Spanier zu Gast im Ernst-Kalkuhl-Gymnasium So macht das Programm „Erasmus +“-Schule Europa erlebbar

Oberkassel · Das Ernst-Kalkuhl-Gymnasium gehört zum erlesenen Kreis der „Erasmus +“-Schulen in Deutschland. Beim ersten Austauschprojektes besuchen Jugendliche aus dem spanischen Almenar Bonn. Was beim Europatag sonst noch so passiert.

 Erleben Europa digital und nun auch ganz persönlich: Ellen und Kate freuen sich auf die Begegnungen im Rahmen des Schüleraustausches mit der spanischen Partnerklasse.

Erleben Europa digital und nun auch ganz persönlich: Ellen und Kate freuen sich auf die Begegnungen im Rahmen des Schüleraustausches mit der spanischen Partnerklasse.

Foto: Benjamin Westhoff

Gute Europäer müssen früh aufstehen. Um 7.40 Uhr am Montagmorgen bestieg der Spanisch-Kurs der Klasse 10 den Zug, um die Gäste des Ernst-Kalkuhl-Gymnasiums am Flughafen Köln-Bonn zu empfangen. „Wir haben sie abgeholt und sind dann alle gemeinsam mit dem Zug zurückgefahren“, berichtet Kate (16), und ihre Mitschülerin Ellen (15) ergänzt, dass die spanischen Gäste aus Almenar schon gegen 2 Uhr gestartet waren und gerade mal eine Stunde schlafen konnten.

Die 18 katalanischen Schüler und Schülerinnen werden neun Tage zu Gast in Bonn sein, um die Stadt, die Schule, ihre Austauschpartner und deren Eltern kennenzulernen. Möglich macht das die EU-Kommission mit ihrem Förderprogramm für Schulen. Seit Kurzem darf sich das Ernst-Kalkuhl-Gymnasium sogar „Erasmus +“-Schule nennen. „Wir sind sehr glücklich, dass wir als eine von 158 Schulen ausgewählt wurden“, freut sich die stellvertretende Schulleiterin Kerstin Krüsselmann. „Wir haben für fünf Jahre die Akkreditierung erhalten“, berichtet sie. „Das bedeutet, dass die EU-Kommission die Mobilität von Schulen und Lehrern fördert.“

Förderzusage für fünf Jahre

Der Austausch mit der katalanischen Schule ist das erste Projekt, das über Erasmus bewilligt wurde. Dass danach nun auch die Förderzusage für fünf Jahre kam, freut auch die didaktische Leiterin Barbara Thomas besonders: „Wir sind sehr glücklich, dass das geklappt hat. Im Bildungsbereich hat man ja fast nie Geld für besondere Projekte. Das fühlt sich jetzt an wie eine warme Dusche.“

Barbara Thomas hat als Spanischlehrerin auch den Austausch mit der spanischen Schule über das Erasmus-Projekttool „eTwinning“ organisiert. Bei diesem Onlineprojekt tauschen sich Schülerinnen und Schüler aus, lernen sich kennen und arbeiten gemeinsam an einem Thema, das die Lehrkraft passend für das Alter, den Lehrplan und die Interessen der Kinder oder Jugendlichen ausgewählt hat. Dieser digitale Austausch findet meistens auf Englisch oder in einer anderen Fremdsprache statt und soll dazu führen, dass die Schülerinnen und Schüler auch ihre Medienkompetenz erweitern.

Erster Europa-Tag im Schulforum

Wie das funktioniert, darüber konnen sich alle Schülerinnen und Schüler des Ernst-Kalkuhl-Gymnasiums ebenfalls am Montag im Schulforum informieren. Denn zufällig fiel der Anreisetag der spanischen Delegation zusammen mit dem ersten Europa-Tag am Kalkuhl-Gymnasium, den Schüler und Schülerinnen verschiedener Altersklassen organisiert haben.

So haben sich die Französisch-Kurse der Klassen 10 und 11 mit der Kultur und den Eigenheiten anderer europäischer Länder befasst und dazu kleine Videoclips gedreht, die sich die anderen Schüler und Schülerinnen über einen QR-Code direkt aufs Smartphone holen können. Einige Siebtklässler haben sich damit beschäftigt, wie in anderen europäischen Ländern Karneval gefeiert wird, zum Beispiel welche Masken es im Karneval von Venedig gibt und was sie bedeuten, warum im belgischen Oostende ein „Ball der toten Ratten“ gefeiert wird und warum die Isländer zum Fasching am liebsten Sahnekrapfen essen, während die Spanier eher Hackbällchen und Kartoffelecken bevorzugen.

Klassen- und fächerübergreifendes Lernen

Barbara Thomas findet es toll, dass der Europa-Tag Klassen und Fächer übergreifend angelegt ist. Dabei geht es nicht nur um die Sprache, sondern vor allem auch um Kultur, Politik und Geschichte. So haben sich einige Zehntklässlerinnen mit den jungen Grünen in Europa auseinandergesetzt, während deren Klassenkameraden sich lieber mit Reisen durch Europa und Essgewohnheiten beschäftigten. Zehntklässlerin Ellen hat Vorurteile und Stereotype untersucht, also zum Beispiel solche Fragen, ob die Franzosen tatsächlich nur Baguette essen, ob alle Spanier regelmäßig Siesta machen und warum die Deutschen im Ausland als die immerzu Bier trinkenden „Krauts“ gelten.

Was die spanischen Gäste erwartet

Ellen und ihre Mitschülerin Kate können einige der Vorurteile im direkten Austausch mit ihren spanischen Gästen klären. Doch zunächst steht für die Katalanen am Anreisetag ein Besuch im Spanischkurs an. Am Dienstag unternehmen sie eine Stadtrallye durch Bonn, und am Mittwoch geht es zusammen mit den deutschen Gastgebern nach Köln, um den Dom zu besichtigen und gemeinsam zu flanieren und zu shoppen. Darüber hinaus wollen die beiden Schülerinnen gerne privat einiges mit ihren Gästen unternehmen, bevor es nach dem Abschiedspicknick mit Eltern und Lehrern in neun Tagen wieder zurück nach Spanien geht.

Ellen und Kate freuen sich auf jeden Fall schon riesig auf den Gegenbesuch mit dem Spanischkurs im April. 13 Jugendliche fahren dann mit Kurslehrerin Barbara Thomas nach Katalonien, um dort Menschen und Bräuche kennenzulernen. „Dort werden wir dann unter anderem einen katalanischen Tanz lernen“, verrät die Lehrerin. „Der Fokus liegt dabei nicht auf dem Spracherwerb, sondern auf dem Kennenlernen der anderen Kultur“, betont sie. „Das Lernen der Sprache geschieht eher nebenher. Aus pädagogischer Sicht gibt es nichts Besseres.“

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