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Klimaschutz in Bonn: Richtfest für Mehrgenerationenhaus in Beuel

Klimaschutz in Bonn : Richtfest für Mehrgenerationenhaus in Beuel

Die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks weihte am Montagabend ein wegweisendes Bauprojekt ein. Das soll unter anderem bei der Weltklimakonferenz für Aufsehen sorgen.

„Diese Baustelle wird im November viel Besuch von interessierten Menschen aus der ganzen Welt bekommen“, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks beim Richtfest am Montagabend. In der Hummerichs Bitze in Vilich-Müldorf bauen sieben Familien aktuell an einem Wohnprojekt, das ganz im Zeichen der sozialen Nachhaltigkeit und des ökologischen Bauens steht. Dass die Bundesumweltministerin, deren Haus ja auch fürs Bauen zuständig ist, es sich nicht nehmen ließ, selbst zu der kleinen Feier zu kommen, hat aber noch einen weiteren Grund: Es gibt nämlich einen Bezug zur Weltklimakonferenz COP23, die im November in Bonn stattfindet – die Baustelle wird ein offizielles Exkursionsziel der Delegierten.

Die Idee zu dem Projekt ist Franz Emde und seiner Frau vor mehr als sechs Jahren gekommen: „Als ich mich nach einem Besuch von Pützchens Markt verletzt hatte und wochenlang auf Gehhilfen angewiesen war, habe ich mich gefragt, wie ich in meinem Haus wohl im Alter klarkommen würde“, so der Initiator des Projekts. Gar nicht, habe die Antwort gelautet, die er sich selbst gab. Außerdem würden ja viele Eigenheime nach der Familienphase oft zu groß, wenn nur noch zwei Personen in ihnen wohnten. Diese Häuser seien auf längere Sicht nicht auf ein Wohnen im Alter eingerichtet und könnten nur mit großem Aufwand umgerüstet werden,“ so der Bauherr. Das neue Wohnprojekt berücksichtigte das mit variablen Wohnungszuschnitte, die sich im Laufe der Zeit anpassen ließen.

Technik des Hauses auf neuestem Stand

Von der ersten Idee bis zur Realisierung war es aber ein langer, steiniger Weg: Von den sieben Parteien, die das Haus ab kommendem April bewohnen wollen, sind Emde und seine Frau Susanne Roth die einzigen, die von Anfang an dabei waren. „Alle anderen sind wieder abgesprungen und heute haben wir eine völlig neue Besetzung“, so Roth. Der jüngste Bewohner sei zwei und der älteste 93 Jahre alt.

Technisch ist das Haus auf dem allerneuesten Stand: Das mehrstöckige Holzhaus speichert durch das nachwachsende Baumaterial CO² und hat durch seine Bauweise eine extrem positive CO²-Bilanz – im Gegensatz zu Passivhäusern oder Null-Energiehäusern wird allein durch die Herstellung des Hauses mehr CO² eingespart, als im Betrieb eines Null-Energiehauses jemals eingespart werden kann.

Zum ersten Mal in NRW wird das Gebäude über einen Naturwärmespeicher verfügen. Dabei handelt es sich um einen kleinen Teich im Garten, aus dem je nach Bedarf Wärme oder Kälte gezogen werden kann. „Die Wasserfläche ist ein Baustein gegen die Überhitzung von urbanen Räumen“, so Emde. Da das Gebäude im Wasserschutzgebiet liegt, waren Erdwärmebohrungen nicht erlaubt. Circa 80 Besucher waren der Einladung der Bauherren zum Richtfest gefolgt. Das sei wohl ein kleiner Vorgeschmack auf die zu erwartenden Fachbesucher, wie Hendricks in ihrer kurzen Ansprache meinte. Weil derartige Bauvorhaben eine große Zukunft hätten, rief die Ministerin die Kommunen zu einer höheren Flexibilität bei den Genehmigungsverfahren auf.