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Projekt des Jungen Theaters Bonn: Schauspielen ohne Schwellen

Projekt des Jungen Theaters Bonn : Schauspielen ohne Schwellen

Eine offene Tür für Kinder, die bislang noch kaum Gelegenheit hatten, mit dem Theater und der Schauspielerei in Kontakt zu kommen - das möchte das Projekt Open Stage Door des Jungen Theaters Bonn (JTB) sein.

Ab dem 27. August gehen Evi Mürlebach und Heike Werntgen wöchentlich in vier Jugendzentren, um dort mit Kindern im Alter von zehn bis 13 Jahren zu arbeiten. Mit den beiden Theaterpädagoginnen sprach Johanna Heinz.

Warum öffnen Sie nicht einfach die Türen zum Theatergebäude in der Hermannstraße - beispielsweise durch kostenlose Angebote, sondern gehen hinaus in die Jugendzentren?
Evi Mürlebach: Wir wollten ein Angebot schaffen, das so wenige Schwellen wie möglich hat. Wer hierher kommt, der steht schon vor einer Schwelle: Das Junge Theater ist eine Institution. Die Jugendzentren hingegen sind geschützte Räume. Dort gehen die Kinder seit Jahren hin, ihre Geschwister sind da, sie kennen die Betreuer.
Heike Werntgen: Für viele Kinder bedeutet Theater: Da passieren Dinge, die ich nicht verstehe - Shakespeare, Goethe, Schiller. Oder es ist mit Schule und Zwang verbunden. Wir wollen zeigen, dass das Theater ein lustvoller Ort ist, der berührt, der anders ist als Kino, als Fernsehen, weil man live dabei ist, sieht, wie Menschen auf der Bühne erleben.

Für einige ist es auch eine Frage der Sozialisation oder der finanziellen Situation der Eltern ...
Werntgen: Das JTB hat bisher schon tolle Arbeit geleistet. Die meisten Bonner Kinder kommen während der Schulzeit mit ihm in Kontakt. Trotzdem: Wenn Eltern regelmäßig ins Programm gucken, ist die Berührungsangst vorm Theater und den Schauspielkursen natürlich längst nicht so groß. Auch räumlich gibt es eine Schwelle, den Rhein. Gerade für diejenigen, die von Zuhause nicht unterstützt werden, ist der Weg nach Beuel weit.
Mürlebach: Deswegen haben wir in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt Jugendzentren in Teilen der Stadt gewählt, wo Kunst ansonsten vielleicht nicht so viel Raum bekommt.

An wen richtet sich die Open Stage Door?
Werntgen: Kinder im Alter von zehn bis 13 Jahren sind unsere Zielgruppe. Im Gegensatz zu vergleichbaren Projekte müssen die Kinder sich nicht verpflichten, sondern können kommen, wann immer sie Lust haben. Vorkenntnis brauchen sie nicht. Die Termine sind offen, offen, offen. Auch thematisch sind die Workshops breit gefächert. Es kann sein, dass wir sagen: Jetzt haben wir Lust, einen Song zu schreiben.
Mürlebach: Oder wir fangen mit Masken an, die wir selbst basteln, und kommen darüber in kleinen Schritten in die Rolle hinein. Dahinter kann man sich verstecken und stellt fest: Schauspielen ist gar nicht so schwierig.

Die Stücke am JTB sind sehr professionell inszeniert. Ist das auch der Anspruch an das Projekt?
Werntgen: E geht eher darum, herauszufinden: Wer bin ich? Was kann ich? Wir spielen viele Rollen in unserem Leben. Vielleicht habe ich in meiner Klasse eine Rolle gekriegt, mit der ich mich gar nicht wohlfühle - von jemandem, der schüchtern ist zum Beispiel. Mit einer Maske kann ich aber jemand sein, der extrovertiert ist und sich zeigt. Es gibt keinen Anspruch, professionell zu sein, sondern auszuprobieren, Spaß zu haben, zu spielen.
Mürlebach: Aber wir machen trotzdem dieselben Übungen wie professionelle Schauspieler. Und wenn am Ende ein Stück entsteht, ist das auch nicht verkehrt.
Werntgen: Wenn jemand merkt, er möchte gerne einen Schritt weitergehen, kann er natürlich zu den Castings des JTB gehen. Das Schöne ist, dass wir ans Theater angebunden sind. Wir werden auch mit den Gruppen Stücke anschauen.

Haben Sie auch Bammel?
Mürlebach: Davor, keine Teilnehmer zu haben. Wir sind in den Startlöchern und wollen dann auch starten.
Werntgen: Es ist eher eine freudige Aufgeregtheit. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt. So können wir schauen, was funktioniert und wenn nötig nachbessern. Das ist ein echtes Geschenk.

Zur Person

Evi Mürlebach, Jahrgang 1980, arbeitet als Dozentin für darstellende und bildende Kunst. Sie hat in Heidelberg ihre Ausbildung zur Theaterpädagogin gemacht. Zudem studierte Mürlebach freie Kunst an der Alanus Hochschule. In Dresden absolvierte sie ein Aufbaustudium Kulturmanagement. Sie wohnt in Bonn und ist seit 2011 am JTB.

Heike Werntgen, Jahrgang 1975, arbeit seit 2011 am JTB. Nach ihrer Musical-Ausbildung an der Stage School in Hamburg studierte sie Schauspiel am Lee Strasberg Theater Institute in New York und arbeitete dann als Schauspielerin und Regisseurin. Berufsbegleitend lies sie sich am Theaterpädagogischen Zentrum Köln zur Theaterpädagogin ausbilden. Sie wohnt in Köln.

Open Stage Door

Die Open Stage Door des Jungen Theaters Bonn (JTB) richtet sich an Kinder im Alter von zehn bis 13 Jahren. Die Soziallotterie Aktion Mensch fördert das Projekt, das zunächst auf eine Laufzeit von drei Jahren ausgelegt ist, mit insgesamt 170 000 Euro. Es ist ein kostenfreies, offenes Angebot. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Los geht es am Mittwoch, 27. August.

  • Von da an findet die Open Stage Door immer mittwochs von 15 bis 17 Uhr im Jugendzentrum Brüser Berg, Fahrenheitstraße 51, statt. Kontakt: Telefon 0228 38 27 197, juzebrueserberg@godesheim.de
  • Donnerstags sind die Theaterpädagoginnen immer von 16.30 bis 18.30 Uhr im Jugendzentrum Nordstraße, Nordstraße 77, zu Gast. Kontakt: Telefon 0228 55 52 95 38, jugendhaus-nordstrasse77@t-online.de
  • Im Kinder- und Jugendforum Auerberg, Helsinkistraße 4, wird jeweils freitags von 16 bis 18 Uhr Theater gespielt. Kontakt: Telefon 0228/22 78 720, r.lobe@lukaskirche-bonn.de
  • Samstags findet das Projekt von 15 bis 17 Uhr im Jugendzentrum Uns Huus, Mackestraße 24, statt. Kontakt: Telefon 0228/67 64 52, jugendzentrum@caritas-bonn.de

Weitere Informationen zur Open Stage Door auch beim JTB unter Telefon 0228/46 36 72, info@jt-bonn.de oder wwwjt-bonn.de.