Temporäre Schulstraßen in Beuel Weniger Elterntaxis, aber mehr Sicherheit für Kinder

Beuel · Mit der Paul-Gerhardt-Schule nimmt jetzt die vierte Grundschule in Beuel an dem Schulweg-Projekt der Stadt Bonn teil. Das Vorhaben soll Kinder schützen.

 Vater Georg Trautmann regelt den Verkehr an der Absperrung vor der Paul-Gerhardt-Schule.

Vater Georg Trautmann regelt den Verkehr an der Absperrung vor der Paul-Gerhardt-Schule.

Foto: Benjamin Westhoff

Montagmorgen, 7.20 Uhr vor der Paul-Gerhardt-Schule: Es regnet kräftig, das Thermometer zeigt fünf Grad Celsius. Witterungsbedingungen, die Eltern eigentlich veranlassen, ihre Grundschulkinder mit dem Auto so nah wie möglich vor den Schuleingang zu fahren.

Aber das Gegenteil war der Fall: Die Mehrzahl der Eltern begleitete die Kids mit dem Fahrrad oder zu Fuß zur Schule. Die Neustraße war im Abschnitt zwischen Goetheallee und Ringstraße nahezu autofrei. Genauso haben sich die Stadt Bonn und die Schulleitung das gewünscht, weil an diesem Montag für die Paul-Gerhardt-Schule das Projekt „Temporäre Schulstraße“ gestartet ist.

Rote Karte für die Elterntaxis

Das bedeutet: Unter der Woche wird die Neustraße in diesem Abschnitt von 7.40 Uhr bis 8.10 Uhr für den Durchgangsverkehr gesperrt. „Das Ziel ist es, den Schulweg für Kinder sicherer zu gestalten“, sagt Johannes Bildstein. Er leitet mit Veronika Scheele kommissarisch die Grundschule. Die seit Jahren umstrittenen Elterntaxis können somit nicht in direkter Nähe zur Schule halten und so andere Kinder gefährden. Der Bereich um die Schule wird auch ruhiger, weil es für diese halbe Stunde keinen Durchgangsverkehr gibt, so Bildstein. Das Lehrpersonal und auch Anwohner bekommen eine entsprechende Bescheinigung, wenn sie durch die Absperrung fahren müssen.

„Es gibt genug große Parkplätze in der direkten Umgebung der Schule. Dort können die Eltern parken und ihre Kinder zu Fuß zur Schule bringen. Wir haben alle Eltern bereits vor Wochen darüber informiert“, berichtet Stefanie Eich, stellvertretende Schulpflegschaftsvorsitzende. Folgende Parkplätze bieten sich für kurze Stopps an: Heckelsbergplatz, Parkplatz der „Beueler Bütt“, Parkplatz am Stadion. Für die Sperrung stellt die Stadt Bonn Absperrbaken bereit. Umgesetzt wird die Sperrung von Eltern und der Schulpflegschaft, so Jamilah Lehnen, Schulpflegschaftsvorsitzende. „Wir haben einen Dienstplan erstellt. Dort stehen die Schichten der Eltern drin, die die Straße sperren“, sagt sie.

Drei Ortsbesichtigungen mit Politik und Verwaltung

Die Eltern dürfen auch die Durchfahrtsbescheinigungen von Anwohnern kontrollieren – in Zusammenarbeit mit einer Schulpolizistin. Am Dienstag wird die neue Bezirksbeamtin der Bonner Polizei, Anja Kappernagel, den Verkehr morgens überwachen. „Wir haben uns dreimal mit Kommunalpolitikern, dem Ordnungsamt und den Stadtwerken Bonn getroffen und auch gemeinsam die Situation morgens angeschaut“, sagt Lehnen. Es habe einen Morgen gegeben, an dem dreimal die Reifen gequietscht hätten. „Da waren sich alle einig, dass etwas gemacht werden muss.“ Auch an einfache Regeln halten sich einige Autofahrer nach Angaben von Lehnen nicht: „Es kommt vor, dass am Zebrastreifen nicht gehalten wird“, sagt die Vorsitzende der Schulpflegschaft. Angefahren worden sei an der Grundschule bislang noch kein Kind, allerdings in der Parallelstraße.

Die Paul-Gerhardt-Schule ist die vierte von mehr als 50 Grundschulen in Bonn, die sich an dem Projekt beteiligt. Die anderen drei Grundschulen liegen auch im Stadtbezirk Beuel: Marktschule in Pützchen, GGS Om Berg in Hoholz und Gottfried-Kinkel-Schule in Oberkassel. Gefragt, ob es Zufall ist, dass nur Beueler Schulen sich an dem Projekt beteiligen, antwortete Carsten Sperling, Abteilungsleiter Straßenverkehrsbehörde bei der Stadt Bonn: „Ja, das ist Zufall. Das Umfeld der Schule muss dazu passen. Es dürfen zum Beispiel keine Bahnen und Busse in der Straße fahren.“

Die Stadt registriert nach eigenen Angaben nur positive Rückmeldungen. Sonja Walter, im Stadtplanungsamt zuständig für schulische Mobilität sagte: „Wenn Schulen Interesse an dem Projekt haben, können sie sich bei der Stadt Bonn melden. Wir beraten und unterstützen dann gerne.“

Oberbürgermeisterin Katja Dörner sagte am Montag: „Wir wollen, dass jedes Kind sicher und selbstständig zur Schule kommen kann. Die gut gemeinten Eltern-Taxis führen oft zu gefährlichen Situationen. Die Erfahrungen an den drei Schulen Marktschule, Grundschule Om Berg und Gottfried-Kinkel-Schule, die bereits Schulstraßen eingerichtet haben, sind durchweg positiv. Das zeigt, dass wir hier den richtigen Hebel ansetzen. Den Schulweg selbst bewältigen zu können, ist eine wichtige Erfahrung für unserer Kinder, die sie wachsen lässt und ihnen Selbstvertrauen gibt. “

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