1. Bonn
  2. Beuel

Pützchens Markt abgesagt - Detlef Marten geht trotzdem hin

GA-Serie: „Die andere Perspektive“ : Das ist der treueste Fan von Pützchens Markt

Seit fast 40 Jahren begleitet Detlef Marten Pützchens Markt mit seiner Kamera. Und auch die Schausteller kennt er alle, obwohl er nicht in der ersten Reihe steht. Doch in diesem Jahr ist alles anders.

Mehr als 650 Mal hieß es rückblickend jährlich stets: „Pützchens Maat is anjesaat“. Doch in diesem Jahr fällt der Jahrmarkt coronabedingt aus. „Zum ersten Mal in meinem Leben“, sagt der 57-jährige Detlef Marten traurig. Denn Marten ist „Maat-Fan“, der Jahrmarkt ist sein Ein und Alles. Die Schausteller kennen ihn, viele Besucher und vor allem Jahrmarktfans dürften ihn auch kennen, denn Marten ist in den Markt-Wochen der Mann mit der Kamera. „So kann ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, sagt er, „und meine Liebe für den Markt mit meinem Hobby verbinden.“

Marten, Elektriker von Beruf und seit seinem zweiten Lebensjahr in Pützchen wohnhaft, nahm sich bisher immer für die fünf Tage dauernde Kirmes gleich vier Wochen Urlaub. Dann sitzt er für gewöhnlich „an meiner Ecke“ und wartet – mit der Kamera in der Hand – darauf, dass die ersten Wagen der Schausteller kommen.

Mit großem Hallo begrüßt er die Schausteller stets – und umgekehrt. Denn nahezu 40 Jahre verbinden. „Wir sind alle gute Freunde geworden, fast wie eine große Familie“, stellt Marten mit Begeisterung fest. Und sowohl Marten als auch die Schausteller sind besorgt, wenn einer mal fehlt. „Ich habe ein einziges Mal in all den Jahren eine Urlaubsreise gemacht und kam erst am Tag der Markteröffnung zurück. Man wollte mich schon für vermisst erklären“, erzählt Marten und schmunzelt.

Jetzt gibt es für ihn keine Urlaubsreisen mehr, seinen Urlaub verbringt er auf Pützchens Markt. Manchmal geht er allerdings fremd und besucht andere Jahrmarktsplätze – um auch dort zu fotografieren. Das Fotografieren ist für Marten mit dem Einzug der digitalen Technik vor einigen Jahren einfacher geworden. „Früher musste man bei den Filmen achtgeben, um nicht unnötig Material zu verbrauchen. Heute kann ich draufhalten, um das richtige Foto zu schießen“, sagt er.

Mit 20 Jahren bekam er seine erste Kamera. Seitdem geht er nie ohne sie auf Jahrmärkte. Das Fotografieren hat er sich selbst beigebracht. „Mit Max Malsch vom GA hatte ich ein sehr gutes Vorbild, dem ich nachgeeifert habe“, sagt er über den Kameramann. Was er an Malsch schätzt und was er selbst so handhabt, ist, dass eine Nachbearbeitung der Fotos für ihn nicht in Frage kommt. Martens Motto lautet daher: „Das richtige Auge, die richtige Perspektive und der Schuss sitzt.“

Seine Fotogeschichten von Pützchens Markt fangen üblicherweise jedes Jahr mit dem Aufbau an. Bereits da hält Marten jede Szene penibel fest. „Das Schöne beim Aufbau ist, dass alle ein klein wenig Zeit für einen ‚Klaaf‘ haben“, sagt er über die lockeren Gespräche. Während der Jahrmarkttage hat er dann aber richtig Stress. Von morgens bis abends streift er über den Marktplatz, besucht seine Schaustellerfreunde und fotografiert nahezu unentwegt. Dsa mache Marten jedoch nie heimlich, sondern immer offen, so dass jeder sehen kann, wenn er oder sie fotografiert werden soll. „Wenn jemand nicht will, dann lasse ich das.“ Selbstredend, dass er auch beim Abbau mit der Kamera dabei ist.

Für ihn hat sein Mottobild eine besondere Bedeutung.  Foto: Rainer Schmidt

Marten war zudem 2010 Gründungsmitglied des Vereins „Freundeskreis Pützchens Markt“. Heute ist er im Vorstand „Leiter Technik“. „Ich sorge zwar für die richtige Elektroinstallation, aber nicht für die Veröffentlichung meiner Bilder.“ Seine Fotos stellt er dem Freundeskreis zur Veröffentlichung auf deren Internetseite zur Verfügung. Jedes Jahr erscheint auch mit seinen Bildern ein großformatiger Kalender, dessen Ausgabe für das kommende Jahr immer zuerst auf Pützchens Markt verkauft wird. Ein Fotobuch seiner Werke ist ebenfalls schon erschienen. „Aber das sollen andere herausgeben, ich nicht. Ich stelle gerne meine Fotos dafür bereit“, meint Marten dazu.

Doch in diesem Jahr ist – wie gesagt – vieles anders. Marten hat nicht vier, sondern nur zwei Wochen Urlaub eingereicht. „Vielleicht klappt das mit dem historischen Jahrmarkt noch, der ja im Frühjahr abgesagt werden musste“, sagt er und hofft.

Eines hat er sich trotz der Absage von Pützchens Markt vorgenommen: An den Tagen, an denen der Markt dieses Jahr stattfinden sollte, können Passanten ihn und einige Freunde „an meiner Ecke“ antreffen. „Ich habe dann Kaffee und Geschirr dabei, andere den Kuchen“, so der „Maat“-Fan. „Dann reden wir über die guten alten Markttage und freuen uns, dass 2021 wieder Pützchens Markt stattfinden wird.“ Darauf hoffen er und seine Freunde.

Weitere Informationen über ihn sowie seine Bilder gibt es auf seiner Internetseite über den Freundeskreis: https://fkpuema.de.