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38. Bonner Go-Turnier: Spiel mit unendlichen Möglichkeiten

38. Bonner Go-Turnier : Spiel mit unendlichen Möglichkeiten

Lukas Krämer ist erst 25 Jahre alt – und beherrscht dennoch bereits seit Jahren die deutsche Go-Szene. So hatten seine Kontrahenten auch beim 38. Bonner Go-Turnier, das am Wochenende in Vilich stattfand, keine Chance.

Ohne eine einzige Niederlage gewann der Bonner mühelos das offene Turnier und verwies Jonas Welticke, der ebenfalls aus Bonn stammt, auf Platz zwei. Den dritten Platz belegte Bernd Schütze aus Berlin.

130 Teilnehmer aus Deutschland und dem benachbarten Ausland nahmen insgesamt am Turnier teil, das Regina Quest und Jens Vygen zum 25. Mal organisiert hatten. Vertreten waren Spieler aller Altersgruppen und Stärken – obwohl es kein Preisgeld zu gewinnen gab. Lediglich der westdeutsche Jugendpokal, der ebenfalls ausgespielt wurde, hatte Meisterschaftscharakter.

Krämer studiert International Management in Konstanz und hat erst mit 14 Jahren das Go-Spiel erlernt. „Durch Zufall“, sagt er. Inzwischen spielt er auf großen internationalen Turnieren und im Internet, „um nicht aus der Übung zu kommen“. Außerdem schaut er sich Profispiele an, ebenfalls um sich zu verbessern.

Viele Überlegungen für einen Zug

Doch was reizt ihn an Go? Es sind die unendlichen Möglichkeiten, so der Bonner. „Man muss kreativ, strategisch und analytisch denken, man muss vorausrechnen und nach all diesen Gedankengängen muss man genau einen Zug machen.“ Für Anfänger hat er ein paar Tipps parat: Erst in den Ecken spielen, dann an der Seite und erst danach in der Mitte. Man soll seine Steine verbunden halten und nicht sofort versuchen, fremde Steine zu fangen, sondern erst Gebiete machen. „Go ist ein visuelles Spiel, das nur für Spieler selber in seiner vollen Schönheit erkennbar ist.“

Go ist als Strategiespiel am ehesten mit Schach vergleichbar und mit rund 4000 Jahren das älteste Brettspiel. In der Herkunftsregion Fernost spielen mehr als 100 Millionen Menschen Go. Die Spieler werden anhand ihrer Erfolge in ein Ranglistensystem eingestuft. Ein Anfänger beginnt beim 30. Kyu und kann sich bis zum 1. Kyu hochspielen. Anschließend kann er zum 1. Dan befördert werden. Der 7. Dan ist der höchste Rang, den ein Amateurspieler erreichen kann. Danach kommen Profi-Dans für Spieler, die mit Preisgeldern ihren Lebensunterhalt verdienen.

Auf Basis dieser Grade und Erfolge wird vor Beginn eines jeden Turniers eine Rangliste erstellt. Aus dieser ermittelt ein Computerprogramm dann die Partien. So wird erreicht, dass ungefähr gleichstarke Spieler gegeneinander antreten. Durch Siege oder Niederlagen ergibt sich am Ende des Turniers eine neue Rangliste, die dann wiederum Basis für das nächste Turnier sein kann. Pro Partie hat jeder Spieler 45 Minuten Bedenkzeit. Ist diese damit noch nicht beendet, gibt es eine Verlängerung, in der allerdings nur noch 20 Züge in fünf Minuten gemacht werden dürfen.