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Grundwassermessstellen in Beuel: Stadt Bonn: Cadmiumwert ist gestiegen

Grundwassermessstellen in Beuel : Stadt Bonn: Cadmiumwert ist gestiegen

Der seit 2014 andauernde Streit um eine mögliche Gefährdung des Trinkwassers durch die massiven Erdbewegungen beim Bau der Heimwerkerkette Bauhaus in Vilich nimmt an Schärfe zu.

Die Grünen und die Bürgerinitiative Vilich denken derzeit darüber nach, ob sie in der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung Beuel am Mittwoch, 19. August, die Hinzuziehung eines unabhängigen Gutachters beantragen werden.

Auslöser für diese Überlegungen ist eine aktuelle Stellungnahme der Stadt Bonn zum Thema Grundwassermessstellen in Beuel. Darin gibt die Fachverwaltung bekannt, dass die ohnehin schon deutlich erhöhten Cadmiumwerte im Beueler Grundwasser nochmals angestiegen sind.

Allerdings sieht die Stadt keinen Handlungsbedarf, weil auch dieser neuerliche Wert im "üblichen Schwankungsbereich" sei und "eine Veränderung der Grundwasserqualität nicht zu erkennen" ist.

Nach Aussagen der Bürgerinitiative Vilich und der Grünen liegt der Cadmiumwert von der jüngsten Messung in einem bedenklichen Bereich. "Mit 0,353 Milligramm pro Liter ist der Wert des Vorjahres um 7,62 Prozent angestiegen, so dass jetzt statt des 656-fachen Geringfügigkeits-Pegels der 706-fache erreicht ist", sagt Werner Janik-Mehlem, Sprecher der Bürgerinitiative.

Aber auch die Grünen reagierten auf die neueste Messung besorgt. "Die Stellungnahme der Verwaltung verstärkt unsere Befürchtungen, dass eine Trinkwassergefährdung im Bereich der Trinkwassergewinnung im Abstrom des Baumarktgeländes und der näheren Umgebung nicht ausgeschlossen werden kann," sagt die Stadt- und Bezirksverordnete Doro Schmitz dem GA.

Der Grundstückseigentümer und Bauherr, die Triwo AG aus Trier, sei ihrer im Rahmen der Baugenehmigung auferlegten Pflicht, das Grundwasser in regelmäßigem Turnus zu überwachen, nicht nachgekommen. "Der besorgniserregend hohe, am 16. April 2014 am Platanenweg gemessene Cadmiumwert ist jetzt nochmals getoppt worden. Bei einem vertraglich festgelegten Sanierungswert von 0,4 Milligramm Cadmium pro Liter Grundwasser stellt sich uns die Frage, wann dieser Wert überschritten sein wird", sagte Schmitz.

Angesichts dessen, dass die Grünen in Beuel eine Gefährdung des Trinkwassereinzugbereiches klar ausschließen wollen, sei es denkbar, dass man die Bestellung eines unabhängigen Gutachters fordern werde. Die Grünen erwarten von der Verwaltung außerdem, dass auch die Grundwasserwerte aus den angrenzenden Bereichen in der Adelheidisstraße und der Clemensstraße veröffentlicht werden. Dem Wunsch ist die Stadt bislang nicht nachgekommen.

Das von der Bürgerinitiative Vilich eingeschaltete NRW-Umweltministerium hat jetzt schriftlich mitgeteilt, dass durch die intensive Bodenverdichtung im vergangenen Jahr keine Gefährdung für das Trinkwasser ausgegangen sei. Allerdings seien die Erschütterungswerte, die die Rammarbeiten ausgelöst haben, nicht zulässig.

Der Schwingungsgrenzwert von zwei Millimetern pro Sekunde sei durch den gemessenen Schwingungswert von 4 mm/s überschritten worden. Dies deute auf Fehler in der Maßnahmenplanung und -durchführung hin. Die Geltendmachung von Schadenersatz müsse in diesem Fall privatrechtlich durchgesetzt werden. Diese Aussage wertet Janik-Mehlem als "starkes Votum für die geschädigten Hausbesitzer".

Die Bezirksvertretung Beuel tagt am Mittwoch, 19. August, ab 17 Uhr im Rathaus Beuel, Friedrich-Breuer-Straße 65.

Cadmium-Skandal

Die Cadmium-Belastung im Beueler Norden war in den 80er Jahren der größte Umweltskandal in Bonn. Auf der Basis einer breiten politischen Mehrheit entschied sich damals der Stadtrat in voller Kenntnis über die zu erwartenden Gerichtskosten für einen Rechtsstreit.

Der Prozess zog sich über Jahre hin. Im März 1991 hat der Stadtrat dem Vergleichsvorschlag des Oberlandesgerichtes Köln in Sachen Cadmium-Belastung in Beuel mehrheitlich zugestimmt. Die Firma Degussa-Marquart hat daraufhin den betroffenen Bürgern je nach Belastung des Erdbodens den Schaden finanziell abgegolten.

Zum Ausgleich für den bereits vorgenommenen Bodenaustausch im Bereich des Spielplatzes an der Siegburger Straße erhielt die Stadt von der Firma 45.000 Mark.