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Weiberfastnacht in Beuel: Startverbot für Charlie-Hebdo-Wagen

Weiberfastnacht in Beuel : Startverbot für Charlie-Hebdo-Wagen

Der Charlie-Hebdo-Karnevalswagen von Filmproduzent Michael Simon de Normier ("Der Vorleser") ist im Beueler Weiberfastnachtszug doch nicht wie geplant an den Start gegangen. Der Veranstalter, die Stadt Bonn, hat dem gebürtigen Bonner eine Teilnahme untersagt.

Zugleiter Joachim Mertens sagte dem GA: "Er hatte sich bei uns nicht angemeldet. Deshalb mussten wir so handeln."

Der Filmproduzent plante kurzentschlossen um, ließ seine Rikscha am Straßenrand stehen, schnappte sich einen großen Müllcontainer, befestigte die französische Fahne und lief mit zwei Freunden hinter dem Zug her. Er skandierte immer wieder: "Vive la France. Es lebe die Meinungsfreiheit." Einige Narren sprachen ihn an und wollten von ihm wissen, wer er sei und was er wolle.

Sein Auftritt in Beuel wurde von einem Kameramann gefilmt. Michael Simon de Normier will zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch eine Interviewtour zum Thema Meinungsfreiheit durchführen und daraus einen kurzweiligen Roadmovie-Dokumentarfilm produzieren.

Am morgigen Karnevalssamstag will er in Köln am Geisterzug teilnehmen. Er plant, mit 77 Jungfrauen an den Start zu gehen. Deshalb soll vorher in einer bekannten Kölner Szenekneipe ein Casting stattfinden. "Ich bin extra aus Berlin angereist, um die Meinung von Karnevalisten zum Thema Charlie Hebdo filmisch festzuhalten", sagte der Produzent.

Er kritisiert die Entscheidung des Festkomitees Kölner Karneval, den nach dem Paris-Anschlag angefertigten Mottowagen zum Thema Meinungsfreiheit an Rosenmontag aus Sicherheitsgründen doch nicht starten zu lassen. Das sei eine "beschämende Feigheit".

Die Bonnerin Inga Rogge will an Rosenmontag zwischen 10.30 und 11 Uhr auf dem Bonner Marktplatz eine Aktion zum Thema Meinungsfreiheit durchführen. Sie will den Zugteilnehmern und den Zuschauern großformatige Karikaturen vorstellen. "Ich will meine Solidarität mit der Redaktion von Charlie Hebdo zeigen", so Rogge.