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Neuer Wohnraum für 450 Menschen: Protest gegen Bauvorhaben in Beuel

Neuer Wohnraum für 450 Menschen : Protest gegen Bauvorhaben in Beuel

Die drei Liküra-Bürgervereine blicken sorgenvoll auf die Pläne für die bevorstehende Wohnbebauung auf den Anbauflächen des Gartenmarkts Kissener im Beueler Süden.

Das 25 000 Quadratmeter große Gelände hinter und neben dem Betrieb am Landgrabenweg soll verkauft werden. Der Markt selbst soll am heutigen Standort etwas verkleinert und als Familienbetrieb weitergeführt werden.

Die Überlegungen, an dieser Stelle zwischen Himmerichsweg und der Telekom Wohnungen zu errichten, sind nicht neu. Bereits 2009 hatten Überlegungen, 60 Einfamilienhäuser an der Stelle zu bauen, bei Anwohnern für Unmut gesorgt.

Sie befürchteten Einbußen in ihrer Lebensqualität. Jetzt wird seitens des Grundstückseigentümers und der Stadt Bonn ein erneuter Anlauf genommen. In den nächsten Sitzungen des Planungsausschusses am 23. November und der Bezirksvertretung Beuel am 30. November wird sich die Politik mit der geplanten Bebauung auf dem Areal befassen.

Die Verwaltung empfiehlt, den Bebauungsplan für das Gelände so zu ändern, dass dort bis zu 180 Wohnungen entstehen können. Will heißen: 450 Bewohner mehr für Limperich.

„Wir sind weder gegen den Verkauf der Fläche noch gegen deren Bebauung. Aber wir haben Fragen und Anregungen, die die Politik beantworten und berücksichtigen sollte“, sagte Karl Wengenroth, vom Bürgerverein Limperich. Besonders die Auswirkungen der Neubauten auf die Umwelt stimmten die Vorsitzenden nachdenklich.

„Von dem viergeschossigen Riegel an der Eisenbahnstrecke wird der Zuglärm in Richtung Sonnenhang und Wehrhausweg reflektiert werden“, befürchtet Michael Quabeck, Vorsitzender des Bürgervereins Küdinghoven.

Wengenroth, der 25 Jahre lang Mitglied des städtischen Umweltausschusses war, erinnerte daran, dass seinerzeit auch die Hochgarage des benachbarten Telekom-Grundstücks am Landgrabenweg in offener Bauweise errichtet werden musste, damit der Bahnlärm nicht so nachhaltig in Richtung Wohnbebauung reflektiert wird.

Aus seiner Arbeit als Umweltpolitiker weiß Wengenroth, dass für dieses Areal im Beueler Süden ein Klimagutachten existiert, das die besagten Grünflächen in Limperich als wichtige Kaltluftschneise ausweist. „An diesem Sachverhalt ist die Bebauung des Areals schon zweimal gescheitert“, so Wengenroth.

Deshalb wundert es ihn, dass die Verwaltung jetzt beim dritten Anlauf das Bauvorhaben genehmigen will. Nach GA-Informationen hat sich die Familie Kissener bereits im Vorfeld mit Klimagutachtern abgestimmt.

„Wenn das Klimagutachten nicht gegen eine Bebauung spricht, dann muss die Planung so gestaltet werden, dass die Umgebung nicht zu stark von den Neubauten belastet wird“, fordert Johannes Schröer. Er erinnerte daran, dass die Bezirksvertretung Beuel das Thema von der Tagesordnung der Oktober-Sitzung wieder herunter genommen hat, weil sich bei den Bürgern bereits Widerstand gegen das Bauvorhaben gebildet hatte.

Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan liegt bereits ein Protestschreiben einer Anliegergemeinschaft vor, die sich gegen das Bauvorhaben ausspricht und den OB auffordert, mit den Bürgern in einen konstruktiven Dialog einzutreten, „wie der Wunsch nach zusätzlichem urbanen Wohnraum ohne eine dauerhafte Verschlechterung des gewachsenen Ortscharakters von Limperich realisiert werden kann“. Auch die drei Liküra-Bürgervereine haben sich mittlerweile schriftlich an den OB gewandt mit der Bitte, sich des Themas anzunehmen.