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Das lesen die Beueler: Sinkende Nachfrage am Kiosk

Das lesen die Beueler : Sinkende Nachfrage am Kiosk

Ein GA-Umfrage zum Welttag der Zeitschrift zeigt: Überzeugte Kunden bleiben dem Printmedium treu. Trotzdem sinken die Nachfragen am Kiosk. Wer die größte Auswahl hat, kann aber punkten.

„Früher haben die Leute mehr Zeitschriften gekauft“, sagte Koray Bakirsini, der Inhaber von Kiosk 97 an der Friedrich-Breuer-Straße, im Gespräch mit dem GA anlässlich des Welttags der Zeitschriften. Viele Leser seien mittlerweile lieber auf Internetplattformen unterwegs, einzig seine älteren Kunden blieben ihrer Linie treu. Fernsehzeitschriften und Rätselhefte seien bei den Senioren besonders gefragt.

Gabriele Klein, die den Kiosk am Beueler Bahnhofsplatz betreibt, zog eine ähnliche Bilanz. „Die Nachfrage nach TV-Zeitschriften ist noch ziemlich hoch“, erklärte die 57-Jährige. Auch die klassischen Zeitschriften und Magazine zum Zeitgeschehen wie der Spiegel oder Frauenzeitschriften ließen sich noch gut verkaufen. Doch auch dieser Trend lasse langsam nach, denn „ältere Kundschaft, die gern gedruckte Zeitschriften kauft, verringert sich mit der Zeit“. Zudem seien viele Kunden enttäuscht, wenn sie im Kiosk morgens nach Zeitungen und Zeitschriften fragten, diese jedoch nicht immer pünktlich geliefert würden. „Die Kunden verlassen sich ja darauf, die Hefte morgens direkt kaufen zu können“, sagte Klein. Früher hätte man mehr Verständnis für Lieferverzögerungen gehabt, in der heutigen schnelllebigen Zeit sei das Internet allerdings für viele die zuverlässigere Alternative.

Die sinkende Nachfrage nach gedruckten Heften verzeichnet auch Radwan Kanjo, der seit sechs Jahren einen Kiosk an der Elsa-Brändström-Straße führt. Trotzdem mache er monatlich 4000 Euro Umsatz durch seine große Auswahl an Zeitschriften und Magazinen. Mehr als hundert verschiedene Hefte bietet Kanjo in seinem kleinen Laden an, darunter viele Nischenprodukte wie das Cannabis-Magazin Grow oder die Katzenzeitschrift Our Cats. Livestyle-Magazine wie In Touch, Gala oder Bild der Frau seien besonders beliebt bei den Damen, so der Kioskbesitzer. Wohn-, Garten- und Kochmagazine würden sich jedoch eher schlecht verkaufen. „Auch Kinderzeitschriften bleiben meistens übrig und müssen zurückgeschickt werden“, fügte sein Sohn, Riad Kanjo hinzu. Zwar sei durch das große Angebot an Heften für jeden Geschmack etwas dabei, nur sprächen Nischenmagazine die breite Masse nicht ausreichend an. „Aber trotzdem hat jede Zeitschrift ihre Käufer“, ist Radwan Kanjo überzeugt. Ihm mache es nichts aus, wenn Exemplare übrig blieben, solange er seinen Kunden weiterhin ein vielfältiges Angebot bieten könne.

Der Eindruck der Beueler Kioskbesitzer deckt sich mit den Zahlen des Verbands Deutscher Zeitschriftenverlage. Demnach sind die Vertriebszahlen von Zeitschriften 2019 um 3,8 Prozent gesunken, während der Umsatz im Digitalvertrieb in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist. Besonders bei Jugendlichen macht sich der Trend bemerkbar: Tageszeitungen, Zeitschriften, Magazine aber auch Bücher werden beim jungen Publikum immer unbeliebter.

Leser, die gedruckte Schriften bevorzugen, sind jedoch überzeugt, dass E-Paper die klassischen Formate nicht ersetzen können. In einer Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach gab ein Drittel der Befragten an, sich auf Papier gedruckte Inhalte besser merken zu können, als Artikel die auf dem Bildschirm gelesen wurden. Ähnlich viele Leser gaben an, Texte auf dem Bildschirm nur zu überfliegen, Gedrucktes dagegen sorgfältiger zu lesen.

„Die Haptik ist ein ganz entscheidender Punkt“, begründete Andreas Bövinglöh aus Beuel seinen Kauf. Es schade auch der Ergonomie, wenn man zu viel am Computer lese. „Zeitungen oder Zeitschriften hält man bequem in der Hand, man kann sie der Familie auf dem Sofa rüberreichen oder auseinanderfleddern wie man möchte“, so der 67-Jährige.

Auch eine Kundin aus Beuel, die anonym bleiben möchte, schloss sich seiner Meinung an. Die Seniorin hatte gerade die neueste TV Direkt gekauft, um zu planen, welche Sendungen sie in den nächsten Tagen schauen wird. Online nach Fernsehprogrammen zu suchen, sei für sie keine Option: „Ich habe zu Hause noch nicht mal einen Internetanschluss“, sagte sie. Früher habe sie auch gern die Brigitte gelesen, „aber aus dem Alter bin ich mittlerweile raus“, so die 83-Jährige. Dafür scheinen Fernsehzeitungen in ihrer Generation besonders gefragt zu sein.

Mit einer Auflage von rund 1,8 Millionen Exemplaren ist die TV 14 im Herbst 2020 die meistgedruckte Zeitschrift Deutschlands. TV Digital, Hörzu sowie weitere Programmzeitschriften folgen in diesem Ranking. Auflagen dazugewinnen konnte im dritten Jahresquartal die Frauenzeitschrift Glamour sowie die Lebensart-Magazine Landidee und Mein schönes Land. Auch die Bravo und die Wirtschaftswoche verzeichnen ein leichtes Nachfrageplus.

Insgesamt sinkt die Auflagenzahl der Publikumszeitschriften jedoch kontinuierlich. Zeitschriften, die in Kiosken vor einigen Jahren noch als sehr beliebt galten wie etwa der Spiegel, Focus oder Auto Motor und Sport werden mittlerweile vermehrt als E-Paper gelesen. Für viele Kunden ist auch die Nachhaltigkeit ein entscheidender Grund, weniger gedruckte Schriften zu kaufen.