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Beueler Zillertal: Stadt Bonn prüft Häuser

Beueler Zillertal : Stadt Bonn prüft Häuser

Dass sich auch Bonn mit einem Zillertal schmücken kann, ist nicht nur vielen Neubürgern unbekannt. Zugegeben, der Limpericher Ableger ist viel kleiner als sein Pendant in Tirol, aber er ist der Stadt eine Markierung in ihrem Stadtplan wert. Und das, obwohl Häuser und Bewohner seit Jahren nur geduldet sind.

Schließlich befindet sich alles mitten im Landschaftsschutzgebiet. Der früheren Steinbrucharbeiter-Siedlung, die eine bewegte Geschichte hat, steht nun eine ungewisse Zukunft bevor. Die Stadt Bonn bestätigte GA-Informationen, wonach die Häuser auf den Prüfstand kommen. Am Dienstag gab es erste Auskünfte der Verwaltung an die Beueler Politik.

  • Das Zillertal: Das Gebiet unterhalb des Sportplatzes am Finkenberg ist nach GA-Informationen schon Mitte des 19. Jahrhunderts besiedelt gewesen. Damals wohnten dort die Arbeiter, die in den Steinbrüchen Basalt abbauten. Im Ersten Weltkrieg mussten am Finkenberg russische Kriegsgefangene arbeiten. Sie lebten in dem Barackenlager. Später fanden dort kanadische, französische und marokkanische Besatzungssoldaten eine Bleibe. Nach ihrem Weggang zogen ausgebombte Beueler ein. Das Zillertal entstand; es verdankt seinen Namen wohl den Blumenkästen an den Fachwerkhäusern und der Tallage.
  • Das sagt die Stadt: "Die in der Nachkriegszeit entstandenen Bauten sind zum Teil in einem nicht ordnungsgemäßen Zustand", meinte Elke Palm vom Presseamt. Zwei Häuser seien wohl nicht zu halten. "Die anderen Häuser wird ein Gutachter auch checken", so Palm. Weitere Schritte erfolgten in enger Abstimmung mit Politik und Bewohnern. Die Stadt hat zwölf Einheiten vermietet. Außerdem gibt es sechs Pachtverträge. Diese Häuser wurden vor Jahrzehnten in Eigenregie gebaut und quasi geduldet. Generell sagt Palm aber: "Wir haben als Vermieterin eine Verantwortung." Heute leben noch 31 Leute im Zillertal, darunter sind zehn Familien.
  • Das sagen die Bewohner: Dass seine Wohnung am Steinbruchweg einsturzgefährdet sein soll, mag Arnold Kreuz so gar nicht glauben. "Nach dem von der Stadt beklagten Wasserschaden habe ich in Eigenregie mit einem Handwerker alles mit Kalksandsteinen untermauert", sagt der 50-Jährige. Müsste das Haus abgerissen werden, würde kein neues entstehen. Denn in einem Landschaftsschutzgebiet besteht kein Baurecht. Seit 1960 wohnt Marianne Schaaf in einem der neuen Häuser. "Ich gehe hier nicht mehr weg", betont die 74-Jährige und unterdrückt Tränen. Alles sei sauber hier und jeder für jeden da. So war es auch, als 2009 die Wohnung von Janine Dalmus kernsaniert werden musste. "Wir haben alles selbst gemacht und finanziert", sagt die 24-Jährige. Da sich die Stadt in ihren Augen bislang wenig gekümmert hat, verstehen die Zillertaler den plötzlichen Handlungsbedarf nicht.
  • Das sagt die Politik: Völlig fassungslos zeigt sich die SPD nach den Ankündigungen der Verwaltung. "Notfalls stellen wir uns mit Bundestags- und Landtagsabgeordneten vor das Zillertal", sagte Dieter Schaper. Dem Gutachten sieht er kritisch entgegen: "Die Stadt wird auch bei den anderen Häusern Gründe finden, warum sie nicht stehen bleiben können", glaubt der Fraktionssprecher.
  • Nicht ganz so klar ist die Situation für die FDP. "Bei Mietpreisen von einem Euro pro Quadratmeter kann keiner von der Stadt erwarten, dass sie die Häuser saniert und anschließend zu dem gleichen Preis vermietet", sagte Zehiye Dörtlemez. Sie beklagte, dass die Stadt im Interesse der Bewohner nicht früher gehandelt habe. "So sind die Nutzungsverträge von Generation zu Generation weitergegeben worden", meinte die Bezirksverordnete.
  • Fraktionssprecherin Doro Schmitz von den Grünen sagte, die Stadt solle nun gemeinsam mit den Bewohnern eine Lösung finden. "Nach den ersten bekanntgewordenen Schäden liegt es nun in der Verantwortung der Stadt, eine Gesamtbestandsaufnahme durchzuführen", betonte Schmitz. Die CDU war für eine Stellungnahme gestern nicht zu erreichen.