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Altes Handwerk am Rhein: So lief das Promenadenfest in Beuel ab

Altes Handwerk am Rhein : So lief das Promenadenfest in Beuel ab

Die Hitze hat es den Besuchern des Promenadenfests in Beuel nicht leicht gemacht. Kritik gab es an Fahrradfahrern, die sich nicht an Absperrungen gehalten haben. In diesem Jahr fand außerdem keine Greifvogel-Schau statt.

Krümel ist es zu heiß. Kein Wunder: Die Sonne brennt an diesem Samstagnachmittag mit voller Wucht auf das Beueler Ufer und lässt nicht nur die Menschen, sondern eben auch Schleiereulen nach Abkühlung suchen. Doch selbst im Schatten und mit kaltem Wasser besprüht ist es für Krümel und die anderen Greifvögel von Falkner Franz-Josef Becker, der vom Beueler Schiffer-Verein zum traditionellen Promenadenfest eingeladen worden war, schlichtweg zu ungemütlich.

Bis zur offiziellen Eröffnung um 16 Uhr werden Becker und sein Team aushalten, danach wollen sie zum Wohl der Tiere zusammenpacken und auch am Sonntag fernbleiben. Verständlich, und doch schade, bleibt so doch das zweitägige Fest am Mirecourt-Platz ohne die Hauptattraktion zurück. Die hatte allerdings schon im Vorfeld nicht die geweckten Erwartungen erfüllt: Der von den Organisatoren vollmundig angepriesenen Flugschau erteilte Becker eine deutliche Absage. „Das war eine Ente, so etwas machen wir grundsätzlich nicht“, betont er. „Wir sind doch keine Schausteller.“

So wirklich rund läuft es also nicht beim 38. Promenadenfest. Die fünf Zelte um den Platz vor dem China-Schiff bieten zwar Kulinarisches wie Reibekuchen und geräucherte Forellen, ansonsten ist aber nicht viel zu sehen. Ein paar Kinder basteln, einige Senioren tun es ihnen nach, und auch einige Mitglieder der Fischerei-Bruderschaft zu Bergheim an der Sieg nutzen die Zeit, um die Finger fliegen zu lassen. „Ich stricke Einkaufstragetaschen, und zwar mit der selben Technik, mit der früher Fischernetze von Hand hergestellt wurden“, erklärt Johannes Mertens. „Auf diese Weise erhalten wir eine alte Handwerkstradition und machen mit ihr etwas Nützliches und Dauerhaftes. Ich habe noch ein Einkaufsnetz, das ich in den 70ern gefertigt habe. Wenn Sie mal überlegen, was andere Menschen in der Zeit an Plastiktüten verbrauchen, wird ihnen klar, woher der ganze Müll stammt.“

Fahrradfahrer halten sich nicht an Absperrungen

Einige Minuten vor 16 Uhr erschüttern donnernde Schüsse das Areal und erschrecken sowohl Menschen als auch Greifvögel. Vier Bonner Böllerschützen geben mit ihren Büchsen und einer Kanone einen Salut auf den Rhein ab und kündigen damit die Flaggenzeremonie an, mit der das Promenadenfest offiziell eröffnet werden soll. Die letzten Salven zertrümmern allerdings das Beierspiel von Winfried Clarenbach, der auf dem mobilen Glockenstuhl des Schiffer-Vereins spielt. Also noch mal von vorn. Schließlich aber passt alles, die Mitwirkenden marschieren zum Dudelsackspiel von Martin Fischer mehrfach um den Platz und begrüßen dabei Oberbürgermeister Ashok Sridharan sowie den Landtagsabgeordneten und Beueler Bezirksbürgermeister Guido Déus, die es sich nicht nehmen lassen, die Traditionsvereine zu unterstützen und das seit 11 Uhr andauernde Fest zu eröffnen.

Der Schiffer-Verein als Ausrichter des Fests zeigt sich denn auch im Großen und Ganzen zufrieden. „Das Wetter ist bombig – und wenn die Hitze gegen Abend ein wenig abklingt, wird sich zeigen, dass Petrus auch ein Beueler ist“, sagt Pressesprecher Clauswerner Müller. „Musikalisch werden noch die Band 'Moonlights' und die Beueler Stadtkapelle mit Blasmusik unterhalten. Das einzige Ärgernis sind die Fahrradfahrer, die sich nicht an die Absperrungen halten, mit zum Teil hoher Geschwindigkeit über den Platz fahren und dann auch noch frech werden, wenn man sie ermahnt.“ Eine Frage des Respekts. „Immerhin versuchen wir, einige Kunst- und Handwerkstechniken unserer Väter und Großväter zu bewahren. Für manche Menschen ist das noch immer wichtig.“