin ist es noch nicht in Sicht. "Wenn die Leiterin jetzt krank werden sollte, wird der Betrieb im flax eingestellt. Das ist rechtlich zulässig, weil wir keine Verträge mit den Eltern abgeschlossen haben." Caroline Klän vom Bürgerbund merkte an: "Die Stadt verschleißt die Mitarbeiter. Es ist schade, wie mit dem flax umgegangen wird."

Michael Seeland (Parteilos) sagte daraufhin: "Wenn wir uns nicht so für das flax einsetzen würden, wäre es schon längst geschlossen. es passt wohl nicht in das neue Konzept der Stadt."Will Breuers, CDU-Ratsherr und Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses bemerkte in der Sitzung: "Bis das neue Konzept vorliegt, bleibt alles beim Alten. Der Jugendhilfeausschuss hat nichts anderes beschlossen."

Bezirksbürgermeister Wolfgang Hürter (SPD) riet seinen Kollegen, für die nächste Sitzung der Bezirksvertretung Beuel Anträge zum Weiterbetrieb des flax zu stellen: "Der Stadtrat in Bonn bewertet das Thema anscheinend anders als die Bezirksvertretung Beuel."

Eine vierköpfige Familie, die 2011 aus beruflichen Gründen aus dem Badischen nach Bonn umgezogen ist, schrieb jetzt einen Brief an Jugendamtsleiter Udo Stein. "Bitte schließen Sie diese Einrichtung nicht. So etwas gibt es in dieser Art in Bonn nur einmal", heißt es in dem Schreiben.

Die Familie will erfahren haben, dass "das flax" in eine Einrichtung für jüngere Kinder mit Übermittagsbetreuung umgewandelt werden soll. "Wo sollen dann die vielen Jugendlichen hin? Bitte erhalten Sie dieser inzwischen sehr groß gewachsenen flax-Familie ihr kleines Reich", heißt es in dem Brief.