Mehr als 120 Jahre alt Bonner backen Brot in historischem Steinofen

Ramersdorf · Vier Bonner haben einen historischen Steinofen vor der Zerstörung bewahrt. Das erste Mal wurde darin vor mehr als 120 Jahren Brot gebacken. Auch die Männer nutzen ihn heute gelegentlich, obwohl das nicht ihr Ziel war. Sie verbinden mit dem Ofen ganz andere Dinge als Brot.

Bäcker Nikolaus Knipp holt Brot aus dem Steinbackofen.

Bäcker Nikolaus Knipp holt Brot aus dem Steinbackofen.

Foto: Alia Zenker

Duft von frisch gebackenem Brot steigt den vier Männern in die Nase, ohne die das Ganze nicht möglich gewesen wäre. Das „Backes“-Team aus Heinz Richarz, Walter Wolff, Heinz Lütz und Wilfried Faßbender hat den über 120 Jahre alten Steinbackofen, den „Backes“, in Ramersdorf vor der Zerstörung bewahrt. Denn der Ofen sollte gemeinsam mit dem Fachwerkhaus auf der Lindenstraße 10 abgerissen werden.

Jetzt haben sie den Wiederaufbau in Ramersdorf an der Ecke Am Conzberg/Am Bungert fertiggestellt. „Es wäre nicht nur der Backofen zerstört worden, sondern auch ein gutes Stück Geschichte“, sagt Karl Heinz Richarz, der sich 2020 mit Wilfried Faßbender 2020 dafür eingesetzt hat, dass der Backofen erhalten bleibt.

An dem neuaufgebauten Steinbackofen hängen Erinnerungen und eine Geschichte, die weit zurückreicht. „Da war in meiner Kindheit noch ein Lebensmittelladen, den ich selbst auch besucht habe“, erinnert sich Richarz, der wie die anderen drei vom Team in Ramersdorf geboren wurde. Lebensmittel, Konserven und Eier- das ist der Teil der Geschichte, den er noch miterlebt hat.

Den Rest der Geschichte des Ofens hat er nachgeforscht. Das Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert mit dem großen Innenhof mit Brunnen war ursprünglich ein Bauernhof. Nach der Übernahme durch die Familie Büsgen eröffnete Johann Büsgen hier eine Bäckerei, so zeigen es Aufzeichnungen von Heinz Lütz über die Straßen Ramersdorfs. Hier wurde in dem Steinofen das erste Mal Brot gebacken.

Später kam in dem Fachwerkhaus noch der Verkauf von Kohle, Briketts und Lebensmitteln hinzu. Die Bäckerei fand ihr Ende 1912, der Ofen wurde dann nicht mehr gewerblich betrieben. Über blieb der Lebensmittelladen, den das Backes-Team selbst noch in der Kindheit besucht hat. Nach Büsgen haben seine Töchter den Laden übernommen, die das Gebäude dann an die letzte Inhaberin vererbten, die 2019 verstarb. Das Überbleibsel der langen Geschichte: Der alte Steinbackofen. Gebaut vermutlich zur Eröffnung der Bäckerei – 1870.

Doch der Erhalt des alten Ofens hat einige Zeit in Anspruch genommen: Vier Jahre und 1131 Arbeitsstunden plus zusätzliche administrative Arbeiten. „Wir wussten gleich, das wird viel Arbeit“, sagt Richarz. Doch damit wie viel es am Ende tatsächlich wurde, hatte er nicht gerechnet. „Wir fragten in den Ramersdorfer Ortsvereinen und Beuler Firmen nach“, sagt Richarz. Durch die ehrenamtliche Unterstützung von Bauunternehmern, Handwerkern, Ofenbauern oder Maurern und Spenden konnte der Umzug des Ofens ermöglicht werden.

Beim Abbau gingen einige Ziegelsteine kaputt

Finanziell wurden sie noch vom Land mit 6000 Euro unterstützt. „Gereicht hat das Geld trotzdem nicht“, sagt Richarz. Insgesamt habe das Projekt ungefähr 8000 Euro gekostet. Die ehrenamtlichen Helfer haben den Ofen nach dem Original nachgebaut. Während des Abbaus des ursprünglichen Ofens sind einige der Ziegelsteine zerbrochen. Als Ersatz wurden andere alte Ramersdorfer Ziegelsteine verwendet. Am 25. Januar 2024 war der Ofen dann durch die ehrenamtliche Unterstützung vollständig wiederaufgebaut.

„Unsere Motivation war es aber nie, hier Brot zu backen“, sagt Richarz. Trotzdem schiebt an einem Samstag der Bäcker Nikolaus Knipp mehrere Brote in den „neue ahle Backes“, wie der wiederaufgebaute Steinbackofen genannt wird. Insgesamt drei Mal wird der Ofen befeuert und die grüne Fläche mit dem Duft des frischen Gebäcks eingehüllt. „Wir danken damit unseren Unterstützern und Helfern“, sagt Richarz. „Das ist auch für mich etwas Neues“, sagt Knipp, der die Brote für die Helfer an dem Tag backt. Er habe zuvor noch nie in einem Holzofen gebacken. „Das Holz verleiht dem Brot ein rauchiges Aroma, was man sonst nicht hat“, sagt er.

Doch das Brot ist nicht der eigentliche Sinn des Wiederaufbaus. „Hier gewerblich Brot zu backen, macht natürlich keinen Sinn“, verweist Richarz auf den Arbeitsaufwand. Es geht ihm um den Erhalt der Geschichte. Und da der Wiederaufbau auch Teil der Geschichte sein wird, hat das „Backes“-Team eine Zeitkapsel zusammengestellt. In der kleinen, metallenen Röhre befindet die Titelseite einer aktuellen Ausgabe des General-Anzeigers, die Baupläne, die Baugenehmigung, eine Foto- und Textdokumentation und ein paar Cent. „Wenn in der Zukunft dann mal Interesse bestehen sollte, kann man den Mauerstein aus dem Ofen lösen und in der Kapsel die Dokumente finden“, sagt Richarz. Eine Zeitkapsel aus der Gegenwart in einem historischen Objekt für die Zukunft verstaut – ein zeitübergreifendes Projekt.

Ende Mai wird in Ramersdorf wieder gebacken

So steht der alte Backofen wieder aufgebaut auf dem kleinen Wiesenstück, daneben eine Bank. „Hier können sich Menschen niederlassen und auf der Infotafel über die Geschichte des Gebauten lesen“, sagt Richarz. Noch hängt an dem Ofen provisorisch ein Infoplakat über seinen Ursprung. Bald soll es durch die Infotafel ersetzt werden.

Das nächste Mal gebacken wird am 29. Mai für das „Beverly-Hills“-Fest, dem Nachbarschafts- und Straßenfest in Ramersdorf. Dort kann jeder in den Genuss des Brotes kommen- frisch aus dem Steinbackofen. Das „Backes“-Team selbst hat nicht vor, regelmäßig zu backen. „Ist jemand bereit, in dem Ofen Brot zu backen und die Zeit darein zu investieren, kann er das aber gerne machen“, sagt Richarz.