Prunksitzung der Beueler Stadtsoldaten Darum trug die Bonna unter ihrem weißen Rock rote Stiefel

Beuel · Beuel ist die karnevalistische Kaderschmiede für Prinzessinnen. Bei der Prunksitzung der Stadtsoldaten jubeln Bonna Carina I. und Wäscherprinzessin Sabrina I. als ehemalige Tanzmariechen des Corps‘ dem Publikum zu.

Volles Haus bei der Prunksitzung der Beueler Stadtsoldaten.

Volles Haus bei der Prunksitzung der Beueler Stadtsoldaten.

Foto: Benjamin Westhoff

Bonn und Beuel wachsen behutsam im Karneval zusammen. Das gab es nämlich noch nie: Das Bonner Prinzenpaar zog am Samstag zum Auftakt der Prunksitzung der Stadtsoldaten auf die Bühne auf. Und Prinz Cornelius I. (Diehl) gestand unumwunden: „Beuel kann Karneval. Ihr wisst, wie man unser Brauchtum richtig feiert. Beuel und Bonn trennt nur der Rhein, sonst nichts.“ Diese feurige Rede löste einen Beifallssturm aus. Und dann legt die Tollität nach: „Danke Beuel, Danke Stadtsoldaten, dass ihr mir dieses tolle Mädel als Bonna ausgeliehen habt.“

Emotionaler Auftritt der Bonna

Und dieser emotionale Auftritt sollte aus Beueler Sicht noch gesteigert werden. Carina I. (Dederichs) rief in den mit fast 1000 Gästen ausverkauften Saal des Brückenforums: „Ich bin zu Hause – wie schön.“ Jubel brandete auf. Und dann bekam so mancher auf der Bühne und im Saal feuchte Augen, als Carina nach oben in Richtung Himmel blickte und sagte: „Mein Opa und mein Vater wären stolz, wenn sie mich hier in Beuel als Bonna sehen könnten.“ Stadtsoldaten-Kommandant Hans Hallitzky nahm die Bonna in den Arm und sagte: „Sie sind stolz und stoßen da oben auf Dich an.“ Der Großvater war Egon Peffekoven, legendärer Kommandant des Corps, der 23 Jahre lang mit harter Hand und großem Herz die Stadtsoldaten geführt hat. Er starb 2017 im Alter von 86 Jahren.

Carina war 24 Jahre lang aktives Mitglied im Corps, davon sieben Jahre als Marie im Tanzcorps. Und dann zeigte die Bonna ihre Verbundenheit zu Beuel und dem Corps: Sie zog den Rock ihres weißen Ornats hoch und streckte die roten Tanzstiefel der Stadtsoldaten in den Saal.

Wäscherprinzessin erzählt von einem Flug, der nie stattgefunden hat

Diese karnevalistische Kinderstube erlebte auch Wäscherprinzessin Sabrina I. (Michels). Als sie rund drei Stunden später mit ihrer 120 Personen starken Schutztruppe, dem Corps der Stadtsoldaten, in den Saal einzog, merkte man beim Publikum sofort die enge Bindung zu Beuel. Sie tanzte im Kindercorps, im Kadettencorps und war ebenfalls Marie der Stadtsoldaten.

Als die Wäscherprinzessin auf der Bühne von ihrem tollen Erlebnis, einem Rundflug über Beuel im Segelflugzeug mit Flönz und Kölsch im Cockpit erzählte, hörten die Gäste gespannt zu. Einer staunte allerdings: Ralf Birkner, Leiter der Bezirksverwaltungsstelle Beuel, schüttelte den Kopf und sagte: „Von dem Termin weiß ich gar nichts, der muss spontan dazugekommen sein.“

Vize-Obermöhn Patty Burgunder lüftete das Geheimnis: „Liebe Freunde, es gab weder Flönz noch Kölsch noch einen Rundflug. Im Moment geben wir der Wäscherprinzessin vor jedem Auftritt einen Zettel mit zwei Stichworten in die Hand. Und diese Begriffe muss sie fantasievoll in ihre Rede einbauen.“

Patty Burgunder – ebenfalls ehemalige Bonna und Wäscherprinzessin, die ihre ersten jecken Schritte bei den Stadtsoldaten gelernt hat – führte die Regentenriege an. Sie musste Obermöhn Ina Harder krankheitsbedingt vertreten. Für Ina Harder, die in dieser Session ihre Abschiedsrunde auf den Narrenbühnen dreht, sehr schade, weil es ihr letzter gemeinsamer Auftritt mit Bruder Hans Hallitzky bei den Stadtsoldaten gewesen wäre.

Beueler Stadtsoldaten richten Fundus für den Nachwuchs ein

Das Sitzungsprogramm war übrigens vom Feinsten: Höhner, Kasalla, Fidele Sandhasen und als Finale die Domstädter mit ihren schottischen Freunden. Die Dudelsackmusik zu Highland Cathedral oder als kölsche Version von der Kölner Kultband Bläck Fööss mit dem Titel „Du bes die Stadt“ sorgte für viel Gefühl.

Stolz sind die Stadtsoldaten auf ihren Nachwuchs: Das Kindercorps zählt aktuell 64 Pänz. Und damit diese Zahl auch in Zukunft auf so einem hohen Stand bleiben kann, hat sich der Generalstab der Stadtsoldaten etwas Neues überlegt. „Damit das Mitmachen nicht an der Kostenfrage scheitert, haben wir jetzt begonnen, einen Fundus für die Kleinen aufzubauen“, so Hans Hallitzky. Weil das Nähen einer Kinderuniform mittlerweile bis zu 800 Euro kostet, können Eltern jetzt Oberteile ausleihen.

Da für die Stadtsoldaten in jüngster Vergangenheit der finanzielle Aufwand deutlich zugenommen hat, will der Generalstab in der Session 2024/25 einen neuen Förderkreis an den Start bringen. „Wir benötigen eine zusätzliche finanzielle Absicherung, um unser Angebot auch in Zukunft so aufrechterhalten zu können“, so Hallitzky. Dem Senat könne man nicht noch mehr finanzielle Unterstützung abverlangen.

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