Interview zur Kultur in Beuel Sigrid Limprecht kämpft für Kulturdreieck in Beuel

Beuel · Die Brotfabrik ist so etwas wie die Keimzelle der freien Kultur in Beuel. Über die Situation des Hauses und der Beueler Kulturlandschaft sprach Sigrid Limprecht, die aktuelle Geschäftsführerin des Trägervereins Traumpalast, mit Holger Willcke.

 Das Team der Brotfabrik

Das Team der Brotfabrik

Foto: Benjamin Westhoff

Wann und wie sind Sie in Beuel gelandet?

Sigrid Limprecht: Die Kulturinitiative entstammt einer studentischen Bewegung namens Cosa Nostra. Diese war Mitte der 1980er Jahre auf der Suche nach einer Spielstätte außerhalb der Universität. Damals bot sich die Gelegenheit, die ehemalige Brotfabrik als Sitz zu übernehmen. Die Initiative ist sehr schnell gewachsen, was Leute und Angebote betrifft, und hat sich von Anfang an radikal professionalisiert. Deshalb hat sie 1985 den Verein Traumpalast gegründet, unter dessen Dach die Brotfabrik-Bühne, die Kinemathek, die Galerie, das Theater Marabu, Interkultur Bildungswerk, die Kulturkneipe und die Kreative Werkstatt für Kinder und Jugendliche geführt werden. Ich fühle mich heute noch geehrt, in so einem gewachsenen und vielfältigen Umfeld eingestiegen sein zu dürfen.

Noch vor wenigen Jahren war es nicht sicher, ob sie ihre Spielstätte in der Kreuzstraße 16 behalten können. Wie sieht die Situation heute aus?

Limprecht: Die Stadt Bonn ist die Mieterin des Hauses. Nach längeren Verhandlungen wurde der Mietvertrag 2016 um zehn Jahre verlängert. Das steht für Zukunft.

Also können Sie jetzt sorgenfrei in die Zukunft blicken – oder?

Limprecht: Schön wär's. Wir platzen räumlich gesehen aus allen Nähten. Wir benötigen dringend mehr Platz, der auf diesem Gelände auch verfügbar wäre, aber durch andere Nutzungen belegt ist. Wir bieten jeden Abend vier verschiedene Veranstaltungen an und das fast sieben Mal die Woche.

Und wie sieht es mit den Finanzen aus?

Limprecht: Wir bräuchten dringend Geld für Investitionen. Der Fußboden im Foyer muss erneuert werden, und wir wollen zwei kleinere Räume für Veranstaltungen im Haus ausbauen. Es fehlen auch Fahrradständer und mehr Parkplätze. Und in Sachen Raumklima müssen wir auch nachlegen, zum Beispiel durch den Einbau einer Klimaanlage. Es ist wichtig, dass wir uns jetzt für die Zukunft fit machen.

Wie beurteilen Sie Ihr Standing in der Stadt?

Limprecht: Wir sind gut in Beuel und in der Kulturszene eingebettet. Der Name Brotfabrik bürgt für Qualität und das belegen auch unsere Besucherzahlen in allen Einrichtungen, die ungefähr bei 120 000 Gästen im Jahr liegen. Wir sind im Lebensalltag der Bürger eingebettet.

Ändert sich für die Brotfabrik etwas durch den Umzug des Pantheon-Theaters nach Beuel?

Limprecht: Die Situation ist sehr gut für das Beueler Publikum, Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft. Durch den Umzug in die Halle Beuel ergeben sich naturgemäß ganz neue Möglichkeiten für den Kulturstandort Beuel. Ich kämpfe für das Kulturdreieck Bonn-Beuel: Brotfabrik, Junges Theater und Pantheon. Wir wären als Brotfabrik bereit, unsere Zusammenarbeit anzubieten. Ich plädiere dafür, dass sich die Verantwortlichen aller Beueler Kultureinrichtungen mit der Politik zusammensetzen und gemeinsam eine kulturpolitische Ausrichtung festlegen. Wir müssen klären, wohin wir wollen und wie wir das Gewünschte erreichen können. Wir wären als Brotfabrik bereit, unsere Zusammenarbeit anzubieten.

Kann die Stadt Bonn dabei behilflich sein?

Limprecht: Auf jeden Fall, aber derzeit ruht sich die Stadt auf dem bislang Erreichten aus. Die Stadt kümmert sich um die Sanierung von Oper, Schauspiel und Beethovenhalle, überlässt aber die freie Kultur mit ihren Immobilien sich selbst. Die Stadt muss zum Beispiel dafür Sorge tragen, dass das Pantheon besser an das Beueler Zentrum angebunden wird und das Theater der Jugend finanziell angemessener ausgestattet wird.

Kann man Ihren Worten den Vorwurf entnehmen, dass die Stadt Bonn die freie Kulturszene zu wenig fördert?

Limprecht: Ja. Bonn ist eine internationale A-Stadt, die aber kulturpolitisch in der Unterstützung und Wertschätzung der freien Szene in ihrer Vielfalt, ihrem Input und der Innovation auf Kreisliga-Niveau unterwegs ist.