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Gewerbegebiet Beuel: Streit um die Markthallen

Gewerbegebiet Beuel : Streit um die Markthallen

Im Gewerbegebiet Beuel-Ost herrscht bei einigen Unternehmern Unruhe. Vor einigen Tagen ist die Nachricht durchgesickert, dass Bonnorange, der städtische Abfallbetrieb, in den Markthallen an der Röhfeldstraße einen Betriebshof einrichten will.

Die Immobilie, die früher als Obst- und Gemüsemarkt genutzt wurde, gehört einer Erbengemeinschaft aus Hannover, die das Gebäude gerne veräußern würde. Das Grundstück gehört der Stadt Bonn.

Während die Erbengemeinschaft bereits Kontakt zu anderen im Gewerbegebiet ansässigen Firmen aufgenommen und die Immobilie zum Kauf angeboten hat, hat Bonnorange gemeinsam mit der Stadtverwaltung Überlegungen angestellt, auf dem Areal in Bonns größtem Gewerbegebiet einen Betriebshof zu eröffnen. Am Freitag hat sich der Verwaltungsrat von Bonnorange erstmals mit dieser Idee in nicht öffentlicher Sitzung beschäftigt und einstimmig beschlossen, dass Bonnorange die Kaufverhandlungen mit der Stadt Bonn und der Erbengemeinschaft fortsetzen soll. Nach der Sitzung sagte Verwaltungsratsmitglied Georg Fenninger (CDU) dem GA: „In diesem Fall müssen wir die gesamtstädtischen Interessen höher als die Beueler Interessen bewerten.“

Bonns Stadtbaurat Helmut Wiesner, Vorsitzender des Verwaltungsrates von Bonnorange, sagte bereits am Mittwoch dem GA auf Nachfrage: „Der Standort wird dringend für einen zusätzlichen Betriebshof benötigt. Hintergrund ist die Gewährleistung der Verkehrssicherheit im Winter.“ Laut Wiesner sucht Bonnorange seit vielen Jahren einen Standort auf der rechten Rheinseite. Zurzeit starte die gesamte Fahrzeugflotte am Lievelingsweg in Tannenbusch oder an der Weststraße in Bad Godesberg, um ihren Dienst in Beuel zu beginnen. Insbesondere zur Sicherstellung der hoheitlichen Aufgaben im Bereich der Straßenreinigung und des Winterdienstes seien die Anfahrtswege sehr lang, bevor das Fahrzeug im eigentlichen „Revier“ starten könne.

Erschwerend müsse noch die Situation auf den Rheinbrücken Berücksichtigung finden, über die die Fahrzeuge führen – wenn insbesondere die Nordbrücke nur noch bedingt für den Verkehr genutzt werden könne, komme es noch zusätzlich zu Komplikationen. Zum anderen sei auch zu prüfen, ob darüber hinaus eine Nutzung als Wertstoffsammelstelle möglich sei. Auch hier bestehe Handlungsbedarf, denn die Wertstoffquote in Bonn sei – gemessen an den von der EU geforderten Mengen – zu niedrig. Ein rechtsrheinischer Wertstoffhof wäre ein wichtiger Baustein zur Erfüllung dieser rechtlichen Vorgaben. Der Verwaltungsrat habe entsprechende Mittel bereits im Wirtschaftsplan bereitgestellt, so Wiesner. „Eine Lösung wird immer dringlicher und kann nur in Gewerbegebieten gefunden werden“, betonte der Stadtbaurat.

Dem widerspricht Ralf Becker, Geschäftsführer von Mobau Becker und Vorsitzender der Wirtschafts- und Gewerbegemeinschaft Beuel-Ost: „Große Teile unseres Gewerbegebietes sind schon seit Jahren der Schrottplatz und die Autoabladestelle für ganz Bonn. Zusätzliche minderwertige Nutzungen wie Salzlager und Müllabladestelle sind für die Entwicklung des Gewerbegebiets nicht förderlich – zumal sich gerade der Teil in der Röhfeldstraße in den vergangenen Jahren durch die Neuansiedlung hochwertiger Unternehmen erholt hat.“ Becker will das Thema mit seinem Vorstand besprechen und gegen die Absicht der Stadt vorgehen. „Die Öffentlichkeit weiß nichts davon. So stelle ich mir Kommunikation mit der Stadt nicht vor. Ich habe ständig Anfragen nach Gewerbegrundstücken und kann nichts anbieten“, so Becker.

Beuels SPD-Fraktionsvorsitzendem Dieter Schaper fällt es schwer, sich eine solche Nutzung an dieser Stelle vorzustellen: „In direkter Nachbarschaft gibt es Unternehmen, die expandieren und diese Immobilie kaufen wollen. Ein Gewerbegebiet sollte Gewerbetreibenden vorbehalten sein.“ Beuels Bezirksbürgermeister Guido Déus stuft die Absicht von Bonnorange ebenfalls kritisch ein: „Für diese Idee wird es in Beuel keine Mehrheit geben. Die Stadt Bonn wollte das Areal unlängst an einen Immobilienmakler in Sankt Augustin verkaufen, das haben wir auch abgelehnt. Wir werden dieses Thema im Wirtschaftsausschuss ernsthaft diskutieren müssen.“ Grundsätzlich begrüßt Déus die Absicht von Bonnorange, in Beuel ein Salzlager und einen Wertstoffhof eröffnen zu wollen: „Aber das Grundstück muss sich dafür auch eignen.“