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Junges Theater Beuel: Spannendes Casting für Jugendliche

Junges Theater Beuel : Spannendes Casting für Jugendliche

Viel Betrieb herrschte im Jungen Theater Bonn, aber zunächst weniger in den Sitzreihen, sondern vor der Bühne. Viele Jugendliche waren dort über Formulare gebeugt, die sie ausfüllen sollten. Die meisten sind 14 bis 15 Jahre alt, so wie Ida und Sarah vom städtischen Gymnasium in Hennef. Beide hofften auf eine Rolle im neuen Theaterstück "NICHTS - was im Leben wichtig ist" nach dem Jugendroman von Janne Teller, den sie gelesen haben und gut finden.

Kein gewöhnliches Buch: "Klar ist es abstrakt", meinte die 15-jährige Sarah, "aber auch interessant, was sich aus einer Schulklasse entwickeln kann". Es gehe um Gruppenzwang, ein Thema, das die Jugendlichen gerade in diesem Alter betreffe - am schlimmsten bei Alkohol und Drogen, fand Ida (14).

Theaterintendant Moritz Seibert und Regisseur Stefan Herrmann wollen das Stück ab Mitte Januar 2013 auf die Bühne bringen, und bis zum Probenbeginn Anfang November müssen sie zwei Schauspieler-Ensembles à sieben Jugendliche zusammengestellt haben.

Der Casting-Abend diente ihnen zur Klarstellung allgemeiner Grundvoraussetzungen, die die jungen Schauspieler mitbringen müssen, und zum ersten Filtern. Voraussetzung sei dabei weniger, dass sie Vorerfahrung auf der Theaterbühne haben, sagte Seibert - im Gegenteil hoffe man auch auf die Entdeckung neuer Talente.

"Vor allem müssen sie eine bühnenbegabte Stimme mitbringen. Es geht darum, wirklich gehört zu werden im Theatersaal. Das ist in dem Alter gerade bei den Jungs ein bisschen schwierig", fügte er hinzu. Neben kräftiger Stimme und möglichst wenig Stimmbruch seien ansonsten natürlich eine gewisse Grundbegabung, Spiellust und Fantasie vonnöten.

Eine weitere wichtige Grundvoraussetzung: Die Jugendlichen müssen Zeit haben. Ab November wird nach der Schule und an den Wochenenden geprobt, in den Weihnachtsferien fast jeden Tag, damit das Stück bis zur Premiere am Wochenende 12./13. Januar steht. Das bedeute auch, dass die Akteure in den Ferien nicht in den Urlaub fahren sollten.

"Alles außer Schule muss hinter dem Schauspiel zurückstehen", sagte Seibert den Jugendlichen. Wer sich seiner Fußballmannschaft oder seinem Jugendorchester verpflichtet fühle, könne nicht beim Stück mitmachen.

Viele der Kandidaten kannten das bereits. "Wir haben schon beim Casting für die Vorstadtkrokodile mitgemacht", sagte Ida. Außerdem hatten beide einen Schauspielkursus am Jungen Theater besucht. Einen bestimmten Wunsch-Charakter aus dem Roman hatten die Jugendlichen für sich nicht im Sinn. "Jede Rolle hat auf ihre eigene Art etwas Spezielles", findet Sarah. Wichtig sei das Stück. "Wir haben einfach Spaß am Schauspielern", sagte Ida.

Zur Vorauswahl mussten die rund 80 Casting-Teilnehmer jeweils zu zweit auf der Bühne einen Dialog aus dem Stück "Wenn ich du wär" vortragen, natürlich vom Blatt abgelesen. Am Ende des Abends gab es bereits einige enttäuschte Gesichter - aber das sollten die Jugendlichen aus diversen TV-Casting-Shows kennen: Nicht jeder kann weiterkommen.

Am Ende blieben 18 Kandidaten übrig. Jetzt läuft der "Recall", laut Seibert "vielversprechend". Am Samstag wird die Auswahl der Nachwuchsschauspieler dann fortgesetzt.

Das Stück:
"NICHTS - was im Leben wichtig ist": Der Roman von Janne Teller dreht sich um eine Schulklasse, die zu Beginn des neuen Schuljahres den Mitschüler Pierre-Anton davon überzeugen will, dass das Leben eine Bedeutung hat. Das bestreitet der Junge, der aus dem Unterricht verschwunden ist und seitdem auf einem Baum auf dem Schulgelände sitzt, um von dort aus seine Mitschüler zu verhöhnen.

Die überlegen, Dinge zusammenzutragen, die für sie eine Bedeutung haben. Was harmlos beginnt, artet aus: Am Ende werden sogar Haustiere und Gliedmaßen geopfert. Persönliche Rache und Gruppenzwang: Wer nicht mitmacht, bestätigt Pierre-Antons Ansicht.